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„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video

19.04.2011 | 15:32 Uhr
„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video
Die Polit-Popper von "Die Bandbreite" aus Duisburg haben ein Musikvideo zu ihrem Abgesang auf OB Adolf Sauerland gedreht. Darin tritt Sänger Marcel "Wojna" Wojnarowicz als Adolf Sauerland auf.

Duisburg.„Unseren Bürgermeister schicken wir ins Sau-, Sau-, Sauerland“, kalauern die umstrittenen Duisburger Polit-Popper von „Die Bandbreite“. Das Video zum Protestsong gegen OB Sauerland drehte die Band am Rosenmontag. Es zeigt Narren als Revolutionäre.

Zur Person
Marcel Wojnarowicz

Marcel Wojnarowicz und Torben Eckhoff sind in Duisburg-Rheinhausen aufgewachsen. 2000 gründeten sie „Die Bandbreite“, die seither vier EPs und drei Alben veröffentlicht hat.

Sänger und Songwriter Wojnarowicz betreibt die Plattenfirma „Lärmquelle Records“. Vor dessen Gründung 2004 studierte er Informations- und Kommunikationswissenschaften, arbeitete in der IT-Branche. In Jugendzentren veranstaltet er musikpädagogische Hip-Hop-Workshops. Zurzeit sucht er Partner für das Projekt „Kulturschocker“: Jugendliche Menschen sollen gemeinsam mit den Opern- und Schauspielhäusern im Ruhrgebiet an Hochkultur herangeführt werden.

Für manche ist Marcel Wojnarowicz ein netter Freak, für andere ein unseriöser Verschwörungstheoretiker. Für die meisten aber ist er der Spaßvogel, der ihre Heimatstadt besungen hat. „Dat is Duisburg“ ist der größte Hit von „Wojnas“ Band „Die Bandbreite“ und die inoffizielle Hymne der Stadt. Mehr als eine Million Mal wurde das Video zum Heimatlied seit Dezember 2007 im Netz angeklickt. Obwohl der 34-Jährige seine Stadt liebt, war schon „Dat is Duisburg“ keine Jubelarie . Nun hat er Oberbürgermeister Adolf Sauerland besungen. Dabei herausgekommen ist… Volksmusik (siehe Video am Textende).

So manchen wird es gewundert haben, dass sich Wojna und DJ Torben (Eckhoff) erst ein dreiviertel Jahr nach der Loveparade-Tragödie öffentlichkeitswirksam zu Wort melden. Schließlich gibt’s weit und breit keine Band, die ihre Meinungs- und künstlerische Freiheit über politische und musikalische Schmerzgrenzen hinweg so sehr genießt wie das umstrittene Duo. Und noch nicht mal Magath und Westerwelle sind wohl häufiger m Amt gewünscht worden als Sauerland . Aber eine Gaudi hat im Fall des CDU-Politiker noch keiner draus gemacht.

Marcel Wojnarowicz vor dem Rathaus Duisburg. Foto: Gerd Wallhorn

Sein Schunkelsong „Sauerland“ solle „eine Aufforderung zum friedlichen Widerstand“ sein, sagt Wojnarowicz. Dass der Protest gegen die Stadtspitze zumindest auf der Straße wenige Wochen nach dem 24. Juli verstummte, kreidet er den Duisburgern nicht an: „Viele haben eigene Probleme. Da fehlt oft die Kraft, sich zu scheinbar aussichtslosem Protest aufzuraffen.“

Der „Duisburg-Assi“ schunkelt in Feinripp mit

Drum macht sich Wojnarowicz die Welt, wie sie ihm gefallen würde: Das Musikvideo zu „Sauerland“ zeigt, wie die Duisburger ihren ersten Bürger aus der Stadt jagen – „ins Sau-, Sau-, Sauerland“. Wojna mimt – mit echtem Bart und falschem Bauch – den OB in Panik. Und die Narren des Rosenmontagszuges müssen als Volk herhalten, das den Umsturz auf den Straßen feiert. Schließlich übertönt die Stimme eines Reporters das Schifferklavier des Schunkelsongs: „Nach den Aufständen in den arabischen Ländern schlägt die Revolution nun auch in den Westen über.“ Und mit den Duisburgern freut sich im Video das Alter Ego des Sängers, der „Duisburg-Assi“. Der Schnauzbartträger hatte im Feinripp-Unterhemd schon über Duisburg hergezogen, im DFB-Trikot 2010 gegen „Nazi-Schweine“ gepöbelt und Oranje-Fans ins Bier gepinkelt.

Kritiker der US-Außenpolitik: „Die Bandbreite“.

Wenn’s ernst wird, spricht statt des Proleten aber Marcel Wojnarowicz. Der kreidet Duisburgs OB, er unterscheide nicht zwischen Schuld und politischer Verantwortung. „Er wird dafür gut bezahlt, dass hier alles richtig läuft. Dann ist etwas unfassbar falsch gelaufen – und er ist seiner Verantwortung nicht gerecht geworden.“

Die Schuldfrage hat sich der bloggende Hip-Hopper vorerst mit drei Strafanzeigen beantwortet: gegen Lopavent , Landes- und Bundespolizei sowie gegen Sauerland und seine Dezernenten. „Eine strafrechtliche Beurteilung will ich mir nicht anmaßen“, sagt er zwar. „Aber am 24. Juli hat auch die Polizei voll versagt. Und jeder Duisburger, den ich kenne, hätte die Loveparade besser organisiert als Lopavent und unsere Stadtspitze.“

Vorliebe für Verschwörungstheorien und Streit mit Medien

Dieser werden – Satire hin, Persiflage her – Passagen aus dem Abgesang auf Sauerland noch weniger gefallen als solche Äußerungen. Immerhin vermeldet der Revolutions-Reporter in „Sauerland“ das Ende der „Schreckensherrschaft des korrupten Regimes“ in Duisburg.

Hintergrund
Truther-Bewegung

Die selbst ernannte „truther“-Bewegung“ erhielt besonders nach den Anschlägen vom 9. September 2001 starken Zulauf. Vor allem im Internet tauschen sich von Verschwörungstheorien inspirierte User und Gruppen aus.

Die Web-Guerilleros haben allerdings zu vielen Themen unterschiedliche Standpunkte, etwa zu Sarrazin und Assange. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist die Überzeugung, von Staaten und Massenmedien belogen zu werden. Die von anonymen Autoren betriebene Aufklärungs-Plattform Esowatch unterstellt einigen „Wahrheitsbewegten“ kommerzielle Interessen. In anderen Zusammenhängen berichtet sie auch über „Die Bandbreite“. Journalist Jürgen Elsässer, für viele „truther“ selbst ein wichtiger Referenzpunkt, macht einen aktuellen Zerfall der Bewegung an der Stagnation der Piratenpartei fest.

Aber Falken-Mitglied Wojnarowicz weiß, wie sich Gegenwind anfühlt. Er hat mit seinen Texten, etwa zum Nahost-Konflikt und zur US-amerikanischen Außenpolitik, fleißig Empörung ausgelöst und Kritik von Vertretern des gesamten politischen Spektrums provoziert. Zwar hat der Hip-Hop-Act seit dem Erfolg von „Dat is Duisburg“ Gefallen an Liedern gefunden hat, die auch Ballermann-Besucher im Vollrausch mitgrölen könnten. Das Duo versteht sich nichtsdestotrotz als Teil der „truther“-Bewegung (siehe Infobox). So hält es etliche Verschwörungstheorien, etwa zur Manipulation des Wetters durch das Militär, zum Klimawandel oder zum 11. September, allen Ernstes für die Wahrheit.

Dass er es damit auch Journalisten schwer macht, weiß Medienkritiker Wojnarowicz freilich auch. DerSpiegel kreidete IG Metall und DGB 2007 den Auftritt der Bandbreite auf einem Gewerkschaftsfest an. Mit Unverständnis reagierte später ein Autor der WAZ darauf, dass das Duo trotz seiner Vorliebe für Verschwörungstheorien im Kulturzentrum „Parkhaus“ auftreten durfte . Zumal seinerzeit ausgerechnet Neonazis Beifall klatschten, als Wojna („Ich bin Antifaschist“) „Kein Sex mit Nazis“ gefordert hatte. Das blieb zunächst haften. Auf einen taz-Bericht über den Rosa-Luxemburg-Kongress 2009 reagierte der Musiker mit einer Unterlassungsklage: Die Tageszeitung darf nicht mehr behaupten, „Die Bandbreite“ verbreite anti-semitische Texte. Trotz der Schelte durch die Medien waren die Polit-Popper als Live-Act bei Gewerkschaften, Parteien (SPD, Linke, KPD) und Stadtfesten weiter gefragt.

„Schlager machen ist leichter als Schlager hören“

Duisburg
Wojna und die Liebe

Als sei die musikalische Zerrissenheit nicht schon anstrengend genug, hat Marcel Wojnarowicz seine große Liebe (Duisburg) für eine andere (eine Frau) verlassen: Seit dem 1.1.2011 wohnt er in Oberhausen (liebt er nicht ganz so sehr). Also nichts mit Umzug als Ausdruck politischen Protestes.

Weniger Feinde und ein breiteres Publikum haben der Band ihre Ausflüge in den Kalauerpop beschert. Wojnas Masche: „die Leute durch Triviales auf Explizites bringen.“ Auch in dieser Hinsicht ist der Sauerland-Song („Reichweite“ auf Youtube bislang: vergleichsweise magere 8200 Abrufe in einem Monat) ein neuer Anlauf. Der Sache wegen. Der Band wegen, so Wojnarowicz. Denn „Die Bandbreite“ hätte es ohne „Dat is Duisburg“ wohl nicht ins Vorprogramm von Michael Wendler geschafft. „Schlager machen ist aber angenehmer als Schlager hören“, gesteht Wojna. Er sei regelrecht bestürzt von „Schlager total“ in der Rhein-Ruhr-Halle zurückgekehrt: „Ich find’s unglaublich, mit wie wenig Inhalt sich so viele junge Leute zufrieden geben.“

Bleibt abzuwarten, wer auf dem vierten Bandbreite-Album, das Mitte 2011 erscheinen soll, den Ton angibt: der Mickie-Krause-Fan oder der Liedermacher, der sich in der Tradition von Biermann, Wecker & Co sieht. Wie dem auch sei: „Sauerland“ ist auch dabei.

Philipp Wahl

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Kommentare
20.04.2011
20:17
„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video
von dietmarku | #48

wirklich witziger Song.

20.04.2011
19:10
„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video
von turnaround | #47

Dass der Song musikalisch nicht anspruchsvoll ist und wohl auch garnicht sein soll, ist wohl Absicht. Die Humbta-Humbta-Musik passt besser zu AS als Beethovens Neunte. Das Thema LoPa 2010/Sauerland darf nicht aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geraten und dazu hat die bandbreite einen Beitrag geleistet. Danke! Kein Pardon, keine schleichende Rückkehr zur Normalität für AS und Co.

20.04.2011
19:08
„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video
von Mippes | #46

Keine Volksmusik, sondern ein Karnevalslied!
Vielleicht kann man das beim nächsten Karneval spielen, denn Sauerland wird mit Sicherheit so lange auf seinem Posten kleben bleiben.

20.04.2011
18:50
„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video
von phoenixx61 | #45

Die bandbreite hat wieder einmal zugeschlagen. Und das ist auch gut so (im besten O-Ton eines SPD-Politikers) ... Jungs lasst euch nicht von sollchen Vollpfosten anmachen, die nicht einmal selber in der Lage sind auch nur einen Ton herauszubringen. Weiter so - es gibt ne Menge Duisburger, die wolln euch hören - ich bin einer davon.

20.04.2011
17:48
„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video
von JerseyGirl | #44

Das Lied wurde schon zur Abschlussfeier Ruhr 2010 gespielt.
Es ist trotzdem passend. Und wie!

20.04.2011
16:52
„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video
von Sentinel | #43

Erwartet Herr Sauerland etwa Mitleid, erwartet Herr Sauerland,dass die Duisburger Bürger über das Vergangene hinweg sehen oder seine hilflosen Versuche die Stadt aus ihrem Imagedilemmer zu befreien in das er und seine Dezernenten die Stadt erst gebracht haben gut heißen? Erwarte Herr Sauerland, dass man seinen Schwippschwappkurs der persönlichen sowie politischen Verantwortung für gut befindet und mit lautem Hurra und auf zu neuen Ufern unterstützt. Damit würden wir Bürger die Opfer und Hunterbliebenen der LP nur verhöhnen und ich glaube, jeder Bürger unserer Stadt hat den Charakter dieses nicht zu tun. Ach so Herr Sauerland, Charakter brauchen sie in ihrem nahen Umfeld nicht zu suchen, werden sie nicht finden und eine Erklärung des Begriffes finden sie bei GOOGLE. Schicksale anderer Menschen interessieren sie doch auch nicht, warum sollte irgendjemanden ihres, das ihrer Familie oder das ihrer Dezernenten interessieren. Versuchen sie es mal bei einem der Sorgentelefone, vielleicht finden sie dort Gehör... Its time to go for you!!!

20.04.2011
16:33
„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video
von GeorgiaSam | #42

@41 Sie verteidigen Frau Koch-Mehrin, ziehen die Belege für ihre abgeschriebene Doktorarbeit in Zweifel, Sauerland-Kritiker sind verwirrte Protagonisten. Sie komentieren eifrig in einem Käseblättchen.

Da ist schon eine eher närrische als narrensichere Linie erkennbar.

20.04.2011
16:26
„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video
von foolproof | #41

Das derWesten sich nicht zu schade ist, so einem etwas verwirrten Protagonisten auch noch eine Bühne zu bieten, zeigt doch das Niveau auf, auf das dieses Käseblättchen langsam aber sicher abgleitet.

20.04.2011
16:09
Blockierter Kommentar.
von Johannis | #40

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.04.2011
15:59
„Die Bandbreite“ aus Duisburg verhöhnt OB Sauerland mit Volksmusik und Revolutions-Video
von gruenenfresser | #39

Innenminister Jäger klebt auch noch an seinem Sessel.

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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