Die Amsel hat Lust auf Rosinen

Meine Eltern sind wirklich fürsorglich, das muss man ihnen lassen. Nicht nur bei ihren drei Kindern, sondern auch bei den Vögeln, die durch deren Garten hüpfen. Wenn es geschneit hat, wird das Vogelhäuschen mit Körnern befüllt und als Nachtisch ein paar Rosinen auf die Terrasse gelegt. Jetzt lagern die Körner wieder für den nächsten Winter im Keller. Bei den Rosinen macht meine Mutter allerdings eine Ausnahme. Sind ja nur ein paar, sagt sie. Die Amseln wissen diese Fürsorge sehr zu schätzen und warten jeden Morgen bei Regen, Wind und Sonnenschein auf der Terrasse. Eines Morgens musste der Hunger besonders groß gewesen sein. Als meine Mutter nur kurz den Raum verließ, die Schiebetür zum Lüften weit offen stand, nahmen die Vögel das Frühstück selbst in die Hand und stolzierten durchs Wohnzimmer. Bei einem Piepmatz muss das Verlangen so groß gewesen sein, dass er sich bis in die Küche getraut hatte. Meine Mutter hat sich erschrocken, als sie von zwei großen Knopfaugen fordernd angeschaut wurde. Das war ihr eine Lehre. Die Rosinen vergisst sie jetzt nicht mehr, nach draußen zu legen. suko