Die Alpenstürmer vom Niederrhein

Was wir bereits wissen
Benjamin und Wilhelm Eimers aus Moers und Baerl gelang mit ihrem Freund Ramses Vanneste das Kunststück, mit dem Gasballon die Alpen zu überqueren.

Moers/Duisburg.. Mit dem Flugzeug von Düsseldorf über die Alpen nach Verona zu kommen, ist ja nicht schwer. Machen Sie das aber mal mit dem Gasballon! Benjamin und Wilhelm Eimers aus Moers und Baerl und der Belgier Ramses Vanneste haben das Kunststück jetzt fertig gebracht. 16 Stunden benötigten sie für ihre Fahrt, die Anfang Januar abends um 22 Uhr in Düsseldorf begann.

Bei der Planung mussten die drei nicht nur auf guten Wind achten. Denn auch Gasballone dürfen sich nicht so einfach durch den Luftraum bewegen. Sie müssen an jedem größeren Flughafen, den sie überqueren, bei der Flugüberwachung angemeldet sein und per Technik unterwegs ständig Kontakt halten – wie es auch Flugzeuge tun. „Nur nachts ist es ruhig am Himmel, da können wir die größeren Flughäfen auf Langstrecken passieren. Beispielsweise Frankfurt International hat nachts keinen Flugverkehr“, erklärt Benjamin Eimers (29).

Auf 5300 Meter gestiegen

Geschlafen wurde im Ballon wechselweise; auf der schmalen Bank, mit Daunenschlafsack und dicker Winterkleidung. „Ich war nachts dran. Als ich früh morgens erwachte, war es mit minus 15 Grad wirklich bitter kalt“, erzählt Wilhelm Eimers (64).

Belohnt wurden die drei Männer mit 200 Kilometern Alpenüberfahrt, Schneegipfeln und herrlichster Sicht. Über den 4000 Meter hohen Dolomiten herrschten gefährlich schnelle Höhenwinde. „Wir mussten auf 5300 Meter aufsteigen, um sie zu passieren.“ In der Po-Ebene westlich von Verona angekommen, holte Weltmeister Matthias Zenge aus Thüringen das Team mit dem Auto zurück.

Ein Gasballon ist mit Helium oder Wasserstoff gefüllt und kann daher im Gegensatz zum Heißluftballon, der mittels Gasbrenner fährt, auch echte Langstrecken zurücklegen. So stellte Wilhelm Eimers schon vor etwa 20 Jahren den Weltrekord auf, als er vom Bodensee bis nach Lettland fuhr, 92 Stunden war er da unterwegs. Der Wettergott half etwas mit: „Ich bin immer schön unter der Wolkendecke hergefahren.“ Diesen Rekord hat bis heute niemand eingestellt. Sohn Benjamin Eimers war immerhin schon mal 52 Stunden bis nach Polen unterwegs.

Und auch die aktuelle Tour war eine ungewöhnliche Fahrt: „Erst zweimal ist es Ballonfahrern gelungen, vom Rheinland über ganz Deutschland zu fahren, um die Alpen zu überqueren“, berichtet Benjamin Eimers stolz. Die letzte Fahrt gelang einem Marler Piloten vor 25 Jahren.

„Ballonfahren, das ist reine Physik“, schildert der alte Hase. Nicht nur Winde und Luftströmungen müssen berechnet werden, auch die Flughöhe kann variieren. Dazu werden Sandsäcke mitgenommen, die Anzahl muss der Pilot berechnen. Wobei zu bedenken ist, dass zu viel Rüstgewicht die Fahrtstrecke und -dauer beeinträchtigt, Sandsäcke aber andererseits zum Abwurf beim Aufsteigen benötigt werden.

Gern leistet sich Wilhelm Eimers bei den Weltmeisterschaften ein Wettrennen mit dem französischen Team, das den Siegerpokal schon siebenmal holen konnte. Aber immerhin ist Einers senior auch schon viermal Weltmeister geworden, erst letztes Jahr räumte er den Titel ab (wir berichteten). „Die Franzosen dürfen ihre Ballone selbst bauen. Da kann man am Gewicht schon einiges drehen, was bei unseren Vorschriften hier leider verboten ist“, berichtet Eimers neidlos.

Einmal um die ganze Welt...

Die Liebe zum Ballonfahren packte Wilhelm Eimers erstmals 1964, als er als 14-Jähriger an der Aakerfährbrücke an der Ruhr einen Ballon landen sah. Mit 29 Jahren, 1979, machte er seine Lizenzprüfung als Pilot. Inzwischen hat der Hauptbrandmeister im Ruhestand mit 45 000 Fahrtkilometern die Erde umrundet, etwa 8000 Stunden war er in der Luft. Ausbilder ist er ebenfalls geworden.

Kein Wunder also, dass der Sohnemann in die Fußstapfen getreten ist und für nächstes Jahr seine erste WM-Teilnahme anpeilt. Dann fahren Vater und Sohn in verschiedenen Teams um die Wette.

Wer mehr übers Ballonfahren und Vater und Sohn Eimers erfahren möchte, kann nachschauen unter www.ballon.org