Diakoniewerk sorgt sich um Zukunft

Rund zwei Drittel der Schulverweigerer, die das Diakoniewerk betreut, machen ihren Schulabschluss.
Rund zwei Drittel der Schulverweigerer, die das Diakoniewerk betreut, machen ihren Schulabschluss.
Foto: Dennis Strassmeier
Was wir bereits wissen
Viele Projekte laufen mit Erfolg – wie „Werk-statt-Schule“, das sich an Schulverweigerer richtet. Doch Finanzzwänge erschweren die Arbeit immer mehr.

Duisburg.. Wenn es um Inklusion geht, denken viele Menschen zunächst an den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern. Nicht so Sieghard Schilling, Geschäftsführer des Diakoniewerks Duisburg: Er betrachtet Inklusion vor allem als Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben – also auch der „Klienten“ des Diakoniewerks wie Drogensüchtige, Langzeitarbeitslose oder Flüchtlinge. Doch finanzielle Zwänge erschweren zunehmend seine Arbeit. Das sagte Schilling am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2014.

Ein Beispiel für die Wichtigkeit der Inklusion aller sei das 2014 gestartete Pilotprojekt „Ruhrort: inklusiv!“ im Fachbereich der Sozialpsychiatrie. Dabei wurde Tabea Rössig als Quartiersmanagerin in Ruhrort eingesetzt, auch um das Verhältnis zwischen Anwohnern und Menschen in den diakonischen Einrichtungen zu verbessern.

„Sie hat eine offene Sprechstunde zum Thema ,soziale Inklusion und Wohnumfeldgestaltung in Ruhrort’, zu der auch Anwohner kommen“, schildert Schilling. „So lernen die Menschen unsere Klienten kennen und können die psychisch Kranken besser verstehen.“

Außerbetriebliche Weiterbildung wird nicht weitergeführt

Auch das Projekt „Werk-statt-Schule“, das sich an Schulverweigerer richte, ziele auf Inklusion ab. „Es gibt viele Jugendliche, die einfach nicht in die Schule gehen“, erläutert Schilling. Von den 130 Teilnehmern des Angebots in den vergangenen 15 Jahren hätten auch zwei Drittel ihren Schulabschluss noch gemacht. Das Projekt „Klarkommen“ soll ebenfalls Menschen in die Gesellschaft besser einbinden: nämlich straffällig gewordene Jugendliche bulgarischer und rumänischer Herkunft. Zwei Mitarbeiter des Diakoniewerks betreuen die jungen Menschen in deren Muttersprache und sollen sie so von der schiefen Bahn lenken.

Bei allen Erfolgen in diesen Feldern macht ein Bereich Schilling aber große Sorgen. Durch die derzeitige Arbeitsmarktpolitik und das Streichen von Finanzmitteln leide das Angebot des Diakoniewerks für Langzeitarbeitslose und vor allem für arbeitslose Jugendliche – die außerbetriebliche Weiterbildung für Azubis werde daher nicht weitergeführt.

Das ist nicht das einzige Problem. Schilling: „Da wir tarifliche Löhne zahlen, können wir an manchen Ausschreibungen etwa für berufsvorbereitende Maßnahmen nicht mehr teilnehmen.“ So überzögen Träger, die gar kein Büro in Duisburg hätten, den Markt mit Dumpingpreisen. „Die Träger vor Ort sind aber auch ehrenamtlich tätig und sitzen in vielen Ausschüssen“, sagt Schilling. Und: „Bevor wir tarifliche Löhne aufgeben, wickeln wir das Angebot lieber ab.“