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Vandalismus

Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes

12.07.2012 | 22:00 Uhr
Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes
War schon mehrfach das Ziel von Attacken: der David von Hans-Peter Feldmann an der Museumsecke des Kantparks.Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Die im Umfeld des Wilhelm Lehmbruck Museums stehende Skulptur David von Hans-Peter Feldmann weist laut Gutachter Spuren verschiedener Attacken auf. Die Attacke auf seine Männlichkeit war vorerst die letzte.

Unmut gab es so einigen als er im April 2010 an der Ecke des Kantparks auf den Sockel gehievt wurde : der David des Düsseldorfer Künstlers Hans-Peter Feldmann, diese bunt bemalte Variante von Michelangelos weltberühmter Monumentalskulptur in Florenz. Handgreiflich geäußert wurde dieser aber erstmal nicht.

Im August 2011 hatte zwar Irgendjemand an der heroischen Nacktheit des David Anstoß genommen und ihm einen Lendenschurz umgebunden , doch die Nacktheit angestoßen und damit die Skulptur beschädigt haben Unbekannte dann vor gut drei Wochen. Mit einer Holzlatte, so wird vermutet, schlugen Vandalen in der Nacht zum 21. Juli der anderthalb Tonnen schweren Figur gezielt zwischen die Beine. Seitdem ist David eines Gutteils seiner sichtbaren Männlichkeit beraubt. Und das wird sich auch so schnell nicht ändern.

Schäden sind erheblich

Derzeit ist Hans König von der Firma „arts4arts“, der Feldmann bei der Herstellung der sechs Meter hohen Skulptur assistierte, damit befasst, ein Gutachten zu verfassen, welche Reparaturarbeiten ausgeführt werden müssen und wie sie zu bewerkstelligen sind, um den Ursprungszustand wieder herzustellen. Um das Ausmaß der Schäden zu ermitteln, musste er dem David per Hubwagen ganz nah auf die Pelle rücken. Und stellte dabei fest: „Die Schäden sind schon erheblich. Ganz deutlich sichtbar sind sie am Geschlechtsteil. Aber der David weist noch jede Menge weiterer Schäden auf.“

Von unten seien die weiteren „Verletzungen“ des Davids nicht so klar erkennbar, erklärte Hans König gegenüber der NRZ. „Aber es gibt fünf bis sechs Einschläge von Steinwürfen, die ebenfalls erhebliche Schäden angerichtet haben. Dazu noch zwei bis drei weitere, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind.“ König mutmaßt, dass nicht alle diese Schäden gleichzeitig verursacht wurden, sondern dass der David mehrfach Opfer heimtückischer Attacken geworden ist. „Das ist aber eine reine Vermutung“, betont König.

Vom Sockel muss die Skulptur nicht unbedingt

Derzeit ist König noch mit den Restauratoren im Gespräch und will sich zu den notwendigen Maßnahmen nicht konkret äußern. „Aber wahrscheinlich läuft es auf eine komplette Neubemalung aus“, so König. Auch weil Umwelteinflüsse wie Regen, Schmutz und Sonneneinstrahlung Davids rosigem Teint bereits arg zugesetzt haben. „Solche Kunstwerke müssen sowieso in bestimmten Abständen überarbeitet werden“, weiß König. Es gebe keine Farbe, die auf Dauer der UV-Strahlung trotze.

So hatte der David, der zuerst am Kölner Museum Ludwig und hernach vor dem Düsseldorfer Malkasten zu bewundern war, noch einen kompletten Neuanstrich über sich ergehen lassen müssen, bevor er nach Duisburg kam, um an der Ecke des Kantparks vor dem Lehmbruck Museum Stellung zu beziehen.

Um die Skulptur wieder herzustellen, müsse sie nicht unbedingt wieder vom ihrem Sockel geholt werden. „Mein Vorschlag wird sein, den David einzurüsten und dann an der aufgestellten Skulptur die Reparaturarbeiten auszuführen“, sagt König. Aber was nun weiter geschehe, das liege in der Entscheidung des Lehmbruck Museums und der Versicherungen. Grundlage dafür wird allerdings das Gutachten sein, an dem König derzeit arbeitet und das er baldmöglichst, auf jeden Fall noch im Juli fertigstellen will.

Ulla Saal



Kommentare
15.07.2012
09:00
Asozial ist hip
von Felderhoff | #15

Ob schön, hässlich oder anstößig steht doch nicht zur Debatte! Wollen diverse Kommentatoren das Beschädigen fremden Eigentums etwa rechtfertigen?
Mal ein ganz blödes Beispiel: ich finde das Auto meines Nachbarn häßlich, also beschädige ich es? Asoziales Verhalten ist hoffähig, oder was? Ja, ja, wenn die Mehrheit asozial denkt und handelt, muss der Rest so rein demokratisch und politisch korrekt eben auch Rechtsbrüche dulden.

1 Antwort
Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes
von kikimurks | #15-1

Sicherlich ist die Sachbeschädigung durch nichts zu rechtfertigen. Allerdings hätten die für die Aufstellung Verantwortlichen vorhersehen können, dass diese Scheußlichkeit nicht auf große Gegenliebe stoßen wird und einen geeigneteren Standort suchen können. Vielleicht wäre er dort dann auch verschont worden.

14.07.2012
02:19
Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes
von JanundPitt | #14

Schweinchenrosa und mit primitiven Gesichtszügen ist dieser David nur die Provinzausgabe des florentinischen David, geschenkt. Trotzdem ist er von einem Künstler geschaffen, wurde mit dem Geld der Steuerzahler bezahlt und kein dümmlicher Vandale hat auch nur im entferntesten das Recht, ihn zu beschädigen. Er gehört den Duisburgern.

Der mangelnde Respekt vor dem Gemeinschaftseigentum und dem persönlichen Eigentum in Form von Edelmetallen auf Friedhöfen, in Kirchen, Firmen, etc. sowie vor dem persönlichen Eigentum der Bürger in Form von Raub, Diebstahl, Wohnungs- und PKW-Einbrüchen hat in Duisburg - seit der EU-Ost-Erweiterung - beängstigende Formen angenommen. Warum sollen wir akzeptieren, dass wir ständig steigende Kriminalität, Respektlosigkeit vor unseren Werten und unserem Eigentum und Zunahme der Gewaltkriminalität vor unserer Haustüre aus Gründen verfehlter EU-Erweiterungs-und-Übertoleranz-Politik einfach so hinnehmen müssen? Wann hilft uns endlich "unsere" Politik?

13.07.2012
17:58
über kunst
von marianus | #13

kann man trefflich streiten.hier der david einige hundert meter weiter der pleitegeier vor den banken.da kann ich mir vorstellen das einige überfordert sind.etwas mehr zurückhaltende kunst und nicht das protzige so gewollte,wir sind "kunststadt" wäre vielleicht besser angekommen.

13.07.2012
16:39
Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes
von dextra | #12

Köln und Düsseldorf hat er unbeschadet überstanden. Das es ihm ausgerechnet in der Weltstadt Duisburg an den Kragen geht, wen wundert das noch, das Spiessbürgertum feiert doch hier ständig neue Feste

1 Antwort
Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes
von kikimurks | #12-1

Wahrscheinlich hat die Statue Köln und Düsseldorf überlebt weil sie nicht an einer so hervorgehobenen Stelle ausgestellt worden ist. Hätte man diese Grässlichkeit auf den Karlsplatz oder den Neumark aufgestellt, wäre es ihr sicherlich in Köln und Düsseldorf nicht viel besser ergangen.

13.07.2012
14:22
Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes
von kasimirv | #11

Du liebe Güte! Das Original steht ebenfalls nackich seit ungefähr 510 Jahren in Florenz rum. Ist er dort auch eine "Skulptur des Anstoßes"?

Schön finde ich die Bonbonfarbgebung unserer Duisburger Variante nicht, deswegen ist die Skulptur aber noch lange nicht anstößig.

13.07.2012
13:28
Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes
von ottow | #10

Ah, ich habe vielleicht verstanden, warum der blonde David an seinen edelsten Teilen beschädigt worden ist. Er sollte beschnitten werden:))

13.07.2012
13:16
Mit Holzlatte und Steinen
von graphos | #9

Noch was: wer zieht denn Nachts mit einer 6m lange Holzlatte durch die Innenstadt, in der Hoffnung, sich unerkannt direkt an der Kreuzung FW-Straße und Ddorfer an dem bestens beleuchteten David zuschaffen machen zu können? Abgesehen davon, dass sich die bei der Länge als äusserst biegsam und wenig treffsicher erweisen würde. Und mit Steinwürfen ist man auch nicht sonderlich zielsicher auf diese Distanz. Meine Vermutung: die klassische Zwille!

13.07.2012
13:11
David und die Duisburger
von graphos | #8

Ich frage mich allen ernstes, wie sich jemand über diese Skulptur hinsichtlich zur Schau gestellter Nacktheit aufregen könnte? Alleine das Tagesprogramm der privaten Sender bietet da schon mehr nackte Haut. Die Abend- und Nachtsendungen ganz aussen vor gelassen. Und sich das alles als konzertierte Aktion einer kulturbeflissenen Gruppe prüder Duisburger vorzustellen - no way!
Die Entmannung ist nichts als ein oberdämlicher Scherz, den sich ein paar Bekloppte im Suffkopp überlegt und dann in die Tat umgesetzt haben. Und der verschwundene Schniedel liegt jetzt bei irgendwem als Trophäe auf dem Tisch.

2 Antworten
Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes
von Hombuerger | #8-1

Eignet sich vielleicht auch als Ersatzdildo.Man weiß es nicht. :-))

Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes
von kikimurks | #8-2

Ich glaube kaum, dass es die Nacktheit ist, die die Menschen stört, vielmehr ist es die Hässlichkeit dieses monströsen "Kunstwerkes". Ich finde es reichlich gewagt es in einem Atemzug mit Michelangelos "David" zu nennen. Ich finde die Skulptur sieht eher aus wie eine zu groß geratene Plastikpuppe aus dem Design-Anfängerkurs der VHS.

13.07.2012
12:30
Dieser David ist mit Sicherheit als Provokation gemeint !
von KiaKosaki | #7

Da muss man sich doch nicht wundern, wenn er tatsächlich provoziert und Stellungnahmen herausfordert. Ich halte mich schon für kunst-sensibel, aber diese Skulptur ist vielleicht handerwerklich "richtig" gemacht, ich kann mir aber keinen Platz vorstellen wo er hinpasst. Nicht mal als Wasserstandsmelder in den Rhein.

Meine einzige Lösung wäre folgende Kunstaktion:

Man stellt ihn auf einen antiken Wagen mit Holzrädern, wie ihn die Römer vielleicht gefertigt hätten und hängt an diesen Wagen ca. 20 Seile. Nun dürfen sich Bürger, die aus unterschiedlichen Gründen mit diesem David nicht einverstanden sind, ihn eigenhändig in die nächste Stadt ziehen. Wie ein Schwarzes Peter Spiel. Duisburg - Dortmund-Grevenbroich-Marseille-Berchtesgaden-Palermo-Leipzig...egal wohin die Reise geht. Die Stadt, die dann am 31. Dezember die Figur bei sich stehen hat, zahlt allen Ziehern die mitgemacht haben jeweils einen Kasten Bier. Ich würde mitziehen, aber nur bis Krefeld!

13.07.2012
12:03
Der nackte David im Kantpark ist eine Skulptur des Anstoßes
von Hafenstaedter | #6

Die sexuelle Erregung der Duisbourgeoisie hat Tradition. 1927 wurde in Duisburg die Kniende von Wilhelm Lehmbruck geschändet.

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