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Der Meistergriller aus Duisburg

14.08.2014 | 10:00 Uhr
Der Meistergriller aus Duisburg
Mit dieser hohen Rippe trug Alfons Wienen seinen Teil zum Gewinn der deutschen Meisterschaft teil.Foto: Valk

Duisburg. Es gibt Sachen, die gehen gar nicht. Zum Beispiel Alfons Wienen zuzuhören, wenn er von Grillrezepten spricht, während man selbst Hunger hat. Wer sich sowas antut, der mag auch Folterknechte. Vor allem Fleischfreunde kommen bei dem 44-jährigen Duisburger voll auf ihre Kosten, wenn sie denn auf Gegrilltes stehen. Der Mann weiß genau, was er tut, schließlich ist er mit seinem Team „Barbecue Wiesel“ Deutscher Meister geworden: Im Grillen.

Das „Wiesel“ ist Wesel geschuldet, dem Vereinsstandort. Doch Alfons Wienen ist Duisburger, aufgewachsen in Meiderich, mittlerweile in Wanheimerort beheimatet, „gegenüber vom Stadion.“ Der Ton macht die Musik, der Mann ist ein Zebra-Fan, keine Frage. Und ein Grillmeister, seit er und seine Mannschaft Anfang August in Schweinfurt souverän den Titel holten: sieben Pokale, vier Einzeltitel und ein zweiter Platz brachten den Gesamtsieg bei den Amateuren. Und, horch auf, das alles mit mehr Punkten als die Profimannschaften am Ende auf ihrem Ergebniszettel hatten. Respekt.

Beercan-Chicken

Dabei war dem Mann die hohe Kunst des Grillens nicht in die Wiege gelegt worden. Alfons Wienen ist im normalen Leben Informatiker und grillte bis vor drei Jahren, wie die meisten Bundesbürger eben auch, auf seinem stinknormalen Holzkohlegrill. Das, was alle so grillen: Bratwurst, Koteletts, halt die Klassiker. Doch dann kam der entscheidende Tag. Seine Frau schenkte ihm einen Kugelgrill. Das erste Gericht: Beercan-Chicken, also das Hähnchen, dass eine geöffnete Bierdose im Popo hat. Sieht nicht so doll aus, schmeckt aber klasse. Seitdem geht, neben dem MSV, viel Zeit fürs Grillen drauf. Denn seitdem ist für Wienen der Grill im Prinzip wie ein Backofen. Und aus dem kann man so viele kulinarische Köstlichkeiten ziehen...

Angeeignet hat er sich die Haute Cuisine des Grillens in Internet. Das war auch gut für seine Wünsche nach mehr Equipment. Dem Berg von Grillzubehör konnte man gut beim Wachsen zusehen, wie Alfons Wienen unumwunden zugibt. Vier Grills hat er mittlerweile in Wanheimerort stehen, ein Gasgrill wäre wünschenswert, aber nicht aus eigener Tasche gezahlt. Weil BBQ Wiesel sich seit seiner Gründung vor zwei Jahren in der Szene einen Namen gemacht hat, spendieren schon mal amerikanische Hersteller, die auf den europäischen Markt kommen wollen, das eine oder andere Teil.

Eine logistische Herausforderung

„Bei uns hat jeder seine Fähigkeiten“, erzählt Alfons Wienen von den Wiesels. Der eine ist ein kreativer Kopf am Grill, der nächste kümmert sich ums Sponsoring, Wienen selbst beschäftigt sich als IT-Fachmann vor allem mit Marketing, mit der Homepage, dem Facebookauftritt. Bevor er zum Team stieß, habe man sich gegenseitig eingeladen und ein bisschen beschnuppert, denn Grillen soll ja - auch in diesen Sphären - Spaß machen und der kommt nicht, wenn man sich nicht sympathisch findet. „Und aus den Emotionen bei den Wettkämpfen entstehen starke Bindungen“, weiß Alfons Wienen. Also seine Teamkollegen sind für ihn mehr als Kollegen. Vielleicht klappte deshalb auch der Wettkampf in Schweinfurt so gut, zumal die Meisterschaften eine logistische Herausforderung waren.

Mit einem vollgepackten 7,5-Tonner und zwei Pkw reiste die Mannschaft freitags an, packte aus und stellte erst einmal Zelt, Grills, Kühlschränke, Bar, Sitzgarnituren, Banner und all das andere Zeug auf, was lockere sechs Stunden dauerte. Der Samstag startete um zehn Uhr mit den Vorbereitungen für das Grillen, was vor allem Schnibbeln hieß. Bis 21 Uhr. „Wir hatten uns gewundert, warum die anderen Teams schon trinken konnten, während wir noch gearbeitet haben“, erzählt der 44-Jährige beim Redaktionsbesuch. Und liefert die Antwort: „Die hatten viel weniger Beilagen auf ihren Tellern als wir. Die Rezepte für die DM waren schon extrem aufwendig.“ Am Samstag Abend kam auch schon das erste Gericht auf den Grill: Rinderbrust, gespritzt und mariniert mit einer geheimen Mischung. Deshalb brauchte das Team auch eine Nachtwache. Am Sonntag, dem eigentlichen Wettkampftag startete BBQ Wiesel um 6.30 Uhr mit den Rippchen. Denn bei Grillwettkämpfen ist das Zeitmanagement entscheidend. Wenn um 11 Uhr der erste Gang , in diesem Fall Bratwurst, gewünscht ist, dann wird um 11 Uhr serviert.

77 Portionen in fünf Stundenfür den Sieg serviert

Insgesamt gab es sieben Gänge, die im 50 Minuten-Takt ausgegeben wurden. Jeder Gang musste elffach zubereitet werden: Vier Boxen für die Blindjury, zwei Teller für Juroren die am Stand bewerten,vier Teller für Gastesser und ein Präsentationsteller. Insgesamt also 77 Portionen in fünf Stunden für den Sieg. Gegrillt wurden Bratwurst, Ribs (Schälrippchen), Fisch, Vegetarisch, Hohe Rippe, Beef Brisket (Rinderbrust) und ein Dessert.

„Wir haben gegrillt wie im Rausch“, erinnert sich Alfons Wienen gerne an den Wettkampf. Es flöppte einfach, die gute Vorbereitung hatte sich ausgezahlt, wie die Siegerehrung am frühen Abend zeigte. „Das war für die Zuschauer vielleicht etwas langweilig, weil immer wieder die gleichen Leute auf die Bühne kamen. Aber ich möchte das Gefühl gerne noch einmal haben.“

Das nächste große Event steht im Oktober auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen an und Alfons Wienen freut sich schon wie Bolle. Bis dahin wird er zwei bis dreimal die Woche einen seiner Grills rausholen und ausprobieren, ein wenig experimentieren. Sehr zur Freude seiner Freunde, die sich gerne von dem Duisburger einladen lassen. „Da hab ich eine lange Liste abzuarbeiten.“ Was isst er denn selbst am liebsten? „Chicken Wings in allen Variatonen.“ Und schiebt hinterher: „Oder unsere Burger, die sind echt weltmeisterlich.“ Vielleicht ja irgendwann in der Zukunft auch amtlich bestätigt.

Svenja Aufderheide

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Der Meistergriller aus Duisburg
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2014-08-14 10:00
Duisburg, Grillen, Grillmeister, Essen, Nahrung, Kochen
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