Der Kümmerer bei BSG Walsum

Engagiert sich seit 2003 bei BSG und war früher Sportkegler: Hans Jörg Minten.
Engagiert sich seit 2003 bei BSG und war früher Sportkegler: Hans Jörg Minten.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Der BSG-Vereinsvorsitzende und frühere Sportkegler Hans Jörg Minten ist immer und überall zur Stelle, wenn seine ehrenamtliche Hilfe benötigt wird.

Duisburg.. „Weißt du, wo der Doktor bleibt, ohne den können wir doch nicht anfangen?“ Eine der Herzsport-Gruppen der BSG Walsum will mit ihrem Programm in der Sporthalle der Schule an der Sternstraße beginnen. Und wartet bis der Arzt kommt. „Einen Moment bitte, darum muss ich mich eben kümmern“, sagt Hans Jörg Minten, der Vereinsvorsitzende von „Bewegung Sport Gesundheit“, wie die ehemalige Behinderten-Sport-Gemeinschaft seit 2011 heißt. Minten verschwindet nun schon zum dritten Mal aus der Umkleidekabine, wo er eigentlich über sein Ehrenamt sprechen will. Stattdessen tut er, was er immer tut, er kümmert sich. Als der Arzt schließlich eingetroffen ist, fragt er ihn nur noch schnell, ob er nicht Kollegen kennt, die auch Trainingsstunden der Herzpatienten beaufsichtigen könnten.

„Reha-Sport für Herzkranke wird oft und gern verschrieben, aber es muss immer ein Arzt dabei sein, das ist Vorschrift“, erklärt er, zurück auf der Umkleidebank, „und es wird immer schwieriger, genug Ärzte zu finden, die dafür Zeit haben.“

Minten, der in Wanheimerort aufwuchs und vor seiner Pensionierung im Karosseriebau arbeitete, hat den Vereinsvorsitz seit 2010 inne. Aktiv ist er schon viel länger, war früher Sportkegler und ist aktiver Schiedsrichter des Behinderten-Sportverbandes (BSNW). „Als Jugendlicher musste ich immer Fußball spielen, das hat mir den Sport fast verleidet“, sagt er lachend, „ich wurde erst aktiv, als ich entdeckte, was man alles außer Fußball machen kann.“ In der BSG engagiert er sich seit 2003. Davor war er an seinem Oberhausener Wohnort in einem Verein. Als er in Walsum neu anfängt, entscheidet sich seine Frau, im alten Sportverein zu bleiben. „Das war erst irgendwie komisch“, gibt er zu, „aber es ist nur eine ,sportliche Trennung’, an die wir uns inzwischen gewöhnt haben.“

160 Mitglieder

Die BSG hat 160 Mitglieder und außer Reha-Sport auch Bosseln und Sitzball im Angebot. Der Verein wurde 1957 gegründet und hieß damals Versehrten-Sportgemeinschaft. Nach den Kriegsverletzten engagierten sich auch viele Bergleute, die nach Arbeitsunfällen trotz Handicap in Bewegung bleiben wollten. Inzwischen gibt es eine Volleyball-Gruppe von nicht behinderten Sportlern, die eine neue Trainingsmöglichkeit suchten. „Man muss kein Handicap haben um bei uns mitzumachen, wir sind da ganz inklusiv“, sagt Minten und lacht schon wieder.

Manchmal ist es schwierig, die unterschiedlichen Interessen aller Mitglieder unter einen Hut zu bringen. Es gibt schon mal Diskussionen über Hallennutzungszeiten. Die Übungsleiterlizenzen müssen pünktlich verlängert werden. Dann sind wieder die Statistiken für den Verband fällig, die Abrechnungen mit der Krankenkasse, die Jahreshauptversammlung, das Sommerfest, die Pflege der Internetseite und so weiter.

Hans Jörg Minten kann unmöglich länger auf der Bank sitzen bleiben, er hat zu tun. „Alle wollen doch Sportangebote in ihrer Nähe haben, aber sowas organisieren und dafür Verantwortung tragen, das wollen eben immer weniger Menschen machen“, sagt er noch zum Abschied.