Der kleine Prinz lebt weiter
27.01.2012 | 18:23 Uhr 2012-01-27T18:23:00+0100
Duisburg.Zu seinen prominenten Gesprächspartnern gehörten Edith Piaf, Cassius Clay, Orson Welles und Woody Allen. Tausende von Interviews brachten Georg Stefan Troller den Ruf des „Menschenfressers“ ein. Der 90-jährige Journalist, Schriftsteller und Filmemacher las jetzt auf Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft und des Vereins für Literatur und Kunst in der Stadtbibliothek aus seinem neuen Buch „Vogelzug zu anderen Planeten“.
Der rastlose und trotz seines hohen Alters immer noch unermüdliche Autor, der unter anderem als ZDF-Korrespondent in Paris und als Schöpfer des „Pariser Journals“ bekannt wurde, hat mit dieser märchenhaften Geschichte die Fortsetzung von Antoine de Saint-Exuperys „Kleinem Prinzen“ geschrieben.
"Wer geliebt hat, darf sagen, dass es sich gelohnt hat."
So trifft der Prinz nach vielen Jahren den Piloten wieder und gesteht ihm, dass er auch gerne erwachsen wäre. Da rät ihm der kleine Fuchs, als erwachsener Mensch die Persönlichkeiten zu treffen, die unsere kollektiven Fantasien bevölkern. Dies sind bei Troller unter anderem Pinocchio, Max und Moritz, Schneewittchen und zuletzt Lolita, der der kleine Prinz in einem Pariser Luxushotel begegnet. Wo sie ihm in Gegenwart ihres Schöpfers Vladimir Nabokov und einer großen Journalistenschar ihre große Verehrung gesteht. Eine Reise, bei der der kleine Prinz herausfinden soll, ob sich das Leben als Erwachsener lohnt. Troller lässt Lolita antworten: „Ja es lohnt. Wer geliebt hat, darf sagen, dass es sich gelohnt hat.“
Freuen durften sich die zahlreichen Besucher dieser Lesung auch über Geschichten und Anekdoten aus Paris, darunter eine Begegnung mit dem Orson Welles, Regisseur von „Citizen Kane“. Troller, der als junger Mann aus seiner Heimatstadt Wien vor den Nazis zunächst nach Paris entkommen war, schilderte auch seine dortige glückliche Flucht vor der Gestapo.1949 ließ sich der junge Journalist endgültig in Paris nieder, wo er auch heute noch lebt.
Mit Beifall verabschiedet
Troller schwankt in seinen Erzählungen zwischen Nähe und Distanz, setzt stets Ironie vor Betroffenheit. Er erinnerte auch sehr humorvoll an die Zeiten, als die großen Pariser Maler im jüdischen Viertel ihre Modelle, von denen viele zu Berühmtheiten wurden, noch heirateten.
Zuletzt landete Troller dann wieder im Reich seiner Poesie: „Der kleine Prinz wird als Fragender noch sehr lange unter den Menschen leben.“ Der Gast aus Paris wurde mit viel Beifall verabschiedet.

0mitdiskutieren