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Der Gesundheitslotse kommt

09.05.2008 | 21:21 Uhr

SERIE. Ali Pisman berät ausländische Bürger über Vorsorgeangebote, gesundes Essen und die nötige Bewegung.

Der Gesundheitscheck ab 40, die Krebsvorsorge oder ein Diabetes-Test - all das sind vorbeugende Gesundheitsangebote, die ausländische Bürger kaum in Anspruch nehmen. "Vor allem die türkischen Bürger gehen erst zum Arzt, wenn sie krank sind", erklärt Ali Pisman. Das ist schädlich, und gegen diese Einstellung tut Pisman etwas: Er klärt auf. Darüber, wie wichtig es vor allem für ältere Menschen ist, die Vorsorgeangebote zu nutzen. Denn Ali Pisman ist Gesundheitsmediator.

Gesundheitsmediator? Was ist das denn? Der 35-Jährige erklärt seine Arbeit: "Ich bin Freiberufler und habe mich mit interkulturellen Gesundheitsdiensten selbstständig gemacht." Aha! Jetzt sind wir auch nicht schlauer. Nächster Versuch: Was macht ein Gesundheitsmediator?

"Ich halte vor türkischen Bürgern Vorträge über Kindergesundheit, Ernährung und Bewegung, über Mundgesundheit oder darüber, wie man man Übergewicht vermeidet", erzählt der gebürtige Duisburger. Einer seiner Hauptauftraggeber ist die Betriebskrankenkasse Novitas, die ihren Hauptsitz in Duisburg hat.

Pisman besucht Sozialeinrichtungen, Altentreffs, Kulturhäuser und Moscheen. Er spricht über das deutsche Gesundheitssystem im Allgemeinen und über die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen im Besonderen, über den Abschied von Alkohol und Zigaretten oder über seelische Gesundheit. Das macht er zweisprachig. "Bei älteren Migranten, vor allem Frauen, muss das sein. Denn auf Deutsch verstehen sie nicht alles", sagt Pisman. Er selbst spricht perfekt Deutsch.

Sein Informationsrepertoire bietet er auch weiteren Betriebskrankenkassen an, auch der die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder dem DRK. Es gilt, sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden. "Manche Zuhörer sitzen stumm bei meinem Vortrag und verstehen nichts. Dann erkläre ich es auf Türkisch." Pisman erzählt den älteren Türkinnen, dass sie nicht so fett und fleischhaltig kochen sollen oder dass Kinder Obst eher essen, wenn es in kleine Stücke geschnitten ist.

Als Aushilfe bei der Novitas begonnen

Pisman ist im weiten Umkreis der einzige interkulturelle Berater in Gesundheitsfragen, der dies im Hauptberuf macht. Angefangen hat er als Aushilfe, eine herrliche Geschichte: "Als Aushilfe in der Poststelle der BKK Novitas, dann war ich ein halbes Jahr in der Pflegekasse der Betriebskrankenkasse." Anschließend war der lernbegierige Türke noch in der Leistungsabteilung beschäftigt und kam so im Schnellkurs zum Grundwissen über Krankenkassen-Leistungen und Patientenfälle.

"Dabei habe ich nach meinem Abitur am Leibniz-Gymnasium Bauwesen studiert. Aber nach zwei Semestern habe ich aufgehört", blickt Ali Pisman zurück. Als nächstes eröffnete er ein Lokal an der Mülheimer Straße, was aber nicht von Dauer war. Die nächste Station war die Novitas, die Pisman dafür lobt, dass sie "als erste Krankenkasse ein gezieltes Angebot für türkische Versicherte aufgestellt hat".

In Hamborn groß geworden

Duisburg ist seine Heimat - "Hamborn hat für mich einen besonderen Wert" - und der Innenhafen seine Adresse. Dort lebt der 35-Jährige mit Frau und drei Töchtern. Und fühlt sich bestens integriert. Nicht nur wegen seines Postens in der Elternpflegschaft der Schule, die seine Kinder besuchen, oder der ehrenamtlichen Arbeit im Verein für den Kulturbunker Bruckhausen. Er lobt unsere Stadt: "Es ist soviel im Wandel. In Duisburg tut man viel für Ausländer, sie werden in alle Projekte einbezogen."

Er ist integriert. So integriert, meint Pisman, wie der Großteil der Migranten: "Sie haben deutsche Freunde und fühlen sich hier wohl. Duisburg ist eine Multi-Kulti-Stadt." Was gefällt ihm nicht? Da überlegt er lange. Bis ihm doch noch etwas einfällt - in seiner Arbeit als Gesundheitsmediator: "Die Gesundheitsverbände sollten noch mehr miteinander machen. Das hilft den Migranten."

Das was Ali Pisman macht, hat jetzt das NRW-Gesundheitsministerium mit den Betriebskrankenkassen als Projekt gestartet: "Mit Migranten für Migranten" (MiMi) heißt das Vorhaben, das den zugewanderten Menschen "Ängste nehmen und ihre gesundheitsliche Eigenverantwortung stärken soll". Durch Beratung von Migranten sollen Migranten über gesundes Leben informiert werden.

Weitere Informationen im Internet unter der Adresse www.bkk-promig.de.Deutschland", so heißt die neue Serie der NRZ-Lokalredaktion. Das heißt auch "Angekommen in Duisburg". Darum geht es: Um Zuwanderer und Eingebürgerte, die in Duisburg ihre neue Heimat gefunden haben, die sich hier wohlfühlen und etwas geschaffen haben. Wir stellen Beispiele für gelungene Integration vor, Beispiele für eine starke Integrationsleistung. Die NRZ wird aber auch Problembereiche aufgreifen und darstellen. Schreiben Sie uns Ihre Meinung dazu (e-mail: lok.duisburg@nrz.de).

ANDRE MASSMANN

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82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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