Der Geist der Stadt Gerhard Mercators

Die Universität trug einst den Namen Gerhard Mercators, dieses akademischen Migranten, mit dessen Namen sich auch die Stadt allzu gern schmückt. Schon seine Geschichte ist Grund genug, wissenschaftlichen Gästen das entgegenzubringen, was Prorektorin Klammer „wertschätzende Behandlung“ nennt. Dass es da offenbar trotz wiederholter Klage der universitären Chefetage hakt, sollte sich die Stadt nicht leisten.

Richtig ist auch: In Essen und Mülheim gelten die gleichen Gesetze wie in Duisburg. Sie sind ohne Ansehen der Person anzuwenden – eine Zweiklassen-Gesellschaft von Akademikern auf der einen und Flüchtlingen auf der anderen Seite ist nicht vorgesehen. Die Tätigkeit in der Ausländerbehörde zählt nicht zu den Traumjobs in der Verwaltung – auch richtig. Die steigende Zahl der Zuwanderer führt zu einem Arbeitsverdichtung, die Mitarbeiter längst an Grenzen bringt.

Dennoch sollten die Beteiligten schleunigst einen Ausweg aus dem Dilemma suchen. Dabei geht’s nicht um eine Sonderbehandlung, sondern um eine Gestaltung der Zusammenarbeit, die allen hilft. In Essen sitzt das Ausländeramt bei Sprechstunden mit am Tisch. Das kann Zeit sparen und Vertrauen schaffen, das derzeit offenbar fehlt.