Der Datenjäger
15.06.2010 | 16:55 Uhr 2010-06-15T16:55:00+0200
Duisburg.Facebook, Xing, Stayfriends, das Internet bietet über diverse Plattformen die Möglichkeit, mit Menschen auf der ganzen Welt in Verbindung zu treten.
Doch nicht nur Freunde und Bekannte können so auf ihr Profil zugreifen, auch Personalabteilungen oder neugierige Nachbarn haben die Möglichkeit, mehr zu erfahren, als so manchem lieb ist. Wer nebenher noch Videos bei Youtube hochlädt oder in diversen Foren aktiv an Diskussionen teilnimmt, kann schnell zum gläsernen Menschen werden. Hat man im weltweiten Netz erst einmal seine Spuren hinterlassen, sind sie über Suchmaschinen wie Google, Yahoo oder Bing noch jahrelang nachvollziehbar.
An dieser Stelle kommt Joachim Weifels ins Spiel. Mit seiner Firma Internetwacht.de geht der 41-Jährige, nach vorangegangenem Auftrag, regelmäßig auf die Jagd nach unerwünschten Daten. „Wir versuchen, den Betreiber der Internetseite ausfindig zu machen und fordern ihn anschließend zur Löschung der unliebsamen Daten auf“, sagt Weifels. In den meisten Fällen, vor allem wenn der Betreiber aus dem Bundesgebiet stammt, sind die Spuren schnell beseitigt. Nur selten, so Weifels, bedarf es der Hilfe eines Rechtsanwalts.
Neben den sogenannten „Social Networks“ sind auch Unterhaltungen in Internetchaträumen bedenklich. „Jeder, der sich zeitgleich in diesem Chat aufhält, hat die Möglichkeit, alles mitzuschneiden“, so Weifels. Auch auf diese Weise können völlig fremde Menschen über Jahre persönliche Informationen speichern.
Grundsätzlich empfiehlt der Experte, sich im Internet bewusster zu bewegen: „Man sollte darauf verzichten, seinen echten Namen und seine private Mail-Adresse zu verwenden.“ Wirklich problematisch wird es jedoch, sobald unliebsame Videos oder Bilder im Internet im Umlauf sind. Gehen diese erst einmal per E-Mail auf die Reise, ist der Schaden kaum mehr in den Griff zu bekommen.
Das Internet in jeglicher Form zu meiden, ist ebenfalls keine Lösung. Denn die persönliche Internetabstinenz führt nicht dazu, dass man ein unbeschriebenes Blatt bleibt. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Lehrer oder auch Gewerkschafter in Internetforen zur Zielscheibe werden“, sagt Weifels. Oftmals sei den Betroffenen gar nicht bewusst, dass ehrverletzende Diskussionen über ihre Person geführt werden.
Im Angebot hat Weifels deshalb einen „einmaligen Suchmaschinenscan“ oder auch einen „Jahresscan“, der jeweils monatlich durchgeführt wird. Bei allem Fortschritt, den das Internet garantiert, ist ein verantwortlicher Umgang mit personenbezogenen Informationen unerlässlich. „Für Personaler ist es ein Reflex, Bewerber im Internet zu suchen. Das ist die Vita der etwas anderen Art, in der man oft wesentlich mehr preis gibt, als im persönlichen Vorstellungsgespräch“, meint Weifels.

20:23
Ganz so einfach ist das leider nicht immer. Denn wenn man bewusst geschädigt wird, weil das Konkurrenzunternehmen in einem schlechten Licht dargestellt werden soll, werden eher ausländische Foren gewählt. So gibt es viele Investment-Boards, in welchen Geschäftsleute namentlich angeprangert werden, ihre Verdienste ergaunert zu haben. Das mag soweit in Ordnung sein, wenn es stimmt, wobei man auch hier nachfragen muss, ob eine solche öffentliche Diffamierung noch zeitgemäß ist. Jedenfalls sind solche Einträge sehr schädlich und müssen entfernt werden, denn auch Geschäftspartner und Banken sehen sich im Internet um, wenn um das Geschäft oder die Darlehensvergabe geht. Hier den Eigentümer des Boards, der an sich ja nicht weiß, dass hier ein Unschuldiger angeprangert wird, zu ermitteln, gestaltet sich oft schwierig. Sie haben meist Domain-Services vorgeschaltet, die den wahren Eigentümer bei der Whois-Abfrage verbergen und vergeben auch keine weiteren Informationen. Dafür werden sie auch bezahlt.
Das ist dann letztlich richtige Detektivarbeit, den Verantwortlichen zu ermitteln. Wenn man dann bei der Meldung der Löschwünsche einen Webauftritt wie Internetwacht.de vorweisen kann, ist eine Bearbeitung wahrscheinlicher. Zudem ist die Gefahr hoch, dass sich die negative Webaktivität noch steigert, wenn sich in solchen Fällen Personen selbst zu Wort melden. Das wird ggf. auch veröffentlicht, und die Angreifer schlachten das dann im Thread aus. Denn genau das wollen die Rufmörder ja oftmals: Jemandem schaden, und wenn der sich wehrt, macht es doch noch mehr Spaß. Internetwacht.de nimmt in schwierigen Fällen also auch die Rolle des Vermittlers ein, der die Aggression eher auf sich und weg vom eigentlichen Cyber-Mobbing-Opfer zieht. Natürlich auch mit dem Risiko, dass die nächsten Angriffe sich gegen Internetwacht.de richten. Was das Löschen von Einträgen in Deutschen Foren und auf Deutschen Websites angeht, da gebe ich Ihnen natürlich recht, das
kann und sollte jeder zunächst selbst versuchen. Und vor allem sollte man regelmäßig nachsehen, welche Einträge man in Suchmaschinen denn über sich findet.
12:36
Solche Dienst sind nur was für faule Menschen.
Die haben nicht mehr Möglichkeiten als man selbst. Einfach selbst googeln und ggf. den Betreiber anschreiben. Ist günstiger, als eine externe Firma zu beauftragen.