Den Draht zu Schülern nie verloren

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Hochfeld..  Im Büro steht eine riesige Pflanze. Es ist ein Geschenk der Fachschaft Religion. Nach 16 Jahren Dienst am Mercator-Gymnasium endet die Schulzeit von Rektorin Gabriele Boden. Sie nimmt zunächst ein Sabbat-Jahr und geht dann in den Ruhestand. Der Abschied fällt ihr schwer. „Nicht so sehr der vom Schulwesen. Da habe ich alle Irrungen und Wirrungen der vergangenen Jahre mitgemacht. Aber die Schule werd’ ich vermissen, es war hier sehr familiär.“ Am Mercator-Gymnasium mochte sie, dass es eine „überschaubare Größe“ hatte. „Ich kannte alle Giftzwerge, aber auch die Fruchtzwerge, mit Namen“, erzählt die Biologie-Lehrerin. Und noch etwas reizte sie: In Hochfeld konnte sie Kinder auf dem Weg zum Abi begleiten, denen die Bildungskarriere nicht automatisch in die Wiege gelegt wurde. Sie selbst hat es sich auch nie einfach gemacht.

Als erste Tochter baute Gabriele Boden das Abitur. Sie war diszipliniert und pflichtbewusst, passte regelmäßig auf ihre drei jüngeren Schwestern auf. Die Schulzeit, Volksschule und Gymnasium, fielen auch in die Zeit der 1968er. Gabriele Boden engagierte sich als Klassen- und Schulsprecherin, interessierte sich für Politik und hing nachmittags im Park rum. Das war damals noch als „Gammeln“ verpönt und nicht zu vergleichen mit dem heutigen „Chillen“. „Eigentlich wollte ich Architektin werden, aber damals gab es kaum Frauen in diesem Beruf – und Toiletten für Frauen auf Baustellen gab es schon gar nicht.“ Also studierte sie Bio und Mathe, und finanzierte sich das Studium als Vertretungslehrerin. „Für Biologie interessieren sich eigentlich die meisten Schüler“, weiß die Hobby-Gärtnerin. Meist schaffte es Gabriele Boden, die mit Vorliebe die „schwierigen Klassen“ der siebten bis neunten Stufe unterrichtete, ihre Begeisterung für das Fach weiterzugeben. „In der Pubertät kriselt jeder Jugendliche.“ Wichtig sei, den Draht zu den Jugendlichen nicht zu verlieren. Nur beschummeln ließ sie sich nicht. Wenn Schüler ein Referat hielten, konnten sie sicher sein, dass die Rektorin auch mal zu dem Thema gegoogelt hatte.

Nachdem die 62-Jährige zunächst als Lehrerin und später stellvertretende Schulleiterin arbeitete, lag es nahe, sich als Rektorin zu bewerben. „Im Grunde habe ich als Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin gemerkt, wie beschränkt die Einflussmöglichkeiten sind.“ Da hatte sie am Mercator-Gymnasium ganz andere Mittel. Als eine der ersten Schulen konnte man an der Musfeldstraße das Abi nach acht Jahren machen. In diesem Zusammenhang führte die Schule auch das Doppelstundenmodell ein und gründete Profil-Klassen.

Gabriele Boden verabschiedet sich auf Raten. Für den Nachfolger, der noch offiziell benannt werden muss, bleibt sie ansprechbar. „Aber jetzt mache ich erstmal so lange Sommerferien, wie ich immer haben wollte.“