Demos für und wider eine bunte Gesellschaft in Duisburg

Etwa 150 Pegida-Demonstranten haben sich am Montag, 7. März, vor dem Duisburger Hauptbahnhof versammelt.
Etwa 150 Pegida-Demonstranten haben sich am Montag, 7. März, vor dem Duisburger Hauptbahnhof versammelt.
Foto: Linda Schreiber
Woche für Woche zieht es die Menschen auf den Duisburger Bahnhofsvorplatz. Gut 300 waren es am ersten Montag im März. Pegida-Reden trafen auf Musik.

Duisburg.. Die mittlerweile 51. Versammlung vor dem Duisburger Hauptbahnhof, zu der Pegida NRW am Montagabend wieder aufgerufen hatte, verlief friedlich. Nach Polizeiangaben trafen sich etwa 150 Teilnehmer, um erneut gegen die von ihnen selbst so genannte "Islamisierung des Abendlandes" zu demonstrieren - viel weniger als in den vergangenen Wochen, in denen sich an selber Stelle bis zu 400 Pegida-Anhänger einfanden.

Mit Deutschlandfahnen - gern auch als Rock getragen, sonst in diesem Lande nur bei internationalen Fußballturnieren en vogue - lauschten die Teilnehmer den Rednern. Unterbrochen wurden diese hin und wieder von spontanen "Merkel muss weg!"-Rufen. Insgesamt war eher wenig los vor dem Haupteingang, bevor sich der Pulk zu seinem traditionellen Gang durch die Stadt aufmachte.

"Arschloch", Rio Reiser - und alle gut drauf

Auf der Gegenseite herrschte derweil die bessere Laune. Auch hier hatten sich rund 150 Menschen versammelt. Sie waren der Einladung von Eckart Pressler und Luise Hoyer gefolgt, die ab 18.30 Uhr wieder Musik und Kreativität auf die Bahnhofsplatte gebracht hatten. Die Initiative namens Duispunkt der beiden Organisatoren aus der lokalen Kulturszene legte zum vierten Mal den Fokus darauf, nicht nur wütend und ritualisiert "anti" zu sein, sondern im Sinne des Wortes zu demonstrieren, was Toleranz und Miteinander bedeuten kann. Das Akustik-Trio Doris D aus Duisburg spielte Musik in deutscher Sprache vor einem Publikum, das Lust hatte, zu tanzen und zu singen. "Da drüben wird geredet", so einer der drei Musiker mit Blick gen Pegida. "Komm, lass uns schnell singen. Das können wir lauter. Und schöner. Und schlauer!"

Es folgte: die Akustikgitarren-Version von "Schrei nach Liebe" der Ärzte, nicht erst seit der "Aktion Arschloch" im vergangenen Jahr ein Lieblings-Song von Nazigegnern. Entsprechend engagiert riefen die Zuschauer den Refrain mit. Letztlich das aggressivste Lied des Abends, denn zwischen dem "Haus am See", "Westerland", "Major Tom" und Rio Reisers - Achtung, künstlerische Freiheit - "König von Duisburg" grinsten die Menschen vor der Bühne meist die ganze Stunde lang durch. Von wütendem "Anti-tum" keine Spur. In der kommenden Woche soll Pianist Kai Schumacher im Rahmen von Duispunkt auftreten.

Drei Strafanzeigen

Laut Polizei gab es drei Strafanzeigen: Ein 15-Jähriger wollte mit Quarzsandhandschuhen zu den Pegida-Demonstranten vordringen, zwei Teilnehmer eben dieser Demo ließen sich zu "Sieg Heil!"-Rufen hinreißen.

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