Debatte um Bäderzeiten für Moslems

Soll es gesonderte Schwimmzeiten für Muslime in den städtischen Bädern geben? Die Stadt soll das zumindest prüfen, hat der Integrationsrat mehrheitlich beschlossen.

Immer wieder gibt es Diskussionen darum, dass muslimische Eltern und Kinder, sei es beim Schwimmen in der Schule oder in der Freizeit aus kulturell-religiösen Gründen Probleme mit dem gemeinsamen Sprung mit Nicht-Muslimen ins Becken haben. Nun hat die „Ummah“, ein in den Integrationsrat gewähltes islamisches Wählerbündnis, erreicht, dass die Stadt prüfen soll, „ob Schwimmzeiten und Schwimmkurse für muslimische Einwohner eingerichtet werden können.“

In der muslimischen Bevölkerung bestehe großes Interesse an der Einrichtung regelmäßiger Schwimmzeiten und Kurse, so der Antrag. Diese sollten wöchentlich und flächendeckend in allen Duisburger Bädern angeboten werden. „Ummah“ verweist auch darauf, dass es z.B. in den Grundschulen oft zu Problemen zwischen Eltern und Lehrern komme, weil Migrantenkinder nicht schwimmen könnten.

Das Wählerbündnis „Ummah“ steht für „Unabhängige multikulturelle Menschen aller Herkunft“. In seiner Selbstdarstellung fordert es die „Verbesserung der interkulturellen und interreligiösen Kompetenz“ und lehnt „jegliche Form von Diskriminierung, nationalistische und rassistische Anschauungen“ ab. Das Wählerbündnis hat mit der SPD eine Kooperation in dem Integrationsrat, in den Ratsvertreter entsandt und Migrantenvertreter gewählt werden.

Eine Mehrheit für den Prüfauftrag bei breiter Ablehnung durch die vertretenen Ratsfraktion und Zustimmung durch zahlreiche Migranten-Vertretungen, fand die „Ummah“ durch Enthaltung der SPD. „Das war ein Fehler der SPD“, so Rainer Grün, Ratsherr der „Duisburger Alternativen Liste“ DAL und Mitglied im Integrationsrat, der die „Ummah“ eher dem religiös-konservativen Lager zurechnet. So eine Debatte sei Wasser auf die Mühlen der falschen Leute, warnt Grün.

„Getrennte Schwimmzeiten nach Konfessionen entsprechen nicht unseren Vorstellungen von Integration“, meint auch Gerd Schwemm, bündnisgrüner Ratsherr und ebenfalls Mitglied im Integrationsrat. Er vermutet, dass das ohnehin rechtlich nicht möglich ist. Dass sich die SPD enthalten hat, liege möglicherweise an der Kooperation, die sie mit der „Ummah“ im Integrationsrat habe.

SPD: „Das ist eigentlich der falschge Weg.“

Auch CDU-Ratsfrau Sylvia Linn kann die Entscheidung nicht nachvollziehen: „Dieses Gremium wurde gebildet, um Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammenzuführen. Der Antrag will das Gegenteil: Er will trennen. Das kann nicht das Ziel von Duisburger Politik sein. “

Die SPD war offenbar überrascht von dem kurzfristigen Antrag und „schwamm“ ihrerseits. „Das war mit einem falschen Zungenschlag missverständlich formuliert“, meint die SPD-Sprecherin Edeltraud Klabuhn. Der „Ummah“ sei es nur um Schwimmzeiten für Frauen gegangen. Die SPD-Vertreterin Merve Özdemir erklärt: „Eigentlich sind getrennte Schwimmzeiten der falsche Weg.“ „Religiöse Schwimmzeiten in säkularen Schulen gehen natürlich nicht“, betont SPD-Ratsherr Stefan Dellwo. Möglichkeiten könnten spezielle Schwimm(kurs)angebote in Vereinen sein.