Das Wunder von Marxloh

Keine Proteste, kein politischer Streit, stattdessen Nachbarn, die die Moschee-Eröffnung mitfeiern, christliche Gemeinden, die Besichtigungen organisieren – als „Wunder von Marxloh“ ist die 2008 eröffnete Merkez-Moschee gefeiert worden.

Weniger von Wunder, mehr von Vernunft ist zu hören, wenn Mehmet Özay von Planung und Bau der Moschee berichtet. Der damalige Vorsitzende der Ditib-Gemeinde erinnert an die Gründung eines Beirates lange vorm ersten Spatenstich, der Schulen, Nachbarn, Politik, Verwaltung und benachbarte Kirchengemeinden umfasste und frühzeitig über Bauplanung und Inhalte des Vorhabens informierte: „So konnte im Konsens gebaut werden.“ Den Beirat gibt es immer noch – den Konsens auch.

Bauzeit dauertevier Jahre

Und was daraus geworden ist, kann sich sehen lassen. In vierjähriger Bauzeit entstand an der Warbruckstraße eine der größten Moscheen Deutschlands. 800 Betende fasst der Gebetsraum mit seinen prächtig ausgemalten Kuppeln, die auch das Äußere des Baus stärker prägen als das 34 Meter hohe Minarett.

„Es ist ein Ort des Zusammenkommens“, erklärt Özay das Wesen einer Moschee. Bauvorschriften gebe es nicht, und in Marxloh habe sich die Gemeinde an dem Stil orientiert, den die meisten Mitglieder aus ihrer türkischen Heimat kannten, die sie vor 30, 40 Jahren verlassen haben, um Arbeit in Deutschland zu finden.

Beträume haben die frühen Migranten in Hinterhöfen eingerichtet, in ehemaligen Ladenlokalen oder Gaststätten. Mit den Jahren sei der Wunsch immer stärker geworden, einen „würdigen“ Raum fürs Gebet zu haben, sagt Özay. Die Idee der Merkez-Moschee (Zentral-Moschee) war geboren.

Größtes Problem: die Finanzierung. Öffentlich gefördert wurde nur die angegliederte Begegnungsstätte, für alles andere, rund vier Mio Euro, mussten die rund 900 Mitglieder der Ditib-Gemeinde sorgen.

Was sie unermüdlich machten. Sie sammelten in den eigenen Reihen, in Nachbargemeinden, im nahem Ausland bis in die Schweiz, mit Sammelboxen in Geschäften und Kinderzimmern, immer wieder und ohne aufzugeben. Großspender hatte man kaum in den eigenen Reihen. Über 100 Gemeindemitglieder sicherten mit persönlichen Bürgschaften einen Bankkredit ab, und endlich war der Bau gesichert. Über drei Jahre wurde gebaut, der damalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers kam zur Eröffnung, und natürlich auch namhafte Vertreter von katholischer und evangelischer Kirche. Der Konsens hatte sich bewährt.

Die Bedeutung des stolzen Baus für die Duisburger muslimischen Glaubens bringt Özay auf den Punkt: „Wir gehören zu Duisburg, hier steht unsere Moschee.“