Das Schifferhaus macht die Schotten dicht

Der Evangelische Binnenschifferdienst Deutsche Seemannsmission geht nicht unter, aber die Finanzen reichen nur noch für halbe Kraft. Nach dem Aus für die Jugendarbeit, wird jetzt auch das traditionsreiche Haus an der Dammstraße in Homberg aufgegeben, das Generationen von Schiffern als Anker gedient hat. Am 31. Juli werden die Schotten dicht gemacht.

Superintendent Armin Schneider ist erleichtert, dass die Landessynode beschlossen hat, den Zuschuss der Evangelischen Kirche im Rheinland von 67 000 Euro pro Jahr nicht komplett zu streichen sondern um 27 000 Euro zu kürzen: „Die Seemannsmission muss nicht aufgegeben werden.“ Das bedeutet, dass Pfarrer Frank Wessel wie seit 21 Jahren weiterhin den See- und Binnenschiffern beistehen kann, die nur selten Gelegenheit haben, ihre Schiffe zu verlassen. „Sie sind an Bord praktisch eingesperrt“, sagt Wessel. Viele landen am Logistikstandort Duisburg: „Es gibt im Jahr 45 000 Gäste, die die Stadt nur von Weitem sehen. Wir übernehmen die Rolle des Gastgebers.“ Das können ganz praktische, scheinbar einfache Hilfen sein: Eine Tageszeitung in der Landessprache besorgen, oder Telefonkarten, mit der man auch auf den Philippinen anrufen kann. Das können aber auch die großen Momente im Leben sein, wenn etwa das Kirchenboot Johann Hinrich Wichern zu Trauungen oder Taufen ausläuft. Die Seeschiffe, die besonderen Sicherheitsvorschriften unterliegen, werden per Bus angesteuert.

Die Aufgabe des Hauses ist nach dem Aus für die Jugendarbeit ein weiterer Grund zur Trauer für Wessel. Hier fanden bislang Matrosen eine vorläufige Unterkunft, wenn sie arbeitslos geworden waren. Auch Schüler des Binnenschifffahrt-Berufskollegs und des Ausbildungsschiffs, das gegenüber der Seemannsmission ankert und zu wenig Betten für die vielen angehenden Matrosen aus ganz Deutschland hat, fanden hier mehr als ein Dach überm Kopf. Die Tage der offenen Tür für die Jugendlichen, der Treffpunkt für die Frauen aus der Binnenschifffahrt, die Weihnachtsfeiern – vorbei. Die Immobilie wird verkauft: Sie ust zu groß, zu marode.

„Es bleibt wenig, aber wir können noch etwas für die Leute auf den Schiffen tun“, sagt Wessel. 40 000 Euro gibt es von der Landeskirche, 40 000 Euro vom Kirchenkreis, dazu sollen Mittel vom Bund und Firmen kommen. Ein neuer, etwa 100 qm großer Anlaufpunkt in Ruhrort wird gesucht. Damit die Schiffer weiter ein Postfach haben.