Das Masern-Windpocken-Monster

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Dellviertel..  Stille. Das hochkonzentrierte Arbeiten erzeugt eine Stimmung, die den Gast dazu veranlasst, fast nicht mehr zu atmen. Die Kinder sollen ja nicht gestört werden. Ganz ruhig werden Flechten, Moose und Luftalgen unter einem Mikroskop beobachtet und danach haargenau auf ein Stück Papier zeichnerisch übertragen. Insgesamt 56 Viertklässler werden an diesem Nachmittag im Steinbart-Gymnasium in die hohe Kunst der Naturwissenschaften eingeführt.

Einige haben sich zuvor aufgeregt auf dem Schulhof getummelt, um die Gewächse zu sammeln. Im Klassenzimmer steht für jeden schon ein Mikroskop an kleineren Gruppentischen bereit. Aufs Mi­krospieren freuen sich die Schüler besonders. „In der Grundschule gibt es sowas für uns noch nicht. Wir haben ja noch nicht mal Biologie. Bei uns wird alles im Sachunterricht zusammen gefasst“, sagt Alina (9). „Alles“ – damit sind noch weitere Fächer gemeint, wie Physik und Chemie. Auch in diese Fächer schnuppern die Kinder rein.

So bauen die Nachwuchs-Wissenschaftler etwa ein „Steinbart-Hydraulik-Monster“ und bekommen so spielerisch Technik vermittelt. Das Monster ist ein aus Eierkartons gebasteltes Wesen, welches mit Hilfe zweier Plastikspritzen und einem Schlauch Unterdruck erzeugt und so den Mund öffnen kann.

Anschließend dürfen die Schüler ihre Ungeheuer nach den eigenen Wünschen der Schüler dekorieren. Ein besonders bedauernswertes Exemplar bekommt deshalb große rote Papp-Windpocken aufgeklebt.

Nico ist fix und fertig und stolz auf sein neues Haustier. „Ich hab’ so ein Monster schon mal hier beim Tag der offenen Tür gesehen und wollte auch unbedingt so eins.“ Tatsächlich findet dieses Projekt großen Anklang, so dass die Lehrer sogar Wartelisten erstellen müssen, damit jeder, der will, sich auch ein kleines Tier basteln kann.

In einem anderen Raum steht das Fach Chemie im Mittelpunkt. Hier werden gleich mehrere Arbeitsfelder angeboten. Und alle haben etwas mit Farbe zu tun. So können die Viertklässler ihren eigenen „Magic-Marker“ erstellen, was so etwas ist wie ein Tintenkiller. Um den neuen Stift auch gleich auf seine Funktion zu testen, bemalen die Kinder ein Blatt mit Tinte und erschaffen mit dem Tintenkiller eine lebhafte Unterwasserwelt. Die Schüler dürfen ebenfalls mit Farbe und der unterschiedlichen Färbung auf verschiedenen Stoffen wie Polyester oder Baumwolle experimentieren. Mit Erstaunen stellen sie fest, dass nicht alle Stoffe gleich gut gefärbt werden können. Siebtklässlerin Hmy (13) unterstützt ihre Lehrer und hilft bei den Stationen. „Ich finde Chemie klasse, weil man da weniger schreiben muss als zum Beispiel in Deutsch.“

Langsam geht die dritte Experimentierstunde dieser Art am Steinbart zu Ende, die Kinder freuen sich schon darauf, ihre Ergebnisse den Eltern zu präsentieren.