Das leise, eintönige Zirpen des Clavichords

Einen ganzen Abend auf einem Clavichord zu gestalten, dazu gehört Mut. Dass sich der Ton des kleinen, etwa tischgroßen Clavichords differenzierter und feiner modulieren lässt als der seines großen Bruders, des Cembalos, reizt natürlich auch heutige Spezialisten für Alte Musik. Leider ist der Klang so zart dimensioniert, dass sich von den Vorteilen in einem Konzertsaal kaum etwas wahrnehmen lässt. Selbst wenn der Raum so überschaubar ist wie der Kammermusiksaal der Duisburger Folkwang Universität, in dem der renommierte Kölner Cembalist Gerald Hambitzer Werke von Bach und Söhnen sowie Händel und weniger bekannten Meistern des Barocks vortrug.

Auf ganz leisen Sohlen

An diesem Abend kam „Große Klaviermusik“, so der Titel der verdienstvollen, von der Sparkasse getragenen Konzertreihe, auf ganz leisen Sohlen daher. Obwohl sich das Ohr im Laufe des Abends für die hyperzarten Klänge sensibilisierte, war, zumindest in den hinteren Reihen, kaum mehr als ein eintöniges Zirpen zu vernehmen. Die Ausdrucksintensität der experimentierfreudigen Fantasien von Carl Philipp Emanuel Bach erklang auf Sparflamme, die stilistischen Unterschiede der Tanzsätze in Bachs Cembalo-Suite BWV 815 verloren sich.

Kein abendfüllendes Instrument

Im Konzertsaal läuft das alles auf letztlich vergebene Liebesmüh’ hinaus. Als Kontrast zu Darstellungen auf größeren Cembali oder Hammerklavieren, mit denen Carl Philipp Emanuel Bach schon vertraut war, hätten zwei Beiträge auf dem Clavichord erhellend wirken können. Als abendfüllendes Konzertinstrument taugt das Instrument nicht.

Das sah sogar der asketisch-strenge Stilpurist Gustav Leonhardt ein, der auf dem Duisburger Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Fest vor gut 30 Jahren das Clavichord in der Marienkirche ergänzend einsetzte.

Kompliment für die spieltechnische Klasse Gerald Hambitzers und auch ein Lob für die Konsequenz, mit der er sein Konzept durchzog. Das Publikum im Kammermusiksaal dankte es ihm mit dem gebotenen Beifall.