Das Leben in Neudorf stand bei der Bombenentschärfung still
16.02.2010 | 20:03 Uhr 2010-02-16T20:03:00+0100
Duisburg.Rund 1500 Anwohner hatten ihre Wohnungen verlassen müssen, als am Dienstagvormittag auf der Baustelle des neuen Berufskollegs eine Fliegerbombe entschärft wurde. Für knapp zwei Stunden stand das öffentliche Leben im Stadtteil Neudorf still.
Um 12.52 Uhr ertönen über Funk die beiden Worte, auf die ein ganzer Stadtteil gewartet hat: „Bombe entschärft!” Und kurz nachdem die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes die frohe Botschaft überbracht haben, beginnt in Neudorf – aber auch im angrenzenden Duissern – wieder der Alltag. Zuvor hatte das öffentliche Leben dort für knapp zwei Stunden still gestanden. Nun atmen alle auf. Der befürchtete große Knall, er ist zum Glück ausgeblieben.
10.28 Uhr. Polizeiwagen fahren im Schritttempo durch die Straßen in der Evakuierungszone, die in einem Umkreis von 250 Metern um den Fundort (ehemaliges Gelände der Süßwarenfabrik der Gebrüder Heinze) eingerichtet wurde. Lautsprecherdurchsagen schallen blechern durch die Straßenschluchten. Es sind Aufforderungen, dass die Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen. Wer sich weigert, muss den Polizisten eine Erklärung unterzeichnen, dass er auf eigenes Risiko verbleibt. Fast alle 1500 Betroffenen aus dem „inneren Kreis” gehen aber ohne zu murren.
11.00 Uhr. Ab jetzt dürfen die Anwohner im zweiten, äußeren Ring um den Fundort – der so genannten Sicherheitszone – ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. An den betroffenen Abschnitten hat die Polizei Straßensperren errichtet, so dass niemand mehr hineinfahren kann. Der Verkehr knubbelt sich in engen Seitenstraßen rechts und links von der gesperrten „Hauptschlagader” Mülheimer Straße.
Kein Mensch zu sehen
12.02 Uhr. Kein Mensch ist zu sehen. Weder auf den Bürgersteigen, noch in Fenstern. Neudorf wie ausgestorben. Heinz Luerweg und Frank Stommel legen los. Die kalte Februarsonne spendet den Truppführern des Kampfmittelbeseitigungsdienstes gleißendes Licht. Dieses scheint auf eine englische Fünf-Zentner-Bombe, die da in 70 Zentimetern Tiefe freigeräumt aus dem Erdreich hervorlugt. Ein neues Gerät wird am Ende der Weltkriegswaffe befestigt, mit dessen Hilfe der Zünder maschinell herausgezogen wird. Dann verschanzen sich Luerweg und Stommel 100 Meter von dem Erdloch entfernt hinter der Schaufel eines Baggers. Eine ungewohnte Stille liegt über der Szenerie.
12.52 Uhr. Alles hat reibungslos funktioniert. Zwar war der Bodenaufschlagszünder abgerissen, dennoch gab’s bei dessen Entfernung keine Probleme. In einem zweieinhalb Meter tiefen Loch wurde er kontrolliert gesprengt. Damit war die Gefahr gebannt. „Ich hab über 100 Bomben entschärft”, erzählt Heinz Luerweg. Der 58-jährige Duisburger, der in Rahm lebt und diesen Beruf seit 1972 ausübt, geht nach wie vor mit der gebotenen Vorsicht an jede Aufgabe heran. „Auch nach so vielen Jahren muss man Respekt vor jeder Bombe haben.”
13.21 Uhr. Ein Bagger verlädt die entschärfte, nun an einem Tragegurt befestigte Bombe in jenen Transporter, der sie zum Zwischenlager nach Lintorf bringt. Von dort geht es weiter zu einem Munitions-Zerlegungsbetrieb in Ringelstein (Kreis Paderborn). Hier landen alle 300 entschärften Bomben, die pro Jahr in NRW gefunden werden. In Duisburg waren es 2009 exakt fünf – und die aus Neudorf wird 2010 sicher nicht die Letzte sein.

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