Das ist die unerzählte Nazi-Geschichte
01.12.2009 | 04:00 Uhr 2009-12-01T04:00:00+0100
Duisburg. Jan-Pieter Barbian, Sigurd Praetorius und Hans Georg Kraume veröffentlichen ein Buch über Duisburger NS-Historie. Es regt zur näheren Recherche an.
Es hat einen Haken, das Bild mit den Kreuzen. Denn über dem Gruppenbild der Duisburger Schützen von 1934, auf dem drei große Hakenkreuze unverkennbar sind, ist ein kopfloser Führer zu sehen. Der Duisburger Fotograf Hermann Hill hat nach dem Krieg das Bild bearbeitet und das Konterfei Adolf Hitlers entfernt. „Nach dem 8. Mai 1945 wurden solche Originalbilder problematisch. Durch die Bearbeitung durfte er sie behalten”, erklärt Jan-Pieter Barbian, Direktor der Stadtbibliothek Duisburg.
Diese Episode zeigt auf, wie schwierig es war, aus lokaler Sicht den Nationalsozialismus aufzuarbeiten. „Jeder wurde mit hinein gezogen”, sagt Barbian. Ross und Reiter zu nennen hätte viele Duisburger in eine unangenehme Lage gebracht.
Jetzt wollen Barbian, Sigurd Praetorius, Leiter der Universitätsbibliothek, und Hans Georg Kraume, Leiter des Stadtarchivs Duisburg, „das Tor zu den unerzählten Geschichten aufstoßen”, wie Barbian sagt. Sie veröffentlichen das Buch „Nationalsozialismus in Duisburg – 1920 bis 1945”, das diese schwarze Episode der deutschen Geschichte aus Duisburger Sicht aufarbeitet. Das knapp 200 Seiten zählende Werk erscheint beim Klartext Verlag.
Unterstrichen statt vertuscht
Meist wurde das Thema allgemein behandelt. Dabei spielte Duisburg in der NS-Geschichte keine untergeordnete Rolle. In den Goebels-Tagebüchern tauchen Duisburg, Hamborn, Friemersheim und Rheinhausen etliche Male auf.
Ein Aufsatz von Michael A. Kanther widmet sich der lokalen politischen Geschichte in Duisburg. Ludger Heid behandelt die Historie der jüdischen Gemeinde Duisburgs. Die Hermann Hill-Fotografien sind in einem Kapitel von Sigrid Schneider zu sehen. Der Versuch der Entnazifizierung von nach dem Krieg noch lebenden Duisburgern wird hier dokumentiert. Auf einem Bild einer Ratssitzung von 1934 – es ist auch das Titelbild des Buches – schwärzte Hill die Hakenkreuz-Armbinde des Protokollführers aus. Da die Schwärzung durchaus auffällt, unterstrich Hill damit indirekt die Nazi-Zugehörigkeit der Person.
Besonders spannend ist das Buch für diejenigen, die sich der Materie näher widmen wollen. Denn die von Eberhard Kröger, Lektor für Heimatkunde der Stadtbibliothek Duisburg, zusammengestellte Bibliografie listet Werke auf, „die überwiegend in Duisburg zu finden sind”, erklärt Sigurd Praetorius.
Neuerscheinungen sollen fortlaufend ergänzt werden.
Das Buch „Nationalsozialismus in Duisburg – 1920 bis 1945” ist für 16,95 Euro im Handel erhältlich; ISBN 978-3-8375-0124-7.

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