„Da bleibt mir doch die Spucke weg“

In vielen städtischen Kitas gibt es Notgruppen für die Kinder bei denen beide Elternteile arbeiten. Die Kinder essen Pfannekuchen mit Nutella und Marmelade in der Mittagspause. Im Bild Marlon (5). Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Service
In vielen städtischen Kitas gibt es Notgruppen für die Kinder bei denen beide Elternteile arbeiten. Die Kinder essen Pfannekuchen mit Nutella und Marmelade in der Mittagspause. Im Bild Marlon (5). Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Service
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Die Duisburger Mutter Yvonne Luft beschreibt die Auswirkungen des Kita-Streiks aus ihrer Perspektive. lobt die Erzieherinnen für ihre Arbeit und kritisiert die Verantwortlichen in der Politik.

Duisburg.. Mein Alltag als berufstätige zweifache Mami wird in diesen Tagen noch stressiger und spannender als er ohnehin schon ist - dank Kita-Streik. Was mache ich nun mit meinem Kind während des unbefristeten Streiks? Diese Frage interessiert Politiker und Arbeitgeberverbände offensichtlich wenig. So ist wohl auch zu erklären, dass die Auswirkungen des Streiks von dieser Seite eher heruntergespielt werden. Die Tageszeitungen melden, dass es in Duisburg insgesamt 40 Notgruppen für 650 Kinder geben wird. Soll ich weinen oder lachen?

Allein in unserer Kita sind 120 Kinder von Eltern, die zum Großteil beide berufstätig sind. Nicht in der Zeitung steht übrigens, dass ein Platz in der Notgruppe keineswegs heißt, dass ich mein Kind während der gesamten Streiktage betreut weiß. Pustekuchen. Ich habe genau wie alle anderen „bedürftigen“ Mütter und Väter für genau zwei Tage einen Platz in der Notgruppe bekommen. Dass die Woche deutlich mehr als zwei Tage hat, muss ich an dieser Stelle wohl nicht ausführlicher erklären, oder?

Die Woche hat mehr als zwei Tage

Ich hörte auch letztens, der Kita-Streik sei gar nicht so schlimm. Immerhin haben wir doch nächste Woche sowieso einen Feiertag und einen Brückentag. „Klar“, denke ich, „erzählt das mal der Krankenschwester, die ihr Kind bei uns in der Kita hat! Glaubt ihr, dass Kranke sich an Feier- und Brückentage halten?“

Und dann noch das: Da plädiert doch tatsächlich ein Verwaltungsangestellter an mein soziales Gewissen und sagt: „Wollen Sie wirklich eine arme Stadt wie Duisburg um die Rückerstattung der Elternbeiträge und des Essensgeldes bitten?“ Da bleibt mir doch die Spucke weg. Wir Eltern zahlen einkommensabhängig jeden Monat teilweise erhebliche Beiträge für Betreuung unserer Kinder in den Kitas. Auch in den nächsten zwei Wochen zahlen wir, nur leider gibt es dann keine Betreuung.

Angemessene Entlohnung

Wir Eltern spenden also der armen Stadt unser Geld, verstehe ich das richtig? Da möchte ich doch fragen: „Kann ich dafür eigentlich eine Spendenbescheinigung verlangen? Dann kann ich das zumindest von der Steuer absetzen.“ Die Stadtverwaltung lässt auch verlauten: „Wir stehen (…) für pragmatische Lösungen. Sollte es keinen anderen Weg geben, ist es völlig in Ordnung, wenn Eltern ihre Kinder mit zum Arbeitsplatz nehmen!“ Nun mal im Ernst: Soll ich als promovierte Sprachwissenschaftlerin meinen Zweijährigen mit in eine mündliche Examensprüfung an der Universität nehmen? Oder soll die Krankenschwester aus meiner Kita ihren Vierjährigen mit in den OP nehmen?

Da ich mich in unserer Kita Geeststraße in Friemersheim auch ehrenamtlich als Elternratsmitglied engagiere, bekomme ich viele Diskussionen mit Eltern und Erziehern mit. Im Prinzip verstehen alle Eltern das Anliegen der Erzieherinnen, dass sich die Arbeitsaufgaben in den letzten Jahren deutlich verändert haben und deshalb auch eine Anpassung im Gehalt folgen muss.

Tolle Arbeit in unserer Kita

Wir sehen Tag für Tag, was für tolle Arbeit in unserer Kita Geeststraße geleistet wird: Einjährige und Sechsjährige werden dort ganz individuell je nach ihren Bedürfnissen betreut, begleitet, gefördert, bespaßt und liebgehabt und zwar von festen Bezugspersonen mit pädagogischer fundierter Ausbildung und viel Freude am erlernten und gelebten Beruf. Die Lernfortschritte der Kinder werden von den Erzieherinnen umfangreich dokumentiert und pädagogische Konzepte ständig aktualisiert.

Ich habe meine Kinder in unsere Wunsch-Kita Geeststraße geschickt, weil es eine wundervolle Bereicherung für unseren Familien- und Berufsalltag ist. Ich bin der Meinung, dass solch eine gesellschaftliche Leistung in den Kitas auch einer angemessenen Entlohnung bedarf.

Also, liebe Politiker und kommunalen Arbeitgeberverbände, haltet euch doch mal an eure Wahlversprechen und investiert in die Bildung unserer Kinder, indem die Gehälter in sozialen Berufen endlich angepasst werden! Und übrigens: ein herzliches Dankeschön an meine 70-jährige Mutter, die in den nächsten Wochen einspringt und sich um ihren Enkelsohn kümmert, während die eigentlich Verantwortlichen noch diskutieren.