Couragierter Zeuge wird von Randalierer bedroht
23.11.2010 | 18:59 Uhr 2010-11-23T18:59:00+0100
Duisburg.„Misch Dich ein: Wähle 110.“ So wirbt die DVG für mehr Zivilcourage im ÖPNV. Jüngst zahlten Helfer für ihren Einsatz hohe Preise: Zwei Polizisten wurden verprügelt. Auch Christian L. mischte sich ein - und wird nun bedroht.
Gewalt und Vandalismus sind in öffentlichen Verkehrsmitteln keine Seltenheit. Nicht nur in Duisburg wird gepöbelt, gespuckt, gedroht und auch geschlagen. Betroffen sind davon nicht nur die unmittelbaren Opfer, sondern immer häufiger auch die Menschen, die sich getreu der aktuellen DVG-Aktion verhalten: „Misch Dich ein: Wähle 110“.
Zivilcourage einfordern ist immer wieder schick. Sich in einer bedrohlichen Situation persönlich aus der Anonymität herauszuwagen und Rückgrat zu beweisen, ist etwas ganz anderes. Dass ein mutiger Fahrgast deshalb später gar zum Opfer wird, kann und darf nicht sein. Vor allem die Polizei ist in solch einem Fall gefordert, die Sicherheit eines Zeugen zu gewährleisten. Christian L. in dieser unsäglichen Situation allein zu lassen, sorgt jedenfalls für Frust pur.
Zwei Polizisten, die in Rheinhausen in einem NIAG- Bus der Linie 921 einer jungen Frau zu Hilfe kamen, bezahlten ihren Mut mit Tritten und Schlägen , mussten ärztlich versorgt werden.
Vor etwa einer Woche griff eine Frau beherzt ein, als ein 15- und ein 16-jähriger Junge in einem Bus der DVG auf einen Elfjährigen einschlugen. Auch die couragierte Helferin erhielt Schläge und musste ins Krankenhaus.
Auch Christian L. (Name geändert) zeigte am 15. November Zivilcourage. Denn auch in der Buslinie 906 in Richtung Meiderich drehte ein Fahrgast durch: „Der junge Mann hat gespuckt und mit brennenden Streichhölzern nach mir geworfen. Anschließend hat er Teile der Innenverkleidung herausgerissen und einen Nothammer durch ein offenes Fenster auf ein Auto geschleudert“, berichtet Christian L., der anonym bleiben möchte. Kaum zu glauben: Der DVG-Bus war voll besetzt und niemand soll dem etwa 20 Jahre alten Täter Paroli geboten haben – mittags um 14 Uhr.
Gemeinsam mit einer jungen Frau, die ebenfalls bedroht wurde, meldete Christian L. beim Fahrer den Täter. Bis die Polizei jedoch an der Wiesbadener Straße eintraf, war der Unruhestifter längst verschwunden.
Im Kofferraum versteckt
Wenige Tage später sollte es ein Nachspiel geben. Christian L., der in einem großen Spielwarenladen in Meiderich angestellt ist, entdeckte den Täter mit Frau und Kind beim Stöbern zwischen Brettspielen und Kuscheltieren. Die herbeigerufene Polizei verhörte den Täter in einem anliegenden Geschäftsraum. Mit Platzverweis und Hausverbot ausgestattet, musste dieser später das Feld räumen.
Für eine Drohung war jedoch noch genug Zeit: „Er hat gesagt, dass er mich nach der Arbeit abschlachten wird“, sagt Christian L. Für den 25-jährigen Duisburger eine unerträgliche Situation. Hausverbot und Platzverweis hielten den wutentbrannten Randalierer nicht davon ab, sich in den nächsten Stunden regelmäßig in der Nähe des Spielwarengeschäfts herumzutreiben. Vor der erneut herbeigerufenen Polizei flüchtete er. „Eine Kollegin hat mich dann im Kofferraum ihres Fahrzeugs vom Gelände geschleust“, erklärt Christian L.
Sowohl Samstag als auch Montag lauerte der auf Rache sinnende Randalierer dem verängstigten Verkäufer auf. Noch zu Hause von seinen Kollegen gewarnt, ließ sich dieser freistellen. Erst am Dienstag, nachdem sein Arbeitgeber eine zusätzliche Sicherheitskraft engagierte, konnte Christian L. erstmals wieder zur Arbeit gehen. Von Polizei und DVG fühlt er sich dennoch allein gelassen. „Ich empfinde die Situation als unerträglich. Die Verkehrsbetriebe haben sich geweigert, auf der Linie Sicherheitskräfte einzusetzen. Nicht einmal ein Dankeschön habe ich bekommen. Auch dass die Polizei den Täter nach der Vernehmung auf freien Fuß gesetzt hat, kann ich nicht verstehen.“
DVG verspricht Dankeschön
Stefan Hausch, Sprecher der Polizei Duisburg, kann den Zorn des jungen Duisburgers nachvollziehen: „Wir versuchen natürlich, so etwas zu unterbinden. Die Kollegen werden sich weiterhin kümmern. Der Zeuge muss sich sicher fühlen, auch wenn man ihn natürlich nicht sofort in ein Zeugenschutzprogramm nehmen kann.“
Auch Helmut Schoofs, Sprecher der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft, betonte: „Wir bedanken uns ganz herzlich, wenn der junge Mann Zivilcourage gezeigt hat. Es wird auch ein Dankeschön von uns geben.“ Dass solche Übergriffe im ÖPNV auf der Tagesordnung stehen, verneinten Polizei und DVG unisono.

20:39
Es zeichnet einen Feigling aus, dass er mehr Energie in die Suche nach Ausflüchten und Rechtfertigungsgründen steckt, als in die Überlegung, wie man vielleicht trotzdem helfen könnte!
Solche Menschen widern mich an!
13:03
Ich guck auch lieber weg, anstatt haue zu beziehen :-)
09:06
Jeder der mich kennt, weiß das ich so nicht handeln würde, das hätten auch die meisten Leser richtig eingeschätzt. Ich habs nur auf den Punkt gebracht. Seid ihr jetzt doch Bäckerblume??? :-)
09:01
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00:56
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00:44
Und hier wird doch jetzt ein Schuh daraus! Was sagt denn der wunderbare Abgeordnete der SPD zu diesen Vorfällen im Zusammenhang mit der Sarrazin Diskussion!? - Augen zu und durch! Polizisten verprügeln, Frauen anpöbeln. Alte Menschen in angst und Schrecken versetzen! Tja da halten wir uns gepflegt zurück! Ich hoffe die Menschen merken sich dieses für die näcshten Wahlen!
22:32
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