Chor St.Ludger gewinnt regelmäßig Mitglieder dazu

Über  90 Mitglieder zählt der Chor. Sie schätzen vor allem die Gemeinschaft.
Über 90 Mitglieder zählt der Chor. Sie schätzen vor allem die Gemeinschaft.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Beim Singen kommt die gute Laune. Neue können projektweise mitproben. Aktuell wird die Nelsonmesse von Haydn einstudiert

Duisburg.. Auf dem Klavier steht eine Bonboniere mit Husten-Klümpkes, Eukalyptus-Geschmack. Daneben eine weitere Schale mit dutzenden Lesebrillen. Sie haben plus zwei Dioptrien, minus zwei Dioptrien... Ein Service für die 93 Sänger des Ludgeri-Chores. Der Kirchenchor ist einer der wenigen Ensembles, die keine Nachwuchssorgen plagen. Innerhalb weniger Jahre kamen dutzende neue Sänger dazu. Das liegt, sind sich die Mitglieder einig, vor allem am „einmaligen“ Leiter, Walter Dottermann. Er führe zwar straffes Regiment. „Aber er vermittelt die Verbesserungsvorschläge so, dass sie Spaß machen“, gerät Ursula Schröter ins Schwärmen.

Die Sopranistin muss es wissen. Sie ist schon seit über 20 Jahren dabei. „An diesem Chor gefällt mir vor allem der Zusammenhalt.“ Und: Beim Singen kommt die gute Laune fast automatisch. Dottermann mag so viel Lob gar nicht hören und gibt das Kompliment gerne zurück: „Wie man sieht, hält singen jung.“

Proben für dem großen Auftritt

Dann frisch ans Werk: Die Sänger schlagen ihre lila-farbigen Notenhefte auf. Geprobt wird „Missa in angustii“ von Haydn. Das Werk ist besser bekannt als „Nelsonmesse“. „Wir sind kein Elite-Chor, aber wir widmen uns anspruchsvoller Literatur. Bei schwierigen Passagen ziehen wir alle mit“, erklärt Dottermann. Er hat früher als Kirchenmusiker gearbeitet, bevor der Gemeinde nach und nach die Mittel ausgingen – und er deshalb als Musiklehrer an einer Schule anheuerte. Den Chor betreibt er als Hobby weiter. Aber für den großen Auftritt, den es einmal im Jahr gibt, muss eben auch geprobt werden.

Er stimmt die Melodie auf dem Klavier an und gibt dem Sopran ein Handzeichen. „Meine Damen, zwei, drei“, zählt er. Die singen: „Gloria, Gloria, in excelsis deo.“ Dottermann schaut ein bisschen streng über seine Notenblätter: „Trauen Sie sich. Keine Angst vor hohen Tönen.“ An einer Stelle solle der Text ein bisschen kichernd klingen. „Wie bei Klimbim“, vergleicht der Chorleiter. Ein zweiter Versuch, ein dritter – dann ist der „Alt“ an der Reihe. Bass und Tenor lesen derweil mit und lauschen. Später kommt ihr Einsatz. Theoretisch. „Ute, dein Mann weiß nicht, wo wir sind“, tadelt Dottermann lächelnd. Utes Gatte, Karl-Heinz, entgegnet seufzend: „Das kommt öfter vor.“

Um immer wieder neue Mitglieder zu gewinnen, geht das Ensemble neue Wege. Sie haben sich eine Facebook-Fan-Seite eingerichtet und bieten an, projektweise mitzumachen. Regelmäßig gibt es Schnupperproben. Dort können Neue vorsingen und testen, ob ihnen das Hobby Spaß macht. Geprobt wird immer für das Jahreskonzert, bei dem diesmal auch die Nelsonmesse vorgetragen wird. Begleitet werden die Sänger wieder von einem Orchester. Um unabhängiger von den Kirchenfinanzen zu werden, wurde zudem ein Förderverein gegründet. „Außerdem veranstalten wir regelmäßig bunte Abende, Cäcilienfeste“, erklärt Walter Dottermann. Für die Geburtstagskinder wird allerdings gesammelt einmal im Monat gesungen. „Sonst kämen wir aus dem Ständchensingen nicht mehr raus.“ Das Konzept mit den Projektproben hat sich übrigens bewährt. Heinz-Dieter Wagemeyer, Vorsitzender des Fördervereins, weiß: „Wer einmal mitgemacht hat, kommt in der Regel wieder.“