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Stahlindustrie

Chinesen übernehmen Werk in Duisburg-Hüttenheim

28.09.2012 | 17:55 Uhr
Chinesen übernehmen Werk in Duisburg-Hüttenheim
Das Werk von Thyssen-Krupp. In der blaugelben Halle links vorne werden Tailored Blanks gefertigt.Foto: Hans Blossey

Duisburg. Jahrelang war die Produktion von Tailored Blanks technologisches Aushängeschild des Thyssen-Krupp-Konzerns , jetzt wird die Produktion von hochpräzisen Autoblechen an die chinesische Wuhan Iron and Steel Corporation verkauft. Betroffen sind im Hüttenheimer Werk 303 Mitarbeiter, insgesamt 950.

„Strategische Weiterentwicklung“ nennt Thyssen-Krupp die Veräußerung und verweist auf die Selbstverpflichtung, den bestmöglichen neuen Eigentümer zu suchen. Betriebsratsvorsitzender Deniz Erdogan ist deutlicher: „Wir möchten kein zweites BenQ erleben.“ Die Stimmung in der Belegschaft sei am Boden. Zur Erinnerung: Der Konzern aus Taiwan hatte 2005 die Handy-Sparte von Siemens gekauft und 2006 geschlossen.

Tailored Blanks
Mit Autoteilen weltweit tätig

Thyssen-Krupp Tailored Blanks betreibt 13 Werke in Deutschland, Schweden, Italien, Mexiko, in den USA und der Türkei und auch schon in China – in der Nähe von Duisburgs Partnerstadt Wuhan.

Den Marktanteil weltweit gibt der Konzern mit 40 Prozent an. man sei der „führende Anbieter in diesem Produktsegment“. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2010/ 2011: 700 Mio Euro.

Gegründet wurde das Unternehmen 1985 in Duisburg.

Es gebe zwar eine Vereinbarung zum Schutz der Beschäftigten, so Erdogan weiter, „aber das ist erst einmal nur ein Papier“. Bei den Verkaufsverhandlungen in China war die Duisburger IG Metall eingebunden, Gewerkschaftssekretär Thomas Kennel war im Mai in Wuhan. In der Vereinbarung sei die Tarifbindung ebenso festgeschrieben worden wie eine Garantie der deutschen Standorte bis 2017. Bis dahin sind auch betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Und: „Standort als Unternehmenssitz bleibt Duisburg.“

„Dieses Unternehmen hat Geld“

Trotz dieser Vereinbarung geht in Hüttenheim die Sorge um, zumal ein großer Autokonzern als Auftraggeber ausgefallen sei – mit entsprechenden Folgen für die Ertragslage. Thyssen-Krupp war von Arbeitnehmerseite schon seit längerem gemahnt worden, in das Werk zu investieren. Der Duisburger Standort, so Erdogan, sorge für Innovationen auf dem Gebiet der Bleche, die aus verschiedenen Stahlsorten und -dicken maßgenau mit Lasertechnik zugeschnitten und verschweißt werden und für den Leichtbau von Automobil-Karosserien unverzichtbar sind. Aber um diese Stellung zu halten, seien Investitionen vonnöten: „Dazu gibt es aber noch keine Stellungnahme vom Erwerber.“ Wobei der Betriebsratsvorsitzende sich bei den Chinesen sicher ist: „Dieses Unternehmen hat Geld.“

Die Stahlkocher aus Duisburgs Partnerstadt Wuhan haben im Jahr 1958 die Produktion aufgenommen und gehören damit bereits zu den traditionsreichsten Stahlproduzenten in China (zum Vergleich: August Thyssen gründete 1867 sein erstes Unternehmen). Wuhan Iron and Steel beschäftigt über 80.000 Mitarbeiter (Thyssen-Krupp Steel etwa 40 000) und hat eine aktuelle Jahresproduktion von rund 34 Mio Tonnen Rohstahl (Thyssen-Krupp: 13,2 Mio t).

Willi Mohrs


Kommentare
30.09.2012
16:26
Chinesen übernehmen Werk in Duisburg-Hüttenheim
von Baurat | #7

Es ist doch kein Akt der Freiwilligkeit, ein Akt strategischer Neuorientierungen. Der Verkauf dient dem Ausgleich gewaltiger Verluste. Und das Ende ist deshalb noch nicht erreicht, weil die Standortperspektive Duisburg aus vielen lokalen, nationalen und kontinentalen Gründen keine mehr ist.
Das Gleiche gilt auch für Haniel, wenn auch andere Gründe (Fehler) für die Dramatik Haniels derzeit stehen.
Und da die Stadtwerke sich so verspekuliert haben, gilt auch für die kommunale Wirtschaft eine dramatische Veränderung.
So und nun die Frage an die mit sich so selbst beschäftigte Politik und Stadtverwaltung.
Was sind die politischen zielführenden Perspektiven. Die ausufende Pflege von sich selbst, von HartzIV-Dynastien, von sich selbsterfindenden Sozial- und Kultureinrichtungen und oder von Planungen ohne Perspektiven?
Ich empfehle eine nüchterne Einschätzung über die Zukunft der Stadt. Dann gehört der gesamte Bereich nördlich des Sozialäquartor BAB A40 abgerissen.

30.09.2012
12:36
Chinesen übernehmen Werk in Duisburg-Hüttenheim
von dr_john_becker | #6

Eine gute Nachricht gibt es ja: Wenn erstmal das Factory-Outlet-Center nach Duisburg kommt, brauchen wir gar keine Industrie / Produktion mit wirtschaftlicher Substanz mehr, weil wir dann - mehr noch als bisher - den ganzen Tag mit dem Kauf von noch mehr Jack Wolfskin-Jacken beschäftigt sein werden und in der wenigen freien Zeit, die darüber hinaus bleibt, auf goldgetäfelten Pracht-Boulevards zwischen Duisburg-Hamborn und Duisburg-Marxloh mit Spazierstock und Zylinder spazieren werden.

30.09.2012
08:43
Chinesen übernehmen Werk in Duisburg-Hüttenheim
von silverstone | #5

80.000 MA interessant,die arbeiten auch für 3 Euro und schlafen übereinander im Bett.

Na klar wird dem Rurhgebiet die Montanindustrie genommen.Habt ihr alle gedacht auf ewig wird hier malocht bei Thyssen und wie die alle sich nennen?!

Wacht auf !!!!


29.09.2012
21:24
Chinesen übernehmen Werk in Duisburg-Hüttenheim
von joestar | #4

Es werden immer weniger Standorte die (Thyssen-)Krupp in Duisburg verkaufen muss, um in Duisburg stahlfrei zu sein! Beitz und Cromme arbeiten immer noch an ihrem gemeinsamen Ziel!

29.09.2012
16:47
Chinesen übernehmen Werk in Duisburg-Hüttenheim
von Broncezeit | #3

Schuhindustrie weg, Textilindustrie weg, elektronischer Gerätebau weg, Schiffsbau weg, Eisenindustrie folgt, alles nur noch eine Frage der Zeit.

28.09.2012
19:56
Chinesen übernehmen Werk in Hüttenheim
von ellerw1 | #2

Man glaubt es kaum, bzw. man wird doch für bescheuert erklärt, zu sagen, dass das mit den Chinesen schief geht. Es ist tatsächlich so, Know-How wird abgezogen. Deutschland hat keine Rohstoffe, China mischt fleißig in Afrika mit, da dort die Rohstoffe liegen und in Deutschland wird die Technik einfach so gekauft. Wie China die Rohstoffe in Afrika ausbeutet ist schon vielfach berichtet worden. "...kein zweites BenQ"? Natürlich wird es das. So billig kommt China nicht an Know-How ran.

28.09.2012
18:03
Chinesen übernehmen Werk in Hüttenheim
von dr_john_becker | #1

Unglaublich, dass unsere politische Führung solch einen Ausverkauf von Know-How zulässt - nur, weil sich irgendwelche selbstsüchtigen Vorstände verkalkuliert haben, wird hier Tafelsilber (auch wenn es vielleicht gerade nicht massiv zum Shareholder Value beiträgt) blind verhökert, um eine schnelle Mark zu machen - von unternehmerischer Weitsicht und sozialer Verantwortung zeugt das nicht! Schämen sollten sich die Verantwortlichen, und zwar in Grund und Boden!

2 Antworten
Chinesen übernehmen Werk in Duisburg-Hüttenheim
von Pit01 | #1-1

Was wollen Sie denn? Wir haben eine freie Marktwirtschaft. Oder wollen Sie eine sozialistische Zwangswirtschaft a`la DDR?

Chinesen übernehmen Werk in Duisburg-Hüttenheim
von Cebulon | #1-2

von dr_john_becker | #1

Ohne die DDR und ihr Unrechtregime zu verteidigen:

Die Wirtschaft in der DDR nannte sich nicht Zwangswirtschaft, sondern Planwirtschaft. Und unsere freie Marktwirtschaft ist so frei weiss Gott nicht. Die Freiheit der Marktwirschaft bezieht sich auf die Freiheit der Märkte, sonst nichts. Der Einzelne bekommt von dieser "Freihiet" nicht szu spüren, vor allen Dingen nicht, wenn er in einer sogenannten abhängigen Beschäftigung steht.

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