Chinesen übernehmen Werk in Duisburg-Hüttenheim

Das Werk von Thyssen-Krupp. In der blaugelben Halle links vorne werden Tailored Blanks gefertigt.
Das Werk von Thyssen-Krupp. In der blaugelben Halle links vorne werden Tailored Blanks gefertigt.
Foto: Hans Blossey

Duisburg.. Jahrelang war die Produktion von Tailored Blanks technologisches Aushängeschild des Thyssen-Krupp-Konzerns, jetzt wird die Produktion von hochpräzisen Autoblechen an die chinesische Wuhan Iron and Steel Corporation verkauft. Betroffen sind im Hüttenheimer Werk 303 Mitarbeiter, insgesamt 950.

„Strategische Weiterentwicklung“ nennt Thyssen-Krupp die Veräußerung und verweist auf die Selbstverpflichtung, den bestmöglichen neuen Eigentümer zu suchen. Betriebsratsvorsitzender Deniz Erdogan ist deutlicher: „Wir möchten kein zweites BenQ erleben.“ Die Stimmung in der Belegschaft sei am Boden. Zur Erinnerung: Der Konzern aus Taiwan hatte 2005 die Handy-Sparte von Siemens gekauft und 2006 geschlossen.

Es gebe zwar eine Vereinbarung zum Schutz der Beschäftigten, so Erdogan weiter, „aber das ist erst einmal nur ein Papier“. Bei den Verkaufsverhandlungen in China war die Duisburger IG Metall eingebunden, Gewerkschaftssekretär Thomas Kennel war im Mai in Wuhan. In der Vereinbarung sei die Tarifbindung ebenso festgeschrieben worden wie eine Garantie der deutschen Standorte bis 2017. Bis dahin sind auch betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Und: „Standort als Unternehmenssitz bleibt Duisburg.“

„Dieses Unternehmen hat Geld“

Trotz dieser Vereinbarung geht in Hüttenheim die Sorge um, zumal ein großer Autokonzern als Auftraggeber ausgefallen sei – mit entsprechenden Folgen für die Ertragslage. Thyssen-Krupp war von Arbeitnehmerseite schon seit längerem gemahnt worden, in das Werk zu investieren. Der Duisburger Standort, so Erdogan, sorge für Innovationen auf dem Gebiet der Bleche, die aus verschiedenen Stahlsorten und -dicken maßgenau mit Lasertechnik zugeschnitten und verschweißt werden und für den Leichtbau von Automobil-Karosserien unverzichtbar sind. Aber um diese Stellung zu halten, seien Investitionen vonnöten: „Dazu gibt es aber noch keine Stellungnahme vom Erwerber.“ Wobei der Betriebsratsvorsitzende sich bei den Chinesen sicher ist: „Dieses Unternehmen hat Geld.“

Die Stahlkocher aus Duisburgs Partnerstadt Wuhan haben im Jahr 1958 die Produktion aufgenommen und gehören damit bereits zu den traditionsreichsten Stahlproduzenten in China (zum Vergleich: August Thyssen gründete 1867 sein erstes Unternehmen). Wuhan Iron and Steel beschäftigt über 80.000 Mitarbeiter (Thyssen-Krupp Steel etwa 40 000) und hat eine aktuelle Jahresproduktion von rund 34 Mio Tonnen Rohstahl (Thyssen-Krupp: 13,2 Mio t).