Charakterköpfe mit und ohne Haar
08.05.2009 | 17:48 Uhr 2009-05-08T17:48:00+0200
Zum 75-jährigen Erfolg des Duisburger Zoos haben auch zahlreiche tierische Persönlichkeiten beigetragen.
Wer ist eigentlich Knut? Lange bevor sich die Medien in kollektivem Entzücken versammelt auf den kleinen Eisbär des Berliner Zoos stürzten, hatte auch der Duisburger Tierpark ein solches schneeweißes Knuddelvieh mit Knopfaugen. Nur machte damals niemand ein Riesenaufsehen um den süßen Fratz mit Namen Nanuk.
1978 kam er mit 585 Gramm Lebendgewicht am Kaiserberg auf die Welt. Warum seine Mutter sich nicht um ihn kümmerte, und was aus seinem Geschwisterchen geworden ist, lässt sich heute nicht mehr herausfinden. Aber, dass Nanuk von dem damaligen Zoo-Inspektor Lothar Reimann per Hand aufgezogen wurde und mit ihm ungestörte Spaziergänge über die berühmte Expo-Brücke unternahm, das bezeugen alte Fotos.
Das Entzücken, die beiden in trauter Zweisamkeit durch den Zoo schlendern zu sehen, dürfte bei den Besuchern damals so groß gewesen sein, wie das der Medien unlängst angesichts des Wonneproppens Knut. Und vielleicht kann sich auch mancher noch an Nanuk erinnern, der leider im Alter von drei Jahren an einem Virus starb. Der erste Duisburger Eisbär gehört zu den berühmten Tieren des Zoos, der am Dienstag nächster Woche – am 12. Mai – sein 75-jähriges Bestehen feiert. Dass er in all den Jahren so zahlreich Besucher anziehen konnte, ist nicht zuletzt Tierpersönlichkeiten wie Nanuk zu verdanken.
Traumhengst Kaisoon
Eine andere Berühmtheit, ebenso schneeweiß wie der kleine Eisbär war der legendäre Traumhengst Kaisoon. Er war ein kostbares Geschenk des damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Gamal Abdel Nasser an die Bundesrepublik. Warum der schöne Zossen ab 1963 das Reitgestüt des hiesigen Zoos mit seiner Anwesenheit adelte, verliert sich im Nebel der Geschichte. Der heutige Zoo-Chef Achim Winkler kann sich nicht mehr daran erinnern, aber daran, dass der Zoo mit dem begehrten Zuchthengst gutes Geld verdient hat. Allein im Jahr 1978 hat Kaisoon dem Zoo 60 000 DM Deckgebühren eingebracht.
Weiß war immer eine gute Farbe für die Arche am Kaiserberg. Kennen Sie noch Ferdinand? 1975 hat ihn der damalige Zoo-Direktor Dr. Wolfgang Gewalt aus der Hudson Bay gefischt, was heute Gott sei Dank nicht mehr möglich wäre. „Ferdinand ist ein echter Charakterkopf, ein Clown, der den ganzen Laden unterhalten hat”, schwärmt Winkler noch heute von dem Belugawal, der es liebte, wenn seine Pfleger ihm die Zunge streichelten oder ihm Wasser ins Maul spritzten. 2004 zog er nach San Diego in die Sea World. Dort genießt er mit 39 Jahren als ältester Weißwal der Welt sein Rentnerdasein.
Bullenreiten mit Moritz
Mit Ferdinand hielten auch einige Schlittenhunde, die Gewalt von der Hudson Bay-Expedition mitbrachte, Einzug im Zoo. Die Meute wurde um einige Tiere aufgestockt und Robbenpfleger Helmut Törkel hatte einen besonderen Narren an den Alaskan Malamutes gefressen, die auch gerne als Lokomotiven des Nordens bezeichnet werden. Die heizten fortan beim Training für Schlittenhunderennen durch den Duisburger Wald und im Sommer durch den Zoo. Dann allerdings trieb Törkel sein Gespann mit einem alten VW-Fahrgestell an.
Einer anderen ungewöhnlichen Sportart frönte Törkel ebenfalls in seinem Revier: dem Bullenreiten. Sein breites Kreuz und sein speckiges 2,1 Tonnen Kolossalgewicht hielt See-Elefantenbulle Moritz dafür hin. Mit Vergnügen, wie Winkler versichert: „Moritz war ein ganz liebes Tier.” Und – er war kitzlig, direkt am Bauch unter den Flossen.
Nicht kitzlig, aber schreckhaft sind Koalas, die dann schnell einen Schluckauf bekommen. Das ging den beiden ersten putzigen Plattnasen, die 1994 im Zoo eintrafen, genauso. Blinky Bill und Kambara sind nicht nur in die Analen des Zoos eingegangen.
Vor allem Kambara hat sich auch in die Herzen der Zoo-Besucher gedöst. Umso mehr als er in seinen wachen Phasen zusammen mit Koala-Lady Yuri für den ersten Koala-Nachwuchs auf europäischen Boden gesorgt hat. Ihr Spross Kangulandei wurde zur zoologischen Sensation und ist heute noch immer eine gute Mutter und handzahm.
Eng verwandt mit den Koalas sind die Wombats, gern auch Schweine mit Fell genannt. Unter ihnen machte vor allem Emma von sich reden. „Unser Kopfkissenwombat”, so Winkler., „war ein ganz liebes Tier.” Die Mutter von Rolf, die 2008 mit 34 Jahren als ältester Wombat der Welt verschied, war höchst umgänglich. Was man von ihrem Artgenossen Boney nun so gar nicht behaupten kann. Die 40 Kilo schwere Wombat-Walze geht jedem, der nicht aufpasst, an die Wäsche. Weshalb ihn die Pfleger auch „Killerwombat” schimpfen.
Berühmtheiten sind schon jetzt die Gorillamamas Safiri mit ihrem Mädchen Kiburi und Vizuri mit ihrem noch namenlosen Nachwuchs. Aber ihre Geschichte hat gerade erst begonnen. Die erzählen wir dann zum 100-Jährigen des Zoos.

16:01
Wieso ist es radikal, wenn man für die Rechte von Tieren eintritt? Nur weil das Tier Mensch dann vielleicht auf ein wenig Vergnügen auf Kosten der Tiere verzichten müsste?
Die Delphinzucht in den Delphinarien ist durchaus nicht erfolgreich. Wenn das Züchten ein solcher Erfolg wäre hätte der Zoo doch jedes Jahr einen Überschuss von 3-5 Tieren... hatter aber nicht.
Der Grossteil, der sich in Delphinarien befindlichen Tiere stammt aus freier Wildbahn. Für Tiere die es gewohnt sind etliche km am Tag zu schwimmen und mehrere hundert m tief tauchen ist ein solches Betonbecken reinste Folter und da greift weder das Argument Zuchtprogramm noch die Wünsche der Schaulustigen.
Das hat weder etwas mit radikal noch mit militant zu tun, sondern mit Vernunft.
13:25
Wieso kommen eigentlich immer die gleichen negativen Kommentare zum Thema Zoo? Im besonderen zu den Delfinen? Ist das eine Plattform für die radikalen Tierschützer?
11:32
#2
Ich wusste far nicht das es z.B. einen Überschuss an Eisbären in freier Wildbahn gibt oder an weißen Tigern.
Schon mal drüber nachgedacht das man durch solche Zuchtprogramme auch die Artenvielfalt versucht aufrecht zu erhalten?
09:13
@1 und 2
Bitte jetzt nicht wieder diese militanten Tierschützer! EIn Zoo ist eine tolle Sache. Außerdem wird doch in den letzten Jahren überall in deutlich grössere Gehege und Anlagen investiert.
Und in Duisburg werden die Delphine doch echt gut gehalten. Dort hat es doch auch schon einge Geburten gegeben und die Tiere werden da recht alt.
06:57
Die Zucht in Gefangenschaft sorgt für einen Überschuss an Tieren. Babys sind nämlich Kassenmagneten und ziehen massenweise Besucher an, die zusätzlich zum Eintrittsgeld auch noch Geld in den Geschenkeshops und Snackbars der Zoos ausgeben.
Zoos können vielleicht größere und feudalere Anlagen bauen, aber es sind und bleiben doch Gefängnisse. Viele Verbesserungen sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Besuchern als den Tieren. Die meisten Tiere in Gefangenschaft leiden unter Frustration und Langeweile. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Tieren einzusperren, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen den Tieren genommen haben: ihren ursprünglichen Lebensraum.
06:56
Delfine sind für Delfinarienbesitzer ein gutes Geschäft: Sie locken Zuschauer an und lassen die Kassen klingeln. Doch hinter den Kulissen der scheinbar spielerischen Darbietung läuft ein unerbittliches, für den Delfin oft tödliches Geschäft ab: Viele Delfine sterben bereits während des Fanges und des Transports. Im chemisch aufbereiteten Wasser der engen, kahlen Becken und dem fehlenden biologischen und sozialen Umfeld leben die Tiere unter Streß und Haftpsychose. Die Sterblichkeit der gefangenen Delfine ist außerordentlich hoch. Die Tiere sterben häufig an Lungenentzündung, Herzversagen, Kreislaufkollaps und Vergiftungen. Die Lebenserwartung ist entsprechend niedriger als in Freiheit. Es ist unverantwortlich, diese hochentwickelten Tiere in Gefangenschaft zu halten, weil ihnen selbst die elementarsten Grundbedürfnisse vorenthalten werden: In freier Wildbahn leben Delfine in Gruppen von bis zu 100 Tieren zusammen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h, können bis zu 500 Meter tief tauchen und werden 10 Jahre älter als in Gefangenschaft.