Chance für Süchtigen

Die lange Drogenkarriere war einem 46-jährigen Duisburger, der sich jetzt wegen illegalen Drogenbesitzes vor dem Amtsgericht Stadtmitte verantworten musste, anzusehen. Wieder einmal war er mit Rauschgift erwischt worden. Diesmal aber kämpfte er dafür, nicht erneut hinter Gitter zu müssen.

Polizisten fanden bei einer Kontrolle am 4. Juni 2014 auf der Fischerstraße in Wanheimerort zwei Packs Marihuana in der Tasche des 46-Jährigen. Der mehrfach vorbestrafte Mann stand bereits unter Bewährung.

Doch vor der Strafrichterin konnte der Angeklagte, der sich als Hilfsarbeiter durchs Leben schlug und kaum Lesen und Schreiben kann, eine ganze Reihe von Gesichtspunkten anführen, die für ihn sprachen: Er sei nun Teilnehmer im Methadon-Programm, halte engen Kontakt zum Sozialamt. Dort denke man sogar über Maßnahmen nach, die ihn für einen Job fit machen sollen. „Ich bin doch jetzt dabei mein Leben in den Griff zu bekommen“, so der Angeklagte. „Das können sie mir doch jetzt nicht alles kaputt machen. Rein, raus, wem soll denn das nützen?“

Mit sechs Wochen Haft, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden, fällte die Richterin ein mildes Urteil. Sie unterstellte ihn der Aufsicht eines Bewährungshelfers. „Der kann sie dabei unterstützen, ihr Leben in den Griff zu bekommen.“ Für die Milde zeichnete zum einen das Geständnis des Angeklagten verantwortlich, zum anderen der Umstand, dass „erstmals ein Funken Hoffnung besteht, dass der Angeklagte doch noch die Kurve kriegt.“ Die Richterin gab dem 46-Jährigen Recht: „Wenn sie wieder in den Bau gehen, hilft das niemandem.“