„Casting“ lässt Publikum über Vorurteile nachdenken

Hochfeld..  Casting kennt ja jeder, da bekommt am Ende immer einer gesagt: „Für dich hat es leider nicht gereicht, du bist draußen.“ Nicht so im Theaterstück „Casting“, das jetzt in der Alten Feuerwache in Hochfeld Premiere hatte. Da muss am Ende keiner gehen, denn es haben doch alle eine Chance verdient.

Das Jugendtheater der Falken stellt in Kooperation mit dem Projekt Multi-Kulti junge Migranten auf die Bühne. Regisseur und Theaterpädagoge Sami Osman und Damira Schumacher spielen ein hintergründiges Spiel mit der abgenudelten Talentshow-Situation. Und nutzen sie als Chiffre für den gesellschaftlichen Umgang mit den Hoffnungen und Ängsten junger Migranten. Ständig beurteilt werden, gezwungen sein, den eigenen Wert zu erweisen, da versagen die Nerven. „Ich habe das ewige Casting-Karussell satt“, bricht es aus einem Prüfling heraus.

Die Jury führt Interviews mit den Kandidaten. Es schimmern Lebensgeschichten durch. Laura aus Italien hat oft kein Geld für den Tanzkurs, Dengis wird belächelt, als er sagt, dass er in Duisburg geboren ist. Der Hip-Hopper Dino aus der Jury ist sein Idol und auch für ihn macht Tanzen mehr Sinn als Drogen nehmen. Alex aus Serbien möchte lieber keinen Zettel ausfüllen, weil er sich für seine Schreibfehler schämt. Aber er spricht schon gut Deutsch, obwohl er erst ein Jahr hier ist. Fly Bee, die den Rap lebt und ghanaische Wurzeln hat, ist mit klassischer Musik aufgewachsen. Einige Jurymitglieder sind irritiert. Klassische Musik und Ghana? Ja, passt denn das? Fly Bee heißt bürgerlich Barbara Küpper und ist bei deutschen Pflegeeltern aufgewachsen. „Ach so, dann passt das ja“, die Jurymitglieder sind beruhigt. Und die Zuschauer haben Gelegenheit über Vorurteile nachdenken.

Entscheiden können am Ende sowieso nicht die Preisrichter.Das letzte Wort haben hier die Hip-Hopper, Schauspieler und Tänzer. Die diese und andere Talente entwickeln, gerne zeigen, was sie können und den Applaus genießen.