Bungee-Jumping in Kostümen an der Regattabahn in Duisburg

Kinder lieben Keenora besonders. Christian Preußens Sohn Fiete .
Kinder lieben Keenora besonders. Christian Preußens Sohn Fiete .
Foto: WAZ-Fotopool
Am 13. Juli kommen ungewöhnliche Bungee-Springer nach Duisburg an die Regattabahn in Wedau. Hier werden elf der Springer in einem Kostüm einer Fantasiefigur den Sprung in die Tiefe wagen. Einige von ihnen kommen sogar aus Norwegen oder Polen dafür hierher. Auch Nicolas aus Rhede ist dabei.

Duisburg.. Menschen, die in überdimensionale Plüschkostüme gewandet als Maskottchen Werbung für ein Produkt, einen Verein oder eine Einrichtung wie etwa den Zoo laufen, gehören oft zu den am meisten bedauerten Kreaturen. Wer springt schon gerne bei solchen Außentemperaturen wie gestern in solch schweißtreibenden Klamotten herum? Nun gut, wenn man dafür bezahlt wird. Aber freiwillig? Das macht doch keiner.

Falsch! Das machen ganz viele Leute. Und elf von diesen Menschen, die gerne mal in den Pelz einer Fantasiefigur schlüpfen, treffen sich am Sonntag, 13. Juli, an der Regattabahn in Wedau, um dort in Kostüm am Gummiband den freien Fall zu genießen. Die ungewöhnlichen Bungee-Springer kommen dafür eigenes aus Norwegen, den Niederlanden, Österreich und Polen angereist.

Freizeitspaß aus den USA

Nicht ganz so weit ist der Weg für Nicolas. Der 28-jährige IT-Spezialist wohnt zwar in Rhede, aber seine bessere Hälfte lebt in Oberhausen, weshalb Nicolas bereits öfters einen Ausflug in die Nachbarstadt am Rhein gemacht hat. Nicht in seinem normalen Outfit, sondern in der Haut seines zweiten Ichs: Keenora Fluffball. Wem in Duisburg schon mal ein überlebensgroßer Wolf mit hellblau-lila Fell über den Weg getrabt ist, hat Keenora bereits kennengelernt.

Related content Das flauschige Raubtier mit den himmelblauen Augen hat Nicolas selbst erfunden: „Das machen alle Furries so.“ Furries nennen sich Menschen, die sich für Tiere mit menschlichen Eigenschaften interessieren, und das nicht nur in Comics und Cartoons, in Bild und Ton, sondern auch einen Riesenspaß daran haben, sich solche Charaktere auszudenken und mit Hilfe von Kostümen in die Rolle zu schlüpfen.

Nicolas hat seinen freundlichen Wolf 1996 erfunden. „Anfang der 90er Jahre ist dieser Freizeitspaß aus den USA nach Europa rübergeschwappt. Dort gibt es an die 6000 Leute, die als Furries herumspringen, deren Wurzeln in der Star Trek-Szene liegen. In Europa sind es 1000 bis 2000 Menschen, die auch die entsprechenden Kostüme haben“, erzählt Nicolas. Er selbst besitzt seinen Wolfspelz in dreifacher Ausfertigung. „1996 habe ich mir die ersten Gedanken über meinen Charakter gemacht. Kumpels aus der Furry-Gemeinschaft haben Bilder davon gezeichnet und die Kostüme hat ein Furry-Fan aus Canada gefertigt.“

Related content 2000 bis 3000 Euro müsse man schon für einen solchen Plüsch-Pelz auf den Tisch legen. „Wenn es denn hochwertig sein soll“, betont Nicolas. Und das muss es sein, hüpfen doch die Furries in ihren Kostümen gerne mal am Gummiseil herum, gleiten durch die Lüfte, lassen sich auf Konzerten im Fell über die Köpfe der Menge hinweg durchreichen oder springen am Fallschirm aus dem Flugzeug. Wenn da die Kutte nicht richtig sitzt, kann der Spaß schnell zu Ende sein.

Wenn die Pelzträger mal keinen Abenteuer- oder Extremsport betreiben, tummeln sie sich gerne auch mal in Einkaufsstraßen oder an anderen Orten, wo viele Menschen anzutreffen sind. Denn das gehört zu dem Vergnügen: auffallen und gesehen werden.

Künstlername steht im Pass

„Zu 50 Prozent wollen wir selbst Spaß haben und zu 50 Prozent wollen wir anderen Spaß bereiten“, sagt Nicolas und erzählt, dass er mit zehn Freunden im Kostüm mal die Düsseldorfer Rheinpromade entlang geschlendert ist als sie auf eine Gruppe behinderter Kinder getroffen sind. „Denen haben wir uns ganz vorsichtig genähert, weil wir ja niemanden erschrecken wollten. Aber die Kinder haben sehr positiv reagiert, uns sofort in den Arm genommen und einige haben vor Freude geweint.“

„Das ist toll, wenn man in dem Kostüm anderen Menschen etwas geben kann“, genießt Nicolas sein Dasein als Keenora Fluffball. „Ich bin selbst ein recht offener Typ, aber als Keenora knüpfe ich viel schneller Kontakte, auch mit Prominenten. In dem Kostüm kann man vorbehaltloser auf die Menschen zugehen, sie umarmen und Blödsinn machen.“

Oder eben Dinge, die ein wenig Mut erfordern. „Als Nicolas hab ich noch keinen einzigen Bungee- oder Fallschirmsprung gemacht. Ich weiß gar nicht, ob ich mich das überhaupt trauen würde.“ Als Kunstfigur Keenora hingegen, deren Name er auch als Künstlername in seinem Pass stehen hat, ist das für Nicolas kein Problem. Der blau-lila bepelzte Wolf ist nun mal „etwas verrückt“ und „draufgängerisch“.

Das nächste Mal am 13. Juli in Duisburg, wenn er sich mit seinen ebenfalls kostümierten Kumpels an der Wedau am Bungee-Seil kopfüber ‘gen Boden stürzt.