Bürogebäude soll Notunterkunft werden

Schul- und Personalamt sind vor einiger Zeit umgezogen.
Schul- und Personalamt sind vor einiger Zeit umgezogen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Stadt prüft, ob das alte Schulamt an der Memelstraße zum Flüchtlingsheim umfunktioniert werden kann. Für den Umbau müsste ein hoher sechsstelliger Betrag investiert werden.

Duisburg-Neudorf.. Die Stadt muss immer mehr Flüchtlinge aufnehmen und sucht deshalb händeringend nach neuen Standorten für ein Asyl. Als mögliche Notunterkunft wurde nun das ehemalige Schul- und Personalamt an der Memelstraße ausgesucht. „Momentan gehen wir vor allem nach Machbarkeit. Die Landesbauordnung macht vor allem beim Thema Brandschutz sehr strikte Vorgaben, die wir natürlich einhalten müssen. Wir haben zwar Leerstand in der Stadt, aber es gibt eben auch Gründe, warum diese Objekte nicht genutzt werden. Oft ist da die brandschutztechnische Sanierung nicht mehr möglich. Außerdem gibt es in Duisburg etliche sogenannte Störfallbetriebe. Auch da müssen wir bei der Suche nach geeigneten Objekten immer Abstriche machen, weil wir Grenzabstände einhalten müssen“, erklärt eine Stadtsprecherin die Lage. In das alte Bürogebäude müsste ein hoher sechsstelliger Betrag, etwa in die sanitären Anlagen oder in den Brandschutz, investiert werden. Nach den Sommerferien soll der Rat schnellstmöglich einen Beschluss fassen.

Lothar Tacke, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung (BV), kritisiert hingegen die mangelnde Transparenz, mit der die Stadt die Entscheidung trifft. In einer der vergangenen BV-Sitzungen forderten die Politiker die Verwaltung auf, dazu einen Kriterienkatalog und eine entsprechende Standort-Liste zu veröffentlichen. Dann wolle man sich selbst auf die Suche nach Alternativen machen. „Wir wurden zwar über eine grundsätzliche Suche informiert, aber im konkreten Fall wieder nicht einbezogen“, so Tacke. Fredy Wagemeyer, Fraktionsvorsitzender der CDU in der BV, haut in dieselbe Kerbe. „Transparent kann man das nicht gerade nennen.“ Zudem liege das Gebäude mitten im Wohngebiet. Auch das sei eine neue Situation. „Aber wir stehen dahinter, dass wir den Menschen helfen müssen.“

In Neuenkamp war auch deshalb der Unmut in der Bevölkerung groß, weil die Stadt die Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt hat. „In Neuenkamp wohnen keine Rassisten. Aber die Befürchtungen der Anwohner muss man Ernst nehmen.“ In einer Mitteilung der Stadt heißt es allerdings: „Angesichts der weltpolitischen Lage kann nicht immer ein ordnungsgemäßes parlamentarisches Verfahren gewährleistet werden.“

Stadt kontert Kritik

Erst in der vergangenen Woche ist an der Paul-Rücker-Straße eine Turnhalle als Notunterkunft bezogen worden. Bei der steigenden Zahl der Flüchtlinge spielen Bezirkseinteilungen derzeit keine Rolle. „Die Aufnahme von Asylbewerbern ist Pflicht und humanitär notwendig. Diese lässt sich nicht nach Himmelsrichtung, sondern nach zu realisierenden Objekten sicher stellen“, heißt es von Seiten der Stadt. Zudem wolle man über mögliche weitere Standorte erst diskutieren, wenn sie als realisierbar geprüft wurden.

Sobald der Beschluss vorliegt, können die Arbeiten am Gebäude beginnen. Die alten Büros müssen dann in Schlafzimmer mit Etagenbetten umgewandelt werden. Die Umbauarbeiten werden wohl drei Monate in Anspruch nehmen, so dass noch in diesem Jahr die ersten Flüchtlinge an der Memelstraße einziehen könnten.