Das aktuelle Wetter Duisburg 17°C
Bildung

Bürgerstiftung befürchtet Aus für musische Förderung in Duisburg

27.01.2011 | 09:00 Uhr
Bürgerstiftung befürchtet Aus für musische Förderung in Duisburg
Noch im vergangenen Jahr war die Freude groß, als die KGS Fährmannschule in Beeck die MUS-E Plakette überreicht bekam. Foto: Friedhelm Geinowski

Duisburg.   Die Yehudi-Menuhin-Stiftung, die in Duisburg mit der Bürgerstiftung in 46 Klassen das „Mus-E“-Projekt fördert, ist pleite. Das hat bereits Auswirkungen auf den Unterricht. Es soll auch Künstler geben, die seit Oktober kein Geld mehr bekommen haben.

Die Insolvenz der Yehudi-Menuhin-Stiftung , die in Duisburg gemeinsam mit der Bürgerstiftung in 46 Klassen das „Mus-E“-Projekt fördert, hat bereits Auswirkungen auf den Unterricht. „Die Künstler haben seit vergangener Woche die Arbeit eingestellt“, erklärt Matthias Seifert, Rektor der Grundschule (GS) Sandstraße in Marxloh. Für die Kinder bedeutet das, dass Akrobatik, Gestalten und Tanzen ausfallen und die Klassenlehrer alleine den Unterricht gestalten.

Einige Künstler bekamen seit Oktober kein Geld mehr

Die Düsseldorfer Stiftung ist in Zahlungsschwierigkeiten, weil es formale Abrechnungsschwierigkeiten gibt. „Es gibt Künstler, die haben seit Oktober kein Geld mehr bekommen. Das wird für einige zu einem existenziellen Problem“, erklärt Katia Huberty. Sie betreibt die „Schule für Phantasie“ in Baerl, macht für die Stadt Sprachförderungsprojekte und ist auch bei „Mus-E“ engagiert. Auch ihr fehlt nun „ein großer Batzen Geld.“ Rund 300 Künstler sind NRW-weit betroffen. „Mir tun die Kinder leid. Ich mach die Arbeit seit zwölf Jahren, sie sind mir ans Herz gewachsen, und sie waren ganz traurig, dass dienstags die lustigen Künstler nicht mehr kommen“, erzählt Katia Huberty.

Gefördert werden Schulen in sozial benachteiligten Gebieten

Die Duisburger Schulen befinden sich alle in sozial benachteiligten Stadtteilen wie Marxloh, Bruckhausen oder Hochfeld. „Die Kinder, die zu uns kommen, gehen nachmittags nicht in die Musikschule und haben auch keine Eltern, die mit ihnen ins Theater gehen“, weiß Schulleiter Seifert. Bei den Mus-E-Stunden leben sie auf. Etwa, wenn sie ein Stück vor rund 200 Mitschülern aufführen. Den Kindern sei noch nicht bewusst, warum die Künstler erstmal nicht kommen. „Insolvenz“ ist aber auch ziemlich schwierig zu erklären.

Die Bürgerstiftung finanziert das Projekt mit rund 40 000 Euro. „Mus-E selbst wird Gott sei Dank von allen Beteiligten nicht in Frage gestellt“, so Geschäftsführer Manfred Berns. Wie es allerdings weitergehen soll, weiß momentan niemand so genau. Die Nachricht hat alle Beteiligten kalt erwischt.

Fabienne Piepiora



Kommentare
27.01.2011
13:05
Bürgerstiftung befürchtet Aus für musische Förderung in Duisburg
von DerBotevomNiederrhein | #4

Formale Abrechnungsschwierigkeiten?

http://www.bezreg-duesseldorf.nrw.de/presse/pressemitteilungen/2011/01Januar/007_2011.html

Da scheint ein zur Regierungszeit von Rüttgers perfektioniertes Geschäftsmodell ins Wanken zu geraten.

Fakt ist: Der allergrößte Teil waren EU-Fördermittel, die “durchgereicht” wurden: Das wurde uns dann als Mäzenatentum selbstloser Sponsoren verkauft und ein Adolf Sauerland präsentierte sich mit der Ex-Ministerpräsidentengattin Angelika Rüttgers gerne als Mus-e - Schirmherr und Wohltäter in den “sozialen Brennpunkten” unserer Stadt.

Das ganze unter der Schirmherrschaft von Rita Süßmuth.

Bei den klangvollen Namen auf der Spenderliste der Yehudi-Menuhin-Stiftung (RWE, Credit Suisse (Küppersmühle) und DHL, alle möglichen Sparkassen, Lions & Kiwanis sowie eine “Union-Stiftung“) wundert man sich schon, dass nun urplötzlich die Kohle alle sein soll. Solange die EU zahlte, machten die einen auf “charity”, legten vielleicht auch noch mal ein paar Euros drauf; allein: die Hauptlast dieses ”social sponsoring” trugen in Wahrheit die EU-Bürger.

Und noch eins fällt auf: Sowohl die Yehudi-Menuhin-Stiftung als auch die Bürgerstiftung Duisburg unter dem Vorsitz von Frau Grillo halten sich ausgesprochen bedeckt, wenn es um die Herkunft und die Verwendung ihrer Mittel angeht.

Gemeinnützigkeit und Transparenz stelle ich mir anders vor.

Natürlich ist es jetzt nicht einfach, den betroffenen Kindern zu erklären, wieso das nun mit den schönen und abwechslungsreichen Fördermaßnahmen vielleicht bald ein Ende haben könnte.

Aber keine Sorge, Kinder lernen schnell und vielleicht kann ihnen Ihr Rektor, Herr Seifert, ja mal im Sachkundeunterricht vermitteln, dass es da in unserem Land eine Partei gibt, die immer wieder als fragwürdiger Nachlassverwalter “jüdischer Vermächtnisse” auffällt.

Was uns hier vorgeführt wird, ist sicher nicht mehr das, was Yehudi Menuhin zu Lebzeiten initiiert hat. Was vor einigen Jahren in löblicher Absicht begonnen worden ist, haben diese selbsternannten Nachlasspfleger, nachdem sie vor einigen Jahren sogar den Sohn Yehudi Menuhins, Gerard Menuhin, aus dem Vorstand der Stiftung davongejagt haben, in kurzer Zeit an die Wand gefahren.

Also liebe Kinder, schaut genau hin, wenn fremde Onkels vor eurer Schule stehen und Bonbons verteilen….

P.S.: Bei der Bürgerstifung Duisburg funktionieren etliche Links nicht mehr: “page not fund” ist da zu lesen - hier scheint nicht nur die Technik zu versagen.

27.01.2011
12:46
Bürgerstiftung befürchtet Aus für musische Förderung in Duisburg
von keinervondaoben | #3

Sehr bedauerlich für die Kinder. Aber sorry, haben wir in DU nicht Wichtigeres zu finanzieren ?

27.01.2011
12:37
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

27.01.2011
09:49
Aus für musische Förderung
von Der-Leser | #1

In sozial benachteiligten Stadtteilen wie Marxloh?
Hier stellt man doch die Marxloher-Modewelt mit der in Paris gleich. Marxloh ist der bekannteste Ortsteil der Stadt Duisburg weltweit.

Aus dem Ressort
Der gute Alltag, kaum bemerkt
Stadtgespräch
Duisburg steht wieder in den Schlagzeilen, den schlechten. Wegen des Zeltdorfes für Asylbewerber. Ja, die Stadt hat Probleme und macht auch eigene Fehler, aber dennoch: Da ist auch der Drang, sich vor diese gebeuteltet Stadt zu stellen.
Familie dankt Ersthelfern nach Herzinfarkt bei Jazz-Konzert
Notfall
Am 7. August, Carmen Welky lauschte gerade mit einer Freundin der Musikgruppe „Trionova“, änderte sich das Leben für die Familie Welky schlagartig. Ihr Lebensgefährte wollte sie gegen 21 Uhr abholen, kam auch zum König-Heinrich-Platz und brach dann zusammen. Ersthelfer retteten ihm das Leben.
Diskussion um Duisburger Flüchtlings-Unterkunft im Hospital
Flüchtlinge
Duisburg sucht mit Hochdruck nach Unterkünften für Asylbewerber, während die Kritik an dem Zeltdorf in Walsum nicht abreißt. Wieder in der Diskussion ist das leer stehende St. Barbara-Hospital in Neumühl. Dagegen hatte es schon Proteste gegeben. Als schnelle Lösung scheint es nicht geeignet.
Die Front der Outlet-Kritiker im Duisburger Rat wächst
Outlet-Center
Die Zahl der Gegner des Factory Outlet Centers in Duisburg-Hamborn wächst. Selbst in der Politik, die das Projekt nahezu einstimmig beschlossen hatte, werden die Stimmen lauter, die Chance zum Ausstieg zu nutzen. Angefacht werden könnte die Debatte durch ein neues Buch des Architekten Walter Brune.
Asyl in Duisburg: Suche nach der Alternative zur Zeltstadt
Notunterkunft
Während für die umstrittene Zeltstadt Fußböden und Heizkörper nachgeordert werden, rückt das leerstehende St.-Barbara-Krankenhaus Neumühl immer mehr in den Blickpunkt der Debatte.