Brutaler Handtaschenraub auf 91-Jährige beschäftigte Gericht

Die 91-jährige Duisburgerin hatte am 20. Juni 2014 alles richtig gemacht: Für die Fahrt in der U-Bahn hatte sie den Expertenrat befolgt und ihre Handtasche quer über den Oberkörper gehängt. Das hinderte zwei Räuber nicht daran, ihr in der U-Bahn-Station Steinsche Gasse die Tasche mit Gewalt abzureißen. Folge: Die alte Dame stürzte und verletzte sich an der Hand - von dem Schreck, den ihr der Überfall einjagte, ganz zu schweigen. Einer der mutmaßlichen Täter, ein 27-jähriger Hamborner, stand dafür jetzt vor dem Amtsgericht. Doch eine Schuld war ihm nicht nachzuweisen.

Die Anklage ging von Raub und Körperverletzung aus. Eine Strafe von mindestens einem Jahr wäre dem Angeklagten im Falle einer Verurteilung sicher gewesen. In der Handtasche hatten sich eine Geldbörse mit 50 Euro, ein Fahrausweis, diverse Ausweise und der Haustürschlüssel der alten Dame befunden. Die trug beim Sturz einen schmerzhaften Bluterguss davon.

„Ich habe mit der Sache nichts zu tun“, beteuerte der Angeklagte. „Ich kann Leute nicht verstehen, die so etwas machen.“ Und er ärgerte sich darüber, dass die Anklage so klinge als ob schon feststehe, dass er der Täter gewesen sei.

Dabei förderte das Verfahren herzlich wenig zu Tage, was für eine Schuld des Angeklagten sprach. Die alte Dame hatte schon bei der Polizei keine Angaben zum Aussehen der Täter machen können. Auf eine Vorladung der nicht gerade gesunden Geschädigten vor Gericht war deshalb verzichtet worden.

Anders eine 22-jährige Zeugin, die bei einer Wahllichtbildvorlage der Polizei einem der abgebildeten Männer, nämlich dem Angeklagten, eine große Ähnlichkeit mit einem der Räuber zusprach. Dumm nur, dass niemand nachvollziehen konnte, welche Bilder die Polizei der Zeugin gezeigt hatte: Nur das Foto des Angeklagten war zur Akte gelangt. Und die Zeugin hatte den Verdächtigen ausdrücklich als „Bohnenstange“ beschrieben. „Das würde auf mich zutreffen“, witzelte der Verteidiger. Nicht aber auf seinen muskelbepackten Mandanten. „Wenn ich den Angeklagten hier so sehe, bin ich mir auch ziemlich sicher, dass er es eher nicht war“, ergänzte die 22-Jährige.

Die Plädoyers der Juristen fielen ebenso kurz aus wie die Urteilsberatung des Schöffengerichts. Der 27-Jährige wurde auf Kosten der Staatskasse freigesprochen.