Brahms und Bruckner treffen Kaiserwalzer

Auch wenn es angesichts der Bilder, die in der letzten Woche in dieser Zeitung zu sehen waren, fast unmöglich erscheint: Kulturdezernent Thomas Krützberg geht davon aus, dass nach der Saison 2015/16 die Duisburger Philharmoniker wieder in die Mercatorhalle zurück kehren können. „Selbstverständlich ist weiter der Shuttle-Bus zum Theater am Marientor im Einsatz“, so Philharmoniker-Intendant Dr. Alfred Wendel gestern bei der Vorstellung des Programms, das eine sehr abwechslungsreiche und spannende Saison mit über 100 Konzerten verheißt.

Eine Saison, die schon vor dem Haniel-Open-Air-Konzert (28. August) beginnt, gastieren die Philharmoniker doch am 20. August im renommierten Concertgebouw Amsterdam – mit Sarah Chang als Solistin im Violinkonzert von Jean Sibelius und Beethovens 7. Sinfonie.

Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi, der ab 2016 auch als Musikdirektor in der neuseeländischen Metropole Auckland wirken wird, leitet sechs der zwölf Philharmonischen Konzerte. Er eröffnet die Saison am 9./10. September „mit einem guten Freund“: Frank Peter Zimmermann ist Solist im 2. Violinkonzert von Schostakowitsch, außerdem steht die 5. Sinfonie von Tschaikowsky auf dem Programm. Die Deutsche Erstaufführung eines Konzerts für Cello und Orchester von Thomas Agerfeldt Olesen, ein Auftragswerk des Aarhus Symphony Orchestra und der Duisburger Philharmoniker, geht im November-Konzert über die Bühne. Altmeisterin Elisabeth Leonskaja ist Solistin beim Februar-Konzert, das ganz im Zeichen von Brahms steht. Im April leitet Bellincampi Mahlers „Dritte“, bei der Birgit Remmert, die Frauen des Philharmonischen Chors Duisburg und der Mädchenchor am Essener Dom mitwirken.

Als Solisten für Rachmaninows 3. Klavierkonzert (im Mai 2016) hat Bellincampi den jungen Italiener Leonardo Colafelice eingeladen. „Viele junge Pianisten können schnell viele Noten spielen – er macht Musik“, sagt der GMD, der auch den Schlusspunkt unter die Saison setzt: Anton Bruckners 4. Sinfonie. „Meine erste Bruckner-Sinfonie, ich wollte damit warten, bis ich 50 bin“, fühlt sich der 1965 geborene Bellincampi jetzt reif für die anspruchsvolle Aufgabe.

Von den sechs Gastdirigenten dürfte vor allem Bellincampis Vorgänger Johnathan Darlington das Publikum erfreuen. Sein Programm (am 9. und 10. März): Bizets Sinfonie C-Dur, Ravels „La Valse“ und Bernsteins 2. Klavierkonzert mit Frank Dupree als Solist. Seine Zusammenarbeit mit den Duisburgern vertieft Axel Kober, Generalmusikdirektor der Rheinoper. Er leitet im Januar ein russisches Programm, bei dem Radek Baborák Solist ist. Der Hornist, dessen atemberaubende Perfektion Kollegen und Publikum im April 2014 begeistert hatte, ist Residenz-Künstler der kommenden Saison. Beim 9. Kammerkonzert präsentiert er sein Baborák Orquestrina, eine Tanzkapelle nach spanischem Vorbild, allerdings mit drei Hornisten. Auf dem Programm Werke von Fauré über Piazzolla bis Ravels „Boléro“.

Die vier Hornisten der Philharmoniker stehen beim 11. Philharmonischen Konzert im Mittelpunkt bei Schumanns Konzertstück für vier Hörner und Orchester. Das Konzert, bei dem auch der „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß erklingt, leitet Constantin Trinks.