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„Boykottaufruf ist skandalös”

24.02.2009 | 19:20 Uhr

Dierkes Boykott-Aufruf und seine Folgen: Oberbürgermeister Adolf Sauerland will Probleme im Dialog lösen. Deutsch-Israelische Gesellschaft spricht von einem skandalösen Vorgang. Die Linke hält Kritik an der „Kriegsführung Israels” für berechtigt.

Von Empörung bis Unverständnis reichen die Reaktionen nach dem Boykottaufruf des Die Linke-OB-Kandidaten Hermann Dierkes von israelischen Waren. Lediglich der Orstverband der Partei Die Linke rechtfertigt den Vorstoß des eigenen Kandidaten. Oberbürgermeister Adolf Sauerland hält den Aufruf Dierkes für kontraproduktiv. „Die Probleme müssen im Dialog gelöst werden und nicht dadurch, dass man gegeneinander die Keulen schwingt. Gerade zu Israel haben wir ein ganz besonderes Verhältnis, dass durch solche Äußerungen einseitig belastet wird.”

Bärbel Bas, stellvertretende SPD-Parteivorsitzende, spricht von politischer Instinktlosigkeit. Sie habe kein Verständnis für den Aufruf, zumal noch im letzten Monat Juden, Christen und Muslime in Duisburg gemeinsam gegen rassistische Tendenzen unter dem Motto „Wir sind DU” im Gebet zusammenstanden. Peter Ibe, stellvertretender CDU-Parteichef, spricht von einem falschen Signal. Er halte nichts von einseitigen Schuldzuweisungen, man müsse beide Seiten sehen. „Hermann Dierkes ist weit übers Ziel hinausgeschossen”, kritisiert Bürgermeisterin Doris Janicki. Die Politik im Nahen Osten ist fatal, doch könne man nicht hier einen Kriegstreiber und dort die Guten sehen, meint die Grünen-Politikerin.

Für absoluten Unsinn hält DGB-Vorsitzender Rainer Bischoff die Forderungen von Dierkes, die undifferenziert und einseitig seien. Er stelle Israel mit dem früheren Apartheidsystem Südafrikas gleich.

„Sehen sie, ich bin nicht der Regierungssprecher Israels”, sagte Jaques Marx, der Vorsitzende der Duisburg-Mülheimer Jüdischen Gemeinde im Gespräch mit der WAZ, ich bin Deutscher jüdischer Konfession. Ich kann nur generell sagen, dass man Konflikte von beiden Seiten betrachten sollte. Was die Partei Die Linke angeht, da habe ich oft den Eindruck, dass sie sich ausschließlich mit pro-arabischen Argumenten auseinandersetzt. Das ist traurig.”

Der Vorgang ist skandalös”, sagte Günter Reichwein, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft: „Da will sich jemand einer ganz bestimmten Wähler-Klientel mit populistischen Aussagen nahe bringen. Vielleicht wäre es besser, ihm gar kein Forum zu bieten.”

Reichweins Stellvertreter, der Sozialdemokrat Dr. Werner Jurga, glaubt nicht, dass Hermann Dierkes Aussagen Zufall waren: „Herr Dierkes ist Überzeugungstäter. Er bestreitet sogar das Existenzrecht Israels, spricht in mehreren mir bekannten Fällen von einem irgendwie gearteten Multi-Kulti-Staat an der Stelle des heutigen Israels.”

Die Linke-Sprecher Martina Ammann und Kenan Ilhan halten es für absurd, wenn Hermann Dierkes als konsequenter Antifaschist und Kritiker jeglicher Form von Antisemitismus als Antisemit bezeichnet würde. Allerdings lasse sich Die Linke keinen Maulkorb umbinden, wenn es um berechtigte Kritik an der Kriegsführung Israels im Gaza-Streifen gehe.

Klaus Johann, Christian Balke

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