Das aktuelle Wetter Duisburg 23°C
Sicherheit

Bombenentschärfung war gefährliche Handarbeit

10.06.2010 | 17:28 Uhr
Bombenentschärfung war gefährliche Handarbeit
Dirk Putzer, Peter Giesecke und Udo Lokotsch vom Kampfmittelräumdienst hatten die Bombe nach etwa 35 Minuten entschärft. Fotos: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Duisburg. Weil der Roboter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes streikte, wurde der Blindgänger am alten Duisburger Güterbahnhof mit den Fingern entschärft.

Und plötzlich blieb der Entschärfungs-Roboter stehen. „Es gab Probleme mit der Stromzufuhr“, sagte Peter Giesecke. Auch sofortige Reparaturversuche blieben erfolglos. Also musste der Feuerwerker des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Düsseldorf unter Mithilfe seines Teams den Zünder der Bombe, die auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in der Innenstadt gefunden wurde, manuell entfernen. Das heißt: in Handarbeit. „Mit Kraft, Kenntnis und Fingerspitzengefühl hat das ja auch geklappt“, gab sich der Mann mit der schwarzen Kappe nachher betont gefasst. Doch in seiner Stimme lag auch ein Hauch von Erleichterung.

Die A59 war von halb elf an gesperrt.

Unwägbarkeiten wie diese bekommen kurz nach der Tragödie von Göttingen, wo Anfang Juni drei Feuerwerker bei der Entschärfung einer Bombe mit Säurezünder ums Leben gekommen waren, einen anderen Stellenwert. „Natürlich lässt uns das alles nicht kalt. Aber das muss man ausschalten können. Dann heißt es nur noch: hoch konzentriert zu arbeiten. Und das gilt für die erste wie für die hundertste Bombe in seiner Laufbahn“, so Giesecke.

Exakt um 11.09 Uhr hatte der 56-Jährige damit begonnen, sich der in 4,50 Metern Tiefe frei gelegten Fünf-Zentner-Bombe zu widmen. Rund 100 Kilo Sprengstoff schlummern im eisernen Bauch des britischen Modells „MC 500“. Wegen der Roboter-Probleme ertönten erst um 11.47 Uhr die erlösenden Worte über Funk.

„Bombe entschärft.“

Störungen Bahnverkehr
100 Züge waren betroffen

Rund 100 Züge der Deutschen Bahn waren Donnerstagvormittag von der Streckensperrung südlich des Duisburger Hauptbahnhofs wegen des Bombenfundes betroffen. Es gab laut einem Bahnsprecher 14 Ausfälle und 40 Teilausfälle. Einige Züge warteten auf Weiterfahrt und hatten „nur“ Verspätung. Nach kurzer Zeit lief schon wieder fast alles planmäßig.

Und es dauerte nur wenige Sekunden, da kehrte sofort der Verkehr in die zuvor verwaiste Evakuierungs- und Sicherheits-Zone zurück. Auf der A 59 wurden die Fahrzeuge aus Richtung Norden kommend zuvor ab der Ausfahrt Duissern abgeleitet und innerstädtisch zurück zur Autobahn geführt. Aus Richtung Süden war ab 10.30 Uhr die Ausfahrt Wanheimerort Endstation. Es kam zwar zu Staus und zähfließendem Verkehr, das befürchtete Chaos blieb aber aus. Auch der Bahnverkehr, der ab Hauptbahnhof in Richtung Düsseldorf/Köln ruhte, kam recht glimpflich davon (siehe Infokasten). Michael Bungardt arbeitet derzeit auf dem Gelände des Bombenfundortes, auf dem am Samstag (24. Juli) bekanntlich auch die Loveparade steigen soll. Der Kraftfahrer aus Mülheim musste mit seinen Arbeitskollegen in der Zeit der Entschärfung eine Zwangspause einlegen. Genau wie alle anderen auf der Baustelle hofft auch er, dass dies der letzte explosive Fund dort war.

Fünf Meter tief lag der Blindgänger.

Nach der Luftbildauswertung durch die Experten des Düsseldorfer Kampfmittelbeseitigungsdienstes hatte es drei Verdachtsmomente gegeben. Bei zweien (Eller-Montan-Gelände an der Mercatorstraße sowie mitten auf den Gleisen südlich vom Hbf) konnte fix Entwarnung gegeben werden, beim dritten auf dem Güterbahnhofsgelände wurde das Team aber tatsächlich fündig.

Die Sorge vieler Duisburger: Auf der Baustelle des Schulkollegs in Neudorf wurden kürzlich nacheinander drei Bomben im Umkreis weniger Meter entdeckt. Diese Fälle dürfe man jedoch nicht miteinander vergleichen, meint Stadtsprecherin Anja Huntgeburth. „Für uns alle hat die Sicherheit auf dem Gelände ein übergeordnetes Interesse. Wir haben nach der Luftbildauswertung keine Verdachtsmomente mehr. Dieses Gelände ist aus unserer Sicht sicher.“

Thomas Richter


Kommentare
10.06.2010
20:08
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

10.06.2010
17:53
Bombenentschärfung war gefährliche Handarbeit
von 76er | #1

Bravo! Gut, dass es noch echte Handwerker gibt.

Aus dem Ressort
A59 in Duisburg wird am Wochenende komplett gesperrt
A59-Sperrung
Die A59-Sperrung kehrt sich um: Ab Montag wird die Autobahn Richtung Dinslaken gesperrt, Richtung Düsseldorf ist sie dann wieder frei. Für den Umbau der Verkehrsführung wird die A59 zuvor komplett gesperrt. Danach rechnet die Stadt Duisburg mit einer erhöhten Verkehrsbelastung in der City.
Uni Duisburg-Essen mit Fairness-Siegel ausgezeichnet
Hochschule
Die Uni führt die Berufungsverhandlungen der Professoren besonders fair und transparent durch. Dafür wurde sie nun mit einem Gütesiegel des Hochschulverbandes ausgezeichnet – und gehört zu einer der ersten fünf deutschen Hochschulen, die diese Siegel erhalten.
Duisburgerin nimmt an Neuauflage von "Deal or No Deal" teil
TV-Show
"Deal or No Deal" ist zurück im Fernsehen. Die Show-Neuauflage wird am Mittwoch um 20.15 auf Sat.1 ausgestrahlt. Mit dabei ist die Duisburgerin Hülya Güzel. Wie viel sie abgesahnt hat, darf sie nicht verraten. Das war auch nur zweitrangig. Viel wichtiger: Wie war denn nun Wayne Carpendale?
Fünf Einbrüche beim Duisburger THW
Kriminalität
Bislang unbekannte Täter haben bei fünf Einbrüchen beim Technischen Hilfswerk in Duisburg-Buchholz aus Großfahrzeugen wichtige Rettungsmittel und Hunderte Liter Kraftstoff gestohlen. Nicht nur THW-Ortsbeauftragter Peter Bunczek ärgert sich über die Dreistigkeit der Diebe.
Demos in Duisburg blieben friedlich
Gaza-Konflikt
Bei den zwei Demonstrationen am gestrigen Abend in der Duisburger Innenstadt blieb es friedlich. Eine Gruppe aus 20 Teilnehmern hatte „Freiheit für Palästina“ gefordert, die Gegendemo mit 60 Teilnehmern hatte das Motto: „Keinen Fußbreit dem Antisemitismus“.
Duisburg und die A59-Sperrung
Fast drei Monate ist die A59 nun schon gesperrt, noch einmal drei Monate werden sehr wahrscheinlich folgen. Wie hat sich die Sperrung der Nord-Süd-Achse auf Sie persönlich ausgewirkt?

Fast drei Monate ist die A59 nun schon gesperrt, noch einmal drei Monate werden sehr wahrscheinlich folgen. Wie hat sich die Sperrung der Nord-Süd-Achse auf Sie persönlich ausgewirkt?

 
Fotos und Videos
Jugendherberge Wedau
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
Ruhrort entdecken
Bildgalerie
Streifzug
Christopher-Street-Day 2014
Bildgalerie
CSD
Käfertreff am Töppersee
Bildgalerie
Käfertreffen