Blicke in die Werkstätten von Haydn und Mozart

Die Duisburger Philharmoniker arbeiten in jeder Spielzeit mit einem Spezialisten der historischen Aufführungspraxis zusammen. Nach Ton Koopman, Reinhard Goebel und Bruno Weil ist diesmal der italienische Cembalist und Dirigent Ottavio Dantone zu Gast. Er leitet das 10. Philharmonische Konzert am Mittwoch und Donnerstag, 22. und 23. April, jeweils um 20 Uhr im Theater am Marientor.

Dantone studierte Orgel und Cembalo am ehrwürdigen Conservatorio „Giuseppe Verdi“ in Mailand. Als Solist und Dirigent hat er auf den bedeutendsten Konzert- und Festspielpodien konzertiert; er war im Concertgebouw Amsterdam ebenso zu Gast wie in der Mailänder Scala. Mit den Duisburger Philharmonikern besucht er Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart in ihren Komponierwerkstätten. Dabei wird deutlich, dass auch diese Genies keineswegs vom Himmel gefallen sind: Sie mussten studieren und experimentieren, wählen und verwerfen, bis sie ihre musikalische Sprache gefunden hatten.

Haydn, der als Hofkapellmeister in der burgenländischen Provinz über Jahrzehnte hinweg an seinem Stil feilen konnte, hat diesen Prozess so beschrieben: „Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irremachen und quälen, und so musste ich original werden.“

Seine um 1771 entstandene „Trauersinfonie“ hat Haydn offenbar selbst als wichtigen Markstein auf diesem Weg betrachtet: Den langsamen Satz bestimmte er als Musik für seine eigene Beerdigung. Mozarts Sinfonie G-Dur wiederum zeigt die Auseinandersetzung des 14-Jährigen mit Form und Geist der italienischen Opernouvertüre, die er auf seiner ersten großen Italien-Reise vor Ort studieren konnte. Entscheidenden Anteil an der Entstehung des klassischen Stils hatten auch die Bach-Söhne Johann Christoph Friedrich und Wilhelm Friedemann. Ottavio Dantone stellt sie mit ausdrucksstarken Orchesterwerken vor.