Bislang 10.959 ertappte Lkw auf der Duisburger A 40

Mit der Kelle leiten Polizeibeamte jene Lkw-Fahrer an der Ausfahrt Duisburg-Homberg von der A 40, die bis zuletzt auf die für sie gesperrte Rheinbrücke zusteuern.
Mit der Kelle leiten Polizeibeamte jene Lkw-Fahrer an der Ausfahrt Duisburg-Homberg von der A 40, die bis zuletzt auf die für sie gesperrte Rheinbrücke zusteuern.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Auch zehn Tage nach Sperrung der A-40-Rheinbrücke für Lkw sind viele Brummi-Piloten noch falsch unterwegs. Eine Stippvisite bei der Polizeikontrolle.

Duisburg.. Matthias Reinken ist die letzte Instanz. Der Polizeikommissar steht unmittelbar vor der Ausfahrt Homberg am Rande der A 40 und beobachtet mit Argusaugen, wer sich da auf der linken Fahrspur den einzig verbliebenen Weg in Richtung Rheinbrücke bahnt. Dieses Bauwerk ist seit zehn Tagen für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt. Und dennoch versuchen immer noch Lkw-Fahrer illegalerweise durch das verbliebene Schlupfloch zu tuckern. „Da kommt der Nächste“, sagt Reinken und deutet auf einen 40-Tonner mit polnischem Kennzeichen. Er zückt die Kelle. Winkt den Ertappten ruhig, aber bestimmt in Richtung Ausfahrt. Und raunt: „Das kostet!“

Und zwar 150 Euro. So hoch ist das Bußgeld für jene angesetzt, die sich einfach nicht an die Brückensperrung halten wollen. Die offizielle Umleitung führt den Schwerlastverkehr bereits ab Kreuz Moers von der A 40 auf die A 57. Allerletzte erlaubte Ausfahrt in Fahrtrichtung Essen für Lkw ist Rheinhausen. Wer danach weiterfährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

„Große“ und „kleine Knollen“ werden verteilt

Fahrer, die ihren Fehler bemerken und freiwillig an der Ausfahrt Homberg runterfahren, erwarten „nur“ 75 Euro als Strafe. Das Doppelte gibt es für die Dreisten, Unaufmerksamen und Unbelehrbaren, die schnurstracks auf die Brücke zusteuern – bis der Polizeibeamte mit der Kelle sie herauswinkt. „Denen unterstellen wir Vorsatz. Davon hatten wir allein am Dienstag 110“, sagt Timo Mertins. Der Polizeihauptkommissar (48) steht an diesem Vormittag mit acht Kollegen auf dem Grünstreifen an der Abfahrt. „Insgesamt ist es in den vergangenen Tagen spürbar ruhiger geworden“, so Mertins. Die „kleine Knolle“ – also 75 Euro – gab’s am Dienstag immerhin noch für 1078 Lkw-Fahrer. „Zu Beginn waren es locker doppelt so viele“, so der Polizeibeamte.

Alle Ertappten, die eine „große Knolle“ für 150 Euro erhalten, werden in der Ausfahrt an den Seitenstreifen gewunken – und direkt zur Kasse gebeten. Die so genannte Sicherheitsleistung ist gerade für Lkw-Fahrer aus dem Ausland sofort zu entrichten. „Und zwar in Höhe des zu erwartenden Bußgeldes“, erklärt Mertins. Manchmal sind es so viele, dass die Abfahrt Homberg fast vollgeparkt ist. Die Ertappten stammen übrigens fast alle aus dem Ausland. „Mindestens zu 95 Prozent“, so Mertins.

Fotos dienen als Beweismittel

Die Beamten, die hier Dienst tun, gehören zu den Autobahnpolizeiwachen Mülheim, Moers, Oberhausen, Hilden, Neuss und Mönchengladbach. Sie überwachen in drei Acht-Stunden-Schichten rund um die Uhr den Verkehr. „Wir stehen jetzt seit halb sechs morgens hier“, sagen Ralf Achzenick (54) und Michael Landwehr (41). Letzterer Polizeibeamter trägt eine Fotokamera um den Hals. Von jedem Verkehrssünder macht er ein Bild. „Das Nummernschild muss drauf sein. Wenn es irgendwie geht, auch der Fahrer“, so Landwehr. Diese digitalen Beweise werden an die Bußgeldstelle weitergeleitet. Und diese kassiert dann die „kleinen Knollen“ ab. Von diesen wurden seit Sperrungsbeginn bislang 10 095 verteilt, so Polizeisprecher André Hartwich. 150-Euro-Bußgelder gab es bislang 864. Macht addiert 10 959 ertappte Falschfahrer.

Gibt’s einen Hauptgrund, warum noch immer viele Lkw falsch fahren? Timo Mertins sagt: „Viele vertrauen blind ihrem Navigationsgerät und achten nicht auf die Schilder am Straßenrand.“ Und was war bislang das kurioseste Ereignis ? Da lacht Mertins. „Wir haben neulich einen abgestellten Lkw auf dem Seitenstreifen kurz hinter der Ausfahrt Rheinhausen entdeckt. Der Motor lief noch.“ Des Rätsels Lösung: Der Lkw war in Frankreich gestohlen worden, der Fahrer türmte zu Fuß.