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Pegida

Bischof straft Pfarrer Spätling ab

21.01.2015 | 00:10 Uhr

Duisburg.  Das ging dem Bistum zu weit: Der Emmericher Pastor Paul Spätling war auf der Pegida-Demo aufgetreten. Bischof Genn entzog ihm die Predigtbefugnis.

„Gottes Mühlen mahlen langsam“ sagt man. Manchmal allerdings geht es auch ganz fix. Zumindest im Bistum Münster. Abends stand Pastor Paul Spätling aus Emmerich noch auf der Bühne der Pegida-Kundgebung in Duisburg und prangerte die Haltung seiner katholischen Kirche an zum Islam an, ging beim anschließenden „Abendspaziergang“ in der ersten Reihe. Am nächsten Mittag hatte ihn sein Münsteraner Bischof schon die Predigterlaubnis entzogen.

Mit Äußerungen wie „Der St.-Martins-Zug findet im Dunkeln statt, das Osterfeuer ebenfalls. Danke für diesen festlichen Rahmen“ zog sich der 67-jährige Pastor ebenso schnell den Zorn seiner Kirchenoberen zu wie mit der Klage über die Abschaltung des Lichts am Kölner Dom ausgerechnet in der Nacht zum Kirchenfest der Heiligen Drei Könige und mit seiner Kritik an der Kanzlerin, die betont hatte, dass der Islam zu Deutschland gehöre.

Das ging dem Bistum Münster zu weit. „Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, hat Herrn Pfarrer Spätling, der im Bistum Münster ohnehin schon nahezu keine priesterlichen Dienste mehr wahrnimmt, am 20. Januar 2015 mitgeteilt, dass er solche Reden wie die gestrige nicht „dulden kann und will“. In Bezug auf Canon 764 des Kirchenrechtes hat Bischof Genn Herrn Pfarrer Spätling heute die Predigtbefugnis entzogen und ihm damit verboten, innerhalb und außerhalb von Kirchen öffentlich im Namen der Kirche zu sprechen“, heißt es in einer gestern veröffentlichten Erklärung.

Das Bistum findet in seiner Erklärung ausgesprochen deutliche Worte für das Verhalten seines „schwarzen Schafes“: „Wir weisen die Aussagen von Herrn Pfarrer Spätling entschieden zurück. Wir distanzieren uns mit Nachdruck von seinem völlig verzerrten Bild von Geschichte und Gegenwart.“

Undifferenzierte Klischees

Spätling bediene mit seinen Äußerungen undifferenzierte Klischees gegenüber dem Islam und schüre mit seinen Aussagen eine Feindlichkeit gegen „den Islam“, die die Katholische Kirche für gefährlich erachte. „Mit solchen Äußerungen – für die Herr Pfarrer Spätling, indem er äußerlich sichtbar als katholischer Priester auftritt, auch noch seine Autorität als Pfarrer und Priester missbraucht – legt er die Grundlagen für rechte Ideologien, für Fremdenfeindlichkeit und für ein Gegeneinander der Religionen, die in der katholischen Kirche keinen Platz haben“, so das Bistum.

Die christliche Botschaft sei keine der Ausgrenzung, des Hasses und der Gewalt, sondern eine der Liebe und Menschenfreundlichkeit. Deshalb heißt es aus Münster: „Wir sind dankbar dafür, wie viele Menschen in diesen Tagen auf die Straßen gehen und genau in diesem Sinne ein Zeichen setzen – darunter sind auch ganz viele Christinnen und Christen. Uns droht in Deutschland ganz sicher keine Islamisierung.“

Noch während der Rede von Paul Spätling auf der Pegida-Veranstaltung hatten Beobachter gemutmaßt, dass da kein echter Pastor stehe, sondern eher „Don Camillo“. Einige verglichen den Auftritt sogar mit der ZDF-Satire-Sendung „Heute Show“. Sie hatten sich geirrt.

Svenja Aufderheide

Kommentare
21.01.2015
06:13
Bischof straft Pfarrer Spätling ab
von Gerald-H | #1

Wenn es gingdie Demokratie geht ist die katholische Kirche immer schnell gewesen!
Mal sehen , wann Leute die Ihre freie Meinung äußern wieder auf dem...
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Bischof straft Pfarrer Spätling ab
Bischof straft Pfarrer Spätling ab
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2015-01-21 00:10
Duisburg