Billard spielen mit Atomen
14.04.2010 | 19:19 Uhr 2010-04-14T19:19:00+0200
Duisburg.Manche Klischees stimmen hartnäckig, das wissen auch die Physiker in ihrer Männerdomäne. Dennoch lassen sie nichts unversucht, auch Frauen in ihren Fachbereich zu locken.
Am Samstag beginnt zum zehnten Mal das Physik-Schnupperstudium für Schülerinnen der Jahrgangsstufen 12 und 13. Ein Semester lang wird - für sie kostenlos - jeden Samstag eine große Show aufgefahren, mit Vorlesungen, Experimenten, Übungen. Wer durchhält, bekommt einen Schein, der beim Beginn eines Physik-Studiums sogar angerechnet wird.
Vor sieben Jahren gehörte auch Stefanie Hanke zu den Schülerinnen, die sich samstäglich über Schwingungen und Wellen bilden ließ. „Das war eine gute Abivorbereitung“, erzählt die 25-Jährige und relativiert damit den Arbeitsaufwand ein wenig.
Heute ist sie Doktorandin bei Professor Andreas Wucher und forscht zum Thema „Computersimulationen zu kinetischen Anregungsprozessen bei der Teilchen-Oberflächen-Wechselwirkung“ - zu deutsch auch „Billard mit Atomen“, Grundlagenforschung, Theoretische Physik. Drei bis vier Jahre wird sie also vorwiegend am Computer sitzen, Berechnungen anstellen und nur gelegentlich, wegen der Anbindung zur experimentellen Physik und des Teamgedankens, „auch ein bisschen schrauben“. Finanziert wird ihre Stelle aus Drittmitteln, hinzu kommen Honorare für Lehrtätigkeiten. Professor Wucher ist froh um jeden, der als Promovent bei ihm bleibt, denn die Wirtschaft greift Physiker mit attraktiven Angeboten schnell ab. „Nur Humanmediziner haben ähnlich gute Berufsaussichten“.
Stefanie Hanke lockte die Begeisterung für die Physik ins Schnupperstudium, nicht die Aussicht, unter Frauen zu sein, „im Beruf muss ich ja auch mit Männern zusammenarbeiten.“ Also gibt es inzwischen ein gemischtgeschlechtliches Angebot im Wintersemester und eine geschlossene Damenrunde im Sommer. Denn Organisator Dr. Andreas Reichert weiß, dass er manche Mädchen sonst nicht erreichen kann: „Jungs machen oft ein großes Bohei, haben aber keinen blassen Schimmer“, beschreibt er seine Spezies selbstkritisch. Mehr als 25 Prozent der Studierenden hat vorher an einem Probestudium teilgenommen, der Anteil der Frauen ist von 5 auf etwa 20 Prozent gestiegen - das Projekt überzeugt also offenbar.

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