Bewährungsstrafe für brutalen Überfall

Den Nikolaustag des Jahres 2013 wird eine 82-jährige Walsumerin wohl nie mehr vergessen. Da nämlich klingelte mehrfach eine junge Frau an ihrer Türe, die angeblich eine Nachbarin suchte. Als die nervige Besucherin zum dritten Mal schellte, forderte sie plötzlich Geld und schlang der alten Dame blitzschnell einen Schal um den Hals. Das Landgericht verurteilte die 26-Jährige Dinslakenerin dafür nun zu 18 Monaten mit Bewährung.

Stets den Tränen nahe hatte die junge Frau die Anklage weitgehend eingeräumt. „Ich hatte kein Geld, wusste nicht, was ich tun sollte.“ Sie sei in Vierlinden aus der Straßenbahn gestiegen und habe an dem Mehrfamilienhaus geschellt . „Ich hatte den Hintergedanken da irgendwie an Geld zu kommen.“

Dass sie die alte Frau bedroht habe, sei ihr peinlich. „Ich schäme mich in Grund und Boden.“ Beim letzten Klingeln habe sie nach einem Stift gefragt, um in die Wohnung zu kommen. „Was dann kam, kann ich mir bis heute nicht erklären.“ Sie habe den Schal aber nicht, wie ihr vorgeworfen wurde, zugezogen.

Die Zeugin konnte das nicht mehr mit Sicherheit sagen. „Ich weiß gar nicht, wie die den Schal so schnell um meinen Hals geschlungen hat“, so die Rentnerin, die im Rollator im Zeugenstand erschien. „Ich habe noch meine Hand dazwischen gekriegt. Dann habe ich mit meinem Krückstock zugeschlagen und um Hilfe gerufen.“ Das habe die Täterin wohl in die Flucht geschlagen.

Die Strafkammer konnte zuletzt nicht ausschließen, dass die Angeklagte den Raubversuch freiwillig abbrach. Statt einer Verurteilung wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung stand am Ende daher nur eine Strafe wegen Körperverletzung. Die tränenreichen Entschuldigungen der Angeklagten leidet die alte Dame bis heute unter den Folgen. Sie hat Angstzustände, lässt Besucher nur noch ein, wenn sie einen Ausweis unter der Türe durchschieben.