Das aktuelle Wetter Duisburg 12°C
Duisburg

Besuch aus Düsseldorf

30.10.2007 | 18:26 Uhr
Funktionen

Der Integrationsbeauftragte der Landesregierung machte sich ein Bild vom Unterricht in Marxloh und ließ sich über die Auswirkungen auf den Schulalltag berichten

SCHULPOLITIK: ISLAMKUNDE IM UNTERRICHT "Mama, warum gibt es arme Menschen?" lautete gestern eine Frage im Rahmen des Fachs Islamkunde an der Grundschule Sandstraße in Marxloh. Zwölf Schülerinnen und Schüler der Klasse 3a hören ihrem Lehrer Hüseyn Cetin aufmerksam zu und lassen sich von den Gästen, die in der letzten Reihe sitzen, nicht stören. Zu ihnen gehört der Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Thomas Kufen, der sich ein Bild von dem Unterrichtsablauf machen will. Das Fach wird im Rahmen eines Modellversuchs erteilt. Muslimische Kinder nehmen in Marxloh erst in den Klassen drei und vier daran teil, weil nach den Worten von Rektor Matthias Seifert erst Lesen und Schreiben erlernt werden sollen.

Thomas Kufen erfährt nach der Unterrichtsstunde, in der es sich um eine der fünf Säulen des Islam dreht - Zakat, d.h. die Armenabgabe - einiges über das Zusammenspiel der Religionslehrer an der Grundschule. "Gemeinsam",so erklärt ihm Schulleiter Seifert, "werden hier christliche wie muslimische Feste geplant. Alle Kinder nehmen teil, müssen aber natürlich nicht alles mitmachen."

Islamkunde wird immer auf Deutsch erteilt. Die Sprache ist der gemeinsame Nenner: Zwar sind die meiste Kinder türkischstämmig, doch auch Muslime aus Jordanien, Marokko und dem Iran besuchen die Schule. Lehrer Hüseyin Cetin ist besonders in Konfliktsituationen gefragt: Elterngespräche verliefen mit seiner Hilfe in der Regel positiv, weil er den Koran sehr gut kenne und entsprechend argumentieren kann, lobt Seifert. Die Moscheevereine in Marxloh sehen in dem Schulunterricht eine Ergänzung ihres Religionsunterrichts, Hüseyn Cetin sei sehr anerkannt. So nehmen zum Beispiel alle Kinder am Schwimmunterricht teil. Anderswo ein Konfliktfeld.

In Nordrhein-Westfalen erteilen 80 Lehrkräfte an 120 Schulen Islamkunde in der Primarstufe und der Sekundarstufe I. Nach den Plänen der Landesregierung, soll bis 2010 an Schulen in Duisburg und Köln islamischer Religionsunterricht etabliert werden, so Thomas Kufen. Das Problem: Es gibt keine einheitliche Organisation als Partner für das Land. "Der Ball liegt jetzt bei den Verbänden - Islamrat, Zentralrat der Muslime, Verein islamischer Kulturzentren und Ditip - denn wir brauchen dazu einen Partner", erklärt der Integrationsbeauftrage der Landesregierung. Mit den Alevitischen Gemeinden konnte bereits die Basis für den Religionsunterricht im Modellversuch in mehreren Städten geschaffen werden.

Von Alfons Winterseel

Kommentare
Aus dem Ressort
Gewerkschafts-Sekretär klagt gegen fristlose Kündigung
Prozess
Junger Familienvater soll bei einer Tagung mit Azubis anstößige Videos auf seinem Diensthandy gezeigt haben. Jetzt klagt er gegen seinen Rauswurf.
Kaum Zugeständnisse bei Jobabbau im Duisburger Huntsman-Werk
Arbeitskampf
Die Belegschaft im Duisburger Chemiewerk hatte auf Zugeständnisse der Eigner gehofft. Doch die gab es nicht. Deshalb wird Freitag wieder demonstriert.
39-Jähriger stirbt auf A59 - 22-Jährige auf A40 verletzt
Unfälle
Auf der A59 bei Duisburg starb ein Fußgänger, auf der A40 bei Mülheim erlitt eine Frau schwere Verletzungen. Beide waren von Autos erfasst worden.
Duisburger Familienkonflikt gipfelt in einer Messerstecherei
Familienstreit
Mit einem Messersich endete ein Familienstreit zwischen zwei Männern und einer Frau in Rheinhausen. Ein 30-Jähriger Mann wurde dabei verletzt.
Noch gibt es Frühbucherrabatt für die Duisburger Traumzeit
Traumzeit-Festival
40 Bands werden beim Duisburger Traumzeit-Festival auf der Bühne im Landschaftspark stehen. Darunter Calexico, Sophie Hunger oder The Majority Says.
Fotos und Videos
Duisburg aus der Luft gesehen
Bildgalerie
Luftbilder
60 Jahre Friedrich-Ebert-Brücke
Bildgalerie
Brücken-Jubiläum