Bei Urban Priol hilft auch kein Therapeut mehr

Urban Priol packt sich beim Auftritt immer wieder an den Kopf.
Urban Priol packt sich beim Auftritt immer wieder an den Kopf.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Der Kabarettist gastierte mit seinem Programm in der Duisburger Rheinhausen-Halle und begeisterte die Zuschauer.

Duisburg.. „Herr Piroll, Herr Piroll“, mahnt sein Psychotherapeut – wahrscheinlich der, der dafür gesorgt, dass Urban Priol Freigang aus der Anstalt bekam, und jetzt seinen „ganz normalen Wahnsinn“ in der Rheinhausen-Halle treiben darf. „Jetzt“ heißt sein neues Programm – mit dem er fünf Minuten später anfängt, „um noch die neusten Meldungen aus der Tagesschau mit reinzunehmen.“

Denn zeitaktuell entwickelt sich ein politisches Kabarett auf dem Niveau eines Dieter Hildebrandt, das Priol genauso erscheinen lässt wie den Meister der politischen Satire selbst: als getriebenen und durchgedrehten Durchschauer der Dinge, der sich aber seiner Ohnmachtsposition bewusst ist.

Und spätestens als er wild muhend auf den Beistelltisch springt und „Mööh“ ins Publikum macht und erklärt: „Das ist Om rückwärts gesprochen!“ hilft kein Therapeut mehr – er bringt es aber damit auf den Punkt: Dass die politischen Zusammenhänge der Welt nicht mehr zu verstehen sind.

Zuschauer sind immer getroffen von Priols Geistesblitzen

Diese Zusammenhänge zu entwirren, daran arbeitet er fast drei Stunden – bis sein Weizenbier längst ungenießbar geworden ist: „Jetzt haben die neue Minister in Griechenland, die keine Krawatte tragen“, ereifert er sich. Die Begegnung von Finanzminister Varoufakis und Wolfgang Schäuble wurde so zum „Clash of Civilization“.

Pegida gefalle ihm als Splitterpartei, frotzelt Priol weiter. Natürlich bekommen es auch die IS-Selbstmordattentäter ab: „Kein Wunder, dass die 72 Jungfrauen brauchen – wenn die als Puzzle oben ankommen.“ Seine Pointen sitzen, aber da er wie „Professor Hastig“ über die Bühne wirbelt, sind die mehr als 800 Zuschauer immer neu getroffen von seinen Geistesblitzen. Zentrales Thema bleibt aber die Unfähigkeit der Politik und ihrer Akteure, die von einem Posten verdrängt, schon wieder in einer neuen Position ans Licht kommen. Und: Erzählt man einem 16-Jährigen: „Komm her, ich schenke dir einen ausgeglichenen Staatshaushalt!“, da könne man besser direkt ein Bier trinken gehen. Das tat Urban Priol anschließend, aber ein frisch gezapftes bitte...