Bei Duisburgs Platanen-Befürwortern herrscht Katerstimmung

Die Platanen an der Duisburger Mercatorstraße sind am frühen Dienstagmorgen unter Polizeischutz gefällt worden. Nachdem Baumschützer wieder mit Sitzblockaden versucht hatten, den Beginn der Abeiten zu verhindern, schützte eine Polizei-Hundertschaft die Arbeiter beim Fällen.
Die Platanen an der Duisburger Mercatorstraße sind am frühen Dienstagmorgen unter Polizeischutz gefällt worden. Nachdem Baumschützer wieder mit Sitzblockaden versucht hatten, den Beginn der Abeiten zu verhindern, schützte eine Polizei-Hundertschaft die Arbeiter beim Fällen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Zwar wurden mit dem Fällen der Platanen an der Mercatorstraße Fakten geschaffen, der Ärger darüber ist bei vielen Duisburgern aber nicht verraucht.

Duisburg.. Auch am „Tag 2“ nach der äußerst umstrittenen Abholzaktion unter Polizeischutz dröhnten am Mittwoch immer wieder mal Motorkettensägen auf der Mercatorstraße: Die umgelegten Platanen mussten schließlich zerkleinert werden, bevor sie von bereit stehenden Lastwagen mit Großcontainern abtransportiert werden konnten.

Katerstimmung bei den Platanen-Schützern des BUND nach einer politischen Niederlage, trotzige Zufriedenheit im Rathaus, genauer gesagt beim Oberbürgermeister, der bereits vor Tagen gegenüber der Presse die Kritik am Handeln der Stadt und an seiner Person so zurückwies: „Nach einer langen, auch bürgeröffentlichen Debatte hat es Ratsbeschlüsse mit breiten Mehrheiten gegeben“, sagt OB Link und sieht sich in seinen Entscheidungen demokratisch legitimiert.

Gerichte bestätigten „korrektes Handeln“

Auch Gerichte und die Aufsichtsbehörde in Düsseldorf hätten der Stadt „korrektes Handeln“ bestätigt. Und: „Wir reden auch nicht nur über 24 Bäume,“, sagt der Oberbürgermeister und verweist auf die geplante Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes und der Mercatorstraße: „Es geht um die wichtigste Visitenkarte der Stadt.“

Beim BUND stellt man unterdessen mit freudigem Erstaunen fest, dass nach wie vor jede Menge Unterschriftslisten eintrudeln, von Duisburger Einwohnern, die ihre Stimme dem Bürgerbegehren geben wollten und scheinbar auch jetzt noch weiterhin symbolhaft geben wollen. Am Wochenende werde neu gezählt, sagt die BUND-Vorsitzende Kerstin Ciesla, obwohl rein formal das Bürgerbegehren sich mit der Abholziaktion erledigt hat.

BUND ärgert sich über Kriminalisierung

Zornig und wütend indes sei sie aber auf die „Kriminalisierung von Baumschützern“ durch Polizei und Stadt. Neun BUND-Mitglieder sollen von der Polizei eine Anzeige erhalten, wegen Nötigung. „Aber niemand hat uns aufgefordert, den Platz zu verlassen, alles war völlig offen und unabgesperrt, am Ende haben wir uns aus freien Stücken zurückgezogen und jetzt sollen wir irgendwen genötigt haben? Das ist wirklich eine Unverschämtheit!“ Und außerdem wäre dies die erste Anzeige ihres Lebens. Davon, dass sie von der Polizei eine weitere Anzeige wegen Abhaltens einer nicht angemeldeten Versammlung bekommen wird, wusste Kesrtin Ciesla am Mittwoch noch nichts.

Die Linken in Duisburg kritisierten am Mittwoch in einer Pressemitteilung den Ablauf des parlamentarischen Abstimmungsprozesses: „Wir fordern die Stadtspitze auf, weitere Dringlichkeitsbeschlüsse gemäß Gemeindeordnung nur noch auf Ausnahmesituationen zu begrenzen. Wir fordern die Stadtspitze auf, den von ihr propagierten Bürgerdialog ernst zu nehmen und weitere Nacht- und Nebel-Aktionen zu unterlassen.“

Politisches Armutszeugnis

Ratsherr Karsten Vüllings von der Wählervereinigung BL kann den Unmut der Bürger verstehen: „Er ist nachvollziehbar, jahrelang müssen diese den Anblick einer Betonplatte ertragen. Wenn man den Ausgang dieses Bürgerbegehrens verwaltungsseitig mit Taschenspielertricks erst gar nicht abwartet und mit Hilfe einer Hundertschaft der Polizei Fakten schafft, dann ist das ein Armutszeugnis.“ Es bleibt, so Vüllings, zu hoffen, dass sich neben der noch immer öden Betonplatte nicht nun auch noch eine öde Baumstumpfstraße für die nächsten Jahre anreihe.