„Bei den städtischen Töchtern sehe ich kein Problem“

Der Haushaltsausgleich ist die eine, Entschuldung ein anderes Problem des Kämmers. Auch dazu und über die Verbindlichkeiten der städtischen Töchter äußert er sich im WAZ-Interview.

Selbst wenn der Haushaltsausgleich gelingt – die Altschulden bleiben. Wie sieht ihre Prognose da aus?

Sie reduzieren sich. Wir sehen erste Fortschritte. Bei den Kassenkrediten hatten wir mal Miese von rund 200 Millionen Euro pro Jahr. Das haben wir jetzt im Griff. Dass die Zinsen auf Sicht niedrig bleiben, ist für die Stadt dabei eine gute Nachricht. Derzeit liegen wir zwischen 0,4 und 0,6 Prozent im Kurzfrist-Bereich. Es waren mal bis zu acht.

Warum hat Duisburg keine Kredite in Schweizer Franken?

Ich wollte keine. Es ist mein Prinzip, mit städtischem Geld nichts zu machen, was ich nicht auch privat machen würde.

Wie steht es um die Stadt-Töchter? Auch da sind die Zahlen rot.

Es sind in der Regel längerfristige Verbindlichkeiten. Ich sehe zunächst kein Problem. Das sind gute Schulden. Bei den Wirtschaftsbetrieben ist es das Kanalvermögen, das über die Gebühren refinanziert wird. Die Gebag finanziert über Kredite, das ist in der Immobilienwirtschaft so üblich. Es hat da andere Probleme gegeben, etwa durch die Küppersmühle. Aber in den Rettungsgesprächen mit den Banken war die Höhe der Verbindlichkeiten nie ein Problem. Die Stadtwerke haben ein Kraftwerk in Wanheim gebaut – das finanziert man über Kredit. Der IMD hat investive Kredite, etwa für Schulgebäude übernommen, die ich für unproblematisch halte. Sie refinanzieren sich durch Mieteinnahmen aus dem Haushalt.

Ist das nicht rechte Tasche – linke Tasche?

Man kann das so sehen. Es ist, positiv formuliert, ein Mieter-Vermieter-Verhältnis. Es entspricht der Organisationsentscheidung, die Kompetenz für Immobilien an einer Stelle zu bündeln. In jedem Fall sind es bei allen Stadttöchtern ordentliche Schulden. Ich sehe kein Problem.

Also auch kein strukturelles?

Man kann Organisationsentscheidungen kritisieren. Aber ich erkenne keine unsinnige Gründung. Wir müssen sie dennoch ständig hinterfragen. Das machen wir, etwa bei der Innenstadtgesellschaft, bei der Neuorganisation der Duisburg-Marketing. Dabei hätte einiges eher oder forscher geschehen können.

Ihre Zwischenbilanz zum Stärkungspakt Stadtfinanzen?

Der Weg ist ohne Alternative. So wie es war, konnte es nicht weiterlaufen. Ich sehe die Stadt für den Weg, der noch vor ihr liegt, gut aufgestellt. Wir waren auf einem Kurs, wo wir jedes Jahr 150 Millionen Euro an zusätzlichen Krediten draufgepackt haben. Das hätten die Banken nicht lange mitgemacht. Jetzt gibt es wieder Vertrauen in das, was wir tun. Das ist wichtig. Banken finden die Grundsteuererhöhung gut, weil es ein solider Beschluss ist.