Begleitung in den letzten Wochen

Hochfeld..  Die Diagnose Krebs veränderte alles. Das Leben von Roswitha Spielhaupter-Katzy – und das ihres Mannes. Als die Frau mit der Krankheit ihres Gatten konfrontiert wurde, wusste sie noch nicht, dass die schwersten neun Jahre ihres Lebens folgen würden. Es begann eine lange Leidensgeschichte. „Ich habe Hilfe bei Freunden und der Familie gesucht, doch wirkliche Begleitung und emotionale Unterstützung zu bekommen, war schwer“, erinnert sich die Witwe. Als große Hilfe entpuppte sich in dieser Zeit der Hospizdienst des Bethesda. Ehrenamtler begleiten Patienten, die nicht mehr lange zu leben haben, entlasten Angehörige und hören den Betroffenen zu.

„Ich konnte mit niemandem reden, alles lastete auf meinen Schultern und gleichzeitig musste ich meinem Mann Kraft schenken“, beschreibt die 58-Jährige die Situation. Mit Hilfe von Pflege-Profis und des Hospizdienstes fand sie neuen Mut. Ulrike Dellwig begleitete das Paar durch die Krise. Sie ist eine von 40 Ehrenamtlichen, die sich im Hospizdienst des Bethesda engagieren. „Sie brachte Ruhe und Normalität in diese Ausnahmesituation meines Lebens.“ Ulrike Dellwig hat ebenfalls früh ihren Mann verloren – und konnte nachvollziehen, wie sich die Ehefrau fühlen musste. In einem Seminar wurde sie auf ihre Aufgabe vorbereitet. Ein halbes Jahr dauerte die Ausbildung. Viele der Ehrenamtlichen sind selbst einmal mit der schweren Krankheit eines Angehörigen konfrontiert worden – und haben so zum Hospizdienst gefunden.

„Wir machen eine Lebens-, keine Sterbebegleitung“, betont Hospizdienst-Koordinatorin Ute Glados. „Unsere Mitarbeiter kommen nicht in schwarz, weinen nicht, sondern lachen und bringen Leben ins Haus.“ In einem ersten Gespräch erfährt Ute Glados etwas über die Krankheitsgeschichte, die Lebensumstände – und, ob es beispielsweise Angehörige gibt. „Die meisten Menschen wollen lieber zu Hause sterben. Wir versuchen, dass zu ermöglichen.“ Sind alle Rahmendaten geklärt, sucht Ute Glados nach einem passenden Ehrenamtlichen, so wie im Fall von Roswitha Spielhaupter-Katzy. „Man kann nicht jeden Ehrenamtlichen zu jedem Patienten vermitteln. Das muss passen“, weiß die gelernte Anästhesie- und Intensivschwester.

Eine intensive Zeit

Derzeit betreuen die 40 Ehrenamtlichen 35 Sterbenskranke. Jeder ist maximal für eine Person zuständig. „Es ist wichtig, wenn sich die beiden möglichst früh kennen lernen und eine gute Beziehung aufbauen“, erklärt Ute Glados. Im Schnitt dauert eine Begleitung sieben Monate. In einigen Fällen verstarb der Patient allerdings schon nach wenigen Tagen. Eine intensive Zeit. Nach der Begleitung, brauchen die meisten eine Pause.

Roswitha Spielhaupter-Katzy hat dank der Begleitung selbst zu einem neuen Ehrenamt gefunden. Sie gehört nun ebenfalls zum Team. „Das ist eine Ausnahme, wir sind keine Selbsthilfegruppe, aber sie war stark genug“, sagt Ute Glados. Und Roswitha Spielhaupter-Katzy fügt hinzu: „Trauer und traurig sein, sind wichtig, aber das Leben geht weiter.“

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