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Bedenken vor Loveparade offenbar ignoriert

02.09.2010 | 12:31 Uhr
Bedenken vor Loveparade offenbar ignoriert
Foto: Joerg Ehms/ ddp

Duisburg.Die Grünen werfen OB Sauerland vor, Sicherheitsbedenken von Polizei und Feuerwehr nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Die Situation im Tunnel und auf der Rampe sei bei der Planung ausgeklammert worden.

Die Vorsitzende des Innenausschusses im Düsseldorfer Landtag, Monika Düker (Bündnis90/Die Grünen), wirft Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) vor, als Behördenleiter dafür verantwortlich zu sein, dass auf Initiative der Stadt die Sicherheitsbedenken der Polizei und der Feuerwehr nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Auf der Mitgliederversammlung der Grünen am Mittwoch erklärte sie, dass nach den vorliegenden Informationen Polizei und Feuerwehr Sicherheitsbedenken wegen des Zulaufs im Tunnel eingebracht hätten. „Dieser Teil des Genehmigungsverfahrens wurde aus dem Arbeitskreis Sicherheit ausgeklammert und einem Gesprächskreis bestehend aus Veranstalter und Bauordnungsamt der Stadt übertragen.“

Gutachten untersuchte nur die Entfluchtung

Der Gesprächskreis habe entschieden, dass Michael Professor Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen mit einem Gutachten beauftragt werden soll. Diesem Gutachten habe aber nicht die geäußerten Sicherheitsbedenken zum Zulauf im Tunnel zugrunde gelegen, wovon aber Polizei und Feuerwehr ausgegangen seien. „Herr Schreckenberg war aber nicht vor Ort und prüfte nur die Entfluchtung“, so ihr Vorwurf. Weil Schreckenberg in dem Gutachten zugestimmt habe, seien Polizei und Feuerwehr davon ausgegangen, dass ihren Bedenken Rechnung getragen worden sei.

Crowd-Manager habe gemeinsam mit der Polizei entschieden

Die Vorsitzende des Innenausschusses erklärte weiterhin, dass die Ursachen der Katastrophe im Tunnel mittlerweile bekannt seien. „Nur nicht, wer daran die Schuld trägt.“ In der entscheidenden Phase habe um 15.30 Uhr der „Crowd-Manager“ des Veranstalters die Polizei um Hilfe gebeten. Gemeinsam mit dem Polizeibeamten, der neben ihm saß, und dem zuständigen Abschnittsbeamten der Polizei sei entschieden worden:

- die Sicherheitsleute des Veranstalters auf der Rampe („Pusher“) sollten den Pfropf am Übergang zwischen Rampe und Veranstaltungsgelände auflösen

- gemeinsam sollten Polizei und Sicherheitsleute des Veranstalter drei Ketten (Rampe und Tunnel) bilden, um weiteren Zulauf zu verhindern

- die Vereinzelungsanlagen vor den Tunneleingängen zu schließen

- die zweite, kleinere Rampe zu öffnen, um den Druck aus dem Tunnel zu nehmen

„Das hat nicht in vollem Umfang funktioniert“

„Das hat nicht in vollem Umfang funktioniert“, so Monika Düker. Die Schleuse an der Düsseldorfer Straße sei nicht geschlossen worden. Als ein Rettungswagen in den Tunnel fahren musste seien die Menschen hinterher gelaufen. „Sie haben die erste, kleinere, aber nun schon geöffnete Rampe nicht genutzt und sind weiter in den Tunnel gegangen. Dort wurde die Polizeikette überrannt.“ Unklar sei, warum die Vereinzelungsanlage an der Düsseldorfer Straße entgegen dem Plan nicht geschlossen wurde.

Zur Katastrophe sei es gekommen, nachdem es einem Besucher gelungen sei, eine Absperrung vor der Treppe zu überwinden und die Treppe hochzusteigen. Dies habe einen Ansturm aus der Menge auf die Treppe verursacht, in dessen Verlauf 21 Menschen starben und zahlreiche verletzt wurden. „Herr Schaller hat nicht Recht, wenn er behauptet, die Polizei allein habe die Entscheidungen getroffen. Der Crowd-Manager hat ihm in einem Interview widersprochen: Es sei eine gemeinsame Entscheidung von Veranstalter und Polizei gewesen.“

Für Monika Düker sprechen folgende Punkte für die Verantwortung des Oberbürgermeisters als Behördenleiter:

- die „Ausgliederung“ der Sicherheitsbedenken zum Zulauf im Tunnel aus dem Arbeitskreis „Sicherheit“

- mangelnde Kontrolle der Auflagen durch die Ordnungsbehörde

- das Verschweigen der tatsächlich erwarteten Besucher aus Rücksicht auf die Promotion des Veranstalters

Massenpanik an der Rampe zur Loveparade

- das Fehlen der Ordnungsbehörde im Zusammenhang mit der Schließung des Geländes, weil sie laut eines Protokolls dafür letztendlich in der Verantwortung gewesen sei.

Alfons Winterseel

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Kommentare
04.09.2010
13:00
Stadt soll Bedenken nicht berücksichtigt haben
von dasder | #60

@54 thiesbürger
Was Sie leider nicht akzeptieren können, ist:

Dass es gar nicht diese Rampe/Tunnel-Situation geben darf!!!

Die Leute haben teilweise aus der Not/Verzweiflung die Treppe als Fluchtweg gewählt.
Eine verhängnisvolle Fehlentscheidung, die dann vermutlich eine Eigendynamik bekam.
ABER: Bevor jemand sich dazu entschließt, diese kleine Treppe hochzuwollen, da muss man schon körperlich/geistig am Ende sein! Platt. Es war ja niemand da, der helfen konnte. Polizisten schauten gelangweilt auf die Köpfe. Im Grunde genommen gab es keine ernsthafte Möglichkeit, die Besucher zu koordinieren, weil nicht ausreichend Hilfspersonal vor Ort war.

Das Allein zeigt doch erneut, wie irrsinnig das Unterfangen war, den Tunnel SO zu nutzen.

Zuerst stehen die Leute ewig vor dem Tunnel, dann im Tunnel, dann sind Sie fast da, dann bewegt sich gar nichts mehr, sehen aber das Ziel, hören die Mucke die ganze Zeit usw.usf.

Es war eine Zumutung für die Besucher. Auch wenn viele LP- Besucher jung und fit sind, so gab es auch Familien und Ältere die unterwegs waren.
Viele drehten vor dem Tunnel freiwillig um.
Aber DAS konnte doch nicht der Sinn der Veranstaltung sein, dass Leute aus Furcht oder entnervt von der Warterei, aufgaben, ein Partytag zu verbringen.
Zur “Hauptzeit“ wurden Zulauf und Ablauf in dem Bereich vollkommen unterschätzt.

Besucher haben nach anderen Einlaufzonen gefragt.
Es wurde aber NUR auf den Tunnel verwiesen!

Wenn die Leute nicht in diesen Bereich hineingezwungen worden wären, müssten wir uns heute nicht über die Treppe unterhalten!!!
Natürlich gibt es eine Eigenverantwortung. Natürlich muss man die eigene Sicherheit abschätzen. Aber Auswärtige gehen doch davon, dass ein Sicherheitsdenken aller Verantwortlichen existiert, welches den Besuch dieser Großveranstaltung GEWÄHRLEISTET!

04.09.2010
01:51
Stadt soll Bedenken nicht berücksichtigt haben
von thiesbuerger | #59

An einem bestimmten Tag im September hat die Stadt Duisburg die Angehörigen der Toten in ein Duisburger Lokal einladen.

04.09.2010
00:53
Stadt soll Bedenken nicht berücksichtigt haben
von thiesbuerger | #58

Noch besser ist es hier zu sehen:

http://img341.imageshack.us/img341/3319/firststairuserataquarte.jpg

04.09.2010
00:50
Stadt soll Bedenken nicht berücksichtigt haben
von thiesbuerger | #57

Man kann auf dem Bild genau gesehen, dass die Treppe abgesperrt ist.
Der nächste Treppenbenutzer ist schon dabei, über die Absperrung zu klettern, um dem ersten zu folgen.
Das alles passierte etwa um 16:15 des 24.7.2010.

04.09.2010
00:48
Stadt soll Bedenken nicht berücksichtigt haben
von thiesbuerger | #56

@turnaround

die Toten und Verletzten gab es vor der Treppe.
Das ist FAKT.


Der erste, der die Treppe benutzte und so den Anfang machte, ist sogar dokumentiert:
http://img341.imageshack.us/f/firststairuserataquarte.jpg/

04.09.2010
00:19
Stadt soll Bedenken nicht berücksichtigt haben
von turnaround | #55

Hätte es diese Fluchtmöglichkeit nicht gegeben, wäre es auch nicht zu dem Unglück gekommen,
#54 von thiesbuerger , am 03.09.2010 um 23:57

So, so, nicht vor Ort gewesen, aber alles durchblickend. So kennt man ihn. Überlassen Sie diese Rückschlüsse doch bitte der Staatsanwaltschaft.

03.09.2010
23:57
Stadt soll Bedenken nicht berücksichtigt haben
von thiesbuerger | #54

@Ein enttäuschter Duisburger

Dirk Oberhagemann ist auch einer von diesen Ich habe es kommen gesehen.-Experten:
Der Tuinnelbereich ist ein ganz sensibler Punkt sagt er vor dem 27.Juli 2010.

Warum sind eigentlich keine Leute im Tunnel gestorben oder auf der Rampe selbst sondern in erster Linie an der Treppe.
Die Treppe spielt hier die Rolle, nicht der Tunnel oder die enge Rampe.

Hätte es diese Fluchtmöglichkeit nicht gegeben, wäre es auch nicht zu dem Unglück gekommen,

03.09.2010
14:24
Stadt soll Bedenken nicht berücksichtigt haben
von turnaround | #53

#52 : Die Frage hat sich wohl jeder gestellt. Allerdings gibt der Stadtdirektor zu dem Thema keine Auskünfte. Es geht doch die Bürger nichts an, was mit ihren Steuergeldern passiert ......

03.09.2010
12:02
Stadt soll Bedenken nicht berücksichtigt haben
von Peter Buda | #52

Hat sich mal jemand gefragt, wie die Gutachterin Dr. Jasper (die Frau Doktor, der die OBs vertrauen...), der PR-Berater bezahlt wurden. Das RP Düsseldorf hat keinerlei Ausgaben genehmigt. Da bleibt ja nur noch die Landes-CDU, die nicht noch den letzten OB im Ruhrgebiet verkieren will... Denn die Kanzlei Heuking und Konsorten arbeitet auch sehr viel für die Landes-CDU; außerdem ist der Bundestagsabgeordnete Dr. Jarczombek des Wahlkreises 107 (Düsseldorf) eng befreundet mit einem Partner der Kanzlei. Da könnte man doch mal recherchieren...

03.09.2010
08:30
Stadt soll Bedenken nicht berücksichtigt haben
von Tacheless | #51

wer will, kann bei Wikileaks einen Teil der Unterlagen einsehen.
Da tun sich schon teilweise Abgründe auf.

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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