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Mercatorhaus

Bausteine für „seriöse Rekonstruktion“ des Mercatorhauses

27.12.2012 | 18:14 Uhr
Das erweiterte Wohnhaus Gerhard Mercators war bis in die 1920er Jahre ein städtisches Verwaltungsgebäude.Foto: Filmarchiv

Duisburg. Kai Gottlob ist „Kind der Stadt“ und hat als Dokumentarfilmer gerade im Umgang mit historischem Duisburg-Material ein Gefühl dafür entwickelt, „was Duisburg im Bomben-Inferno des Kriegs verloren hat: sein historisches Herz“. Seitdem die Reste dieses Herzens von den Archäologen freigelegt werden, hat der 56-Jährige über das Wohnhaus Gerhard Mercators recherchiert und, wie berichtet, für seine Idee zum Wiederaufbau sofort Oberbürgermeister Sören Link gewonnen.

Wobei Gottlob an den Wiederaufbau des Ensembles aus Mercators Wohnhaus, Torbogen und Bürgermeisterhaus an der Oberstraße denkt, die vor 1566 gebaut worden und in den 1920er Jahren weitgehend verschwunden sind – die Reste wurden dann in der Nachkriegszeit platt gemacht, so Gottlob.

Historische Bedeutung

Drei Bausteine für eine „seriöse Rekonstruktion“ hat er bereits zusammen: Die Fundamente, die bei den Ausgrabungen zum Vorschein gekommen sind, den Plan von Johannes Corputius, dem Schüler Mercators, der drei Jahre lang im Haus des weltberühmten Kartographen lebte, und ein Aufmaß aus den 20er Jahren.

Der allgegenwärtige Mercator

Denn als damals das zum „Verwaltungsgebäude 3“ erweiterte Mercatorhaus abgetragen wurde, habe man wohl um die historische Bedeutung gewusst und es zumindest dokumentiert. Vom Ensemble gibt es sogar noch ein Foto, das Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts aufgenommen worden sein muss.

„Es wäre sträflich, es nicht zu versuchen“

„Das Ensemble wäre ein absolutes Schmuckstück“, sagt Gottlob. Die nächsten Schritte müssten eine technische Prüfung und eine Machbarkeitsstudie mit den zu erwartenden Kosten sein.

Neben OB Link hat er die Bürgerstiftung, die Vereinigung Pro Duisburg und den Lions-Club Mercator für die Idee gewonnen. „Es wäre sträflich, es nicht zu versuchen“, sagt Manfred Berns, Geschäftsführer der der Bürgerstifung. „Wieder nur eine Platte“ auf historische Funde – das könne es nicht sein. Auch viele WAZ-Leser begeistern sich für den Wiederaufbau.

Anne Horstmeier


Kommentare
30.12.2012
08:44
Bausteine für „seriöse Rekonstruktion“ des Mercatorhauses
von Dieselpumpe | #9

Wenn noch tiefer gebuddelt wird findet man bestimmt noch anderen analen Müll in Duisburgs Tiefen.
Soll jeder nach seinem Dafürhalten und unter Beachtung heutiger Regeln und Gesetzte buddeln und bauen was und wie er will, aber bitte grundsätzlich ohne den Ruf nach Steuermitteln für die Finanzierung.
Duisburg, wie auch der Rest unserer Republik ist gepflastert mit „Steuergeldverbrennungsprojekten“.

1 Antwort
Bausteine für „seriöse Rekonstruktion“ des Mercatorhauses
von fraka | #9-1

Es wäre in der Tat wünschenswert wenn bei solchen Untersuchungen etwas tiefer gebuddelt würde.

Aber da spielt sicher auch die Angst mit, dass man etwas finden könnte.

Wo und wann haben Sie in dem Zusammenhang den Ruf nach Steuermitteln vernommen ?

29.12.2012
02:42
Bausteine für „seriöse Rekonstruktion“ des Mercatorhauses
von JoachimMutz | #8

In 2013 muss zuallererst in der Gegenwart aufgeräumt werden - ist die Stadt Duisburg verpflichtet - in Sachen LOVEPARADE 2010 für Klartext zu sorgen. Damit die Menschen endlich wieder in eine Zukunft schauen können - so schwer der Blick zurück auch wiegt und nie vergessen werden kann.

Es ist die Aufgabe von OB Sören Link, allen beteiligten Behörden Druck zur Vorlage der Ermittlungsergebnisse zu machen, zumal auch das von ihm versprochen wurde.
Nur eine schonungslose Offenlage der Dokumentation zur Fehlplanung LOVEPARADE kann das ramponierte Ansehen der Stadt in eine bessere Zukunft führen, im Frieden mit allen Menschen.

Genau so wichtig ist, den Menschen der Zinkhüttensiedlung ihren schon sehr zerstörten Frieden wiederzugeben! Neben den dort gemachten "handwerklichen Fehlern" bestehen größte Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieser Art und Weise der Schaffung von Planungsrecht!

Erst Frieden machen - dann Zukunft ins Auge fassen - Träume entwickeln - Leben real gestalten - Glück auf!

28.12.2012
23:14
Bausteine für „seriöse Rekonstruktion“ des Mercatorhauses
von jojo2008 | #7

Einerseits ist in Duisburg schon vieles abgerissen worden, was irgendwie typisch Duisburg ist - und es wird fleißig weiter abgerissen bis wir eine multidevelopte Stadt haben (was uns Bürgern Millionen an Steuergeldern kostet), andererseits will man etwas wiederaufbauen, was garnicht mehr da ist. Und das auch noch an einer Stelle, die schon längst mit einem neuen Projekt überplant worden ist: "Mercatorquartier". -
Will man jetzt die geplante Blockrandbebauung aussparen und dann steht das Mercatorhaus dann wie das Männlein im Walde in der Lücke oder wie oder was? Dümmer gehts nümmer. -

Harald Jochums / Archetekt

28.12.2012
20:00
Bausteine für „seriöse Rekonstruktion“ des Mercatorhauses
von ArminKlaes | #6

Welch großartige Idee, als nachhaltige Wirkung des Jubiläums 500 Jahre Gerhard Mercator die Rekonstruktion des Mercator-Wohnhauses zu initiieren! Es sind Fundamente wissenschaftlich fundiert freigelegt, es gibt klare Hinweise, Fotos und Zeichnungen, es ist deshalb keineswegs ein fake, eine Roßtäuscherei oder Dineyland, was hier zu lesen war. Es ist vielmehr eine Riesenchance für Duisburg, ein neues, dauerhaftes und nachhaltig tragfähiges eigenes Selbstbild aus den Tiefen der Stadtgeschichte zu holen. Duisburg war vor Stahl und Kohle etwas Anderes und muss es wieder werden, natürlich in moderner Form! Das Mercator-Projekt kann Duisburg mittelfristig dabei helfen, zu sich selbst zurück zu finden statt sich einseitig larmoyant auf die aktuelle Krise zu konzentrieren!
Die Kritik an OB Sören Link kann ich überhaupt nicht nachvollziehen: Er hat mit keinem Wort gesagt, die Stadt solle und könne den Wiederaufbau finanzieren, sondern: Die Bürger müßten es wenn selbst tun wie beim Theater 1913!

28.12.2012
18:31
Es geht nicht ums Meckern!
von rschulz3 | #5

Aber muss jeder Großkotz, der sich OB nennt, irgend etwas "hinterlassen"?
Ob Forum etc oder wie jetzt eine Rekonstruktion aus dem 16. Jhd. Spinnen die?
Wir haben in Duisburg massive Probleme und schon seit langem schlechte städtische Verwalter, die anscheinend nicht das Wohl der Stadt und der Bürger im Auge hat, sondern nur Hinterlassenschaften.
Stoppt sie. Bei der nächsten Wahl.
Leider habe ich 100% recht behalten mit meinen ganzen Unkereien bezüglich AS (der wird uns noch teuer zu stehen kommen), lassen wir es nicht nochmal so weit kommen. Ich gebe #1 vollkommen recht, es gibt wirklich wichtigere Themen und Aufgaben.
(Dabei bin ich gelernter Historiker)

28.12.2012
18:02
Bausteine für „seriöse Rekonstruktion“ des Mercatorhauses
von schnurri23 | #4

Duisburg sollte besser nach vorne schauen und nicht so viel zuück.

28.12.2012
12:30
Bausteine für „seriöse Rekonstruktion“ des Mercatorhauses
von fraka | #3

Die Bombenangriffe waren fürchterlich und haben, wie auch in anderen Städten, sehr viel zerstört.

Sein "historisches Herz" verlor Duisburg allerdings erst in den Abrissorgien der 50/60er Jahre.
Wo vorher Weinhausmarkt, Knüppelmarkt, Gymnasialstr, Holzgasse, Schwanenst. etc zumindestens auf historischen Bildern einen urbanen, intakten Eindruck erwecken regierte nur noch die Abrissbirne. So wurden überbreite, trennende Straßen geschaffen welche dann Bereiche wie die Münzstraße oder den Burgplatz isolierten.
Gut 80% der Stadtmauer hatte den Krieg überstanden. Heute sind es knapp 20%.
Wo andere Städte geschichtsbewusst einen Wiederaufbau geplant hatten regierte bei uns das Chaos.
Und nur deshalb sieht es heute so aus.

27.12.2012
23:47
Mehr als immer nur "Ruhrpottkultur", bitte!
von AleCon | #2

@ joestar:
Das es bei jedem Projekt IMMER Leute gibt, die grundsätzlich meckern und als Argument "Geld verpulvern" nutzen, nervt. Eine Stadt ist nicht durch HardcoreSparen gerettet, so oder so.

Diese "HISTORISCHE Kopie", lassen sie die Klammern ruhig weg, dokumentiert die Geschichte dieser Stadt, die bereits Jahrhunderte alt ist.
Duisburg sollte seine Geschichte ruhig stolz präsentieren, es gibt hier immerhin genug.
Leider ist diese Stadt seit der Krankheit "Nachkriegsruhrpott" auf einen Haufen Arbeiter zusammengeschrumpelt, für die das höchste kulturelle Gut Fußball ist und die alles andere an Geschichte, Kultur und akademischem Fortschritt verteufeln, sodass ich nicht glaube, dass sich überhaupt genug Spender finden lassen.
Überlegen Sie, ob es nicht doch schlauer wäre, einen ersten Schritt in eine andere Richtung zu probieren und Leute, die diese Sache unterstützen, eine Spende geben zu lassen, Rekonstruktionen sind schließlich in sehr vielen anderen Städten auch gang und gäbe.

27.12.2012
21:56
Bausteine für „seriöse Rekonstruktion“ des Mercatorhauses
von joestar | #1

Duisburg hat wirklich größere kulturelle und bildungspolitische Probleme als ein Disney-Moviepark-Fakegebäude. Was soll diese (historische) Kopie bezwecken? Kein Geld für offene Stadtteilbibliotheken zu Ferienzeiten, aber für solche Tagträumer wird Geld verpulvert!

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