Band Bandbreite gibt ihrer geliebten Heimatstadt Duisburg eine Breitseite
16.02.2008 | 09:33 Uhr 2008-02-16T09:33:00+0100
Duisburg. Das Hip-Hop-Duo "Die Bandbreite" hat einen echten Hit: In "Dat is Duisburg" besingt es die Heimatstadt. Keine Jubelarie...
Die echte, die wahre Liebe erträgt Kritik; ein bisschen Spaß sowieso. Und Marcel Wojnarowicz liebt Duisburg aufrichtig, wie er versichert. Das versteht nicht von selbst, wer den (Ab-)Gesang seines Hip-Hop-Duos auf seine Heimat hört. Als Kopf der "Bandbreite" reimt der 31-Jährige in "Dat is Duisburg": "Du musst schon hier geboren sein, um dat zu ertragen. Zugezogenen schlägt Duisburg auf den Magen." 310 000-mal wurde das Video zum Lied im Internet bereits angeklickt. Darin erklärt "Wojna" im Feinripp-Hemd und mit Pils in der Hand die Stadt. Trotzdem mögen die Duisburger die Anti-Hymne, die dem Lokalmatador den Bekanntheitsgrad von MSV-Präsident Walter Helmich beschert: "Gestern hat mich eine Kassiererin angesprochen, davor ein Polizist: 'So isses', haben sie gesagt."
Einladung von Planungsdezernent Dressler
Planungsdezernent Jürgen Dressler hat sogar eine Einladung geschickt: Er will von Wojna und DJ Torben wissen, was das Leben zwischen Dinslaken und Düsseldorf angenehmer machen könnte. Das spricht für die Ernsthaftigkeit der "Bandbreite" und Dresslers Humor: Während frühere Duisburg-Lieder (siehe Kasten) von großen Heimatgefühlen handelten, kennt Wojnas Lokalpatriotismus kein Pardon - schon gar nicht für Planer und Politiker: "Abends ist die City tot, hier gibbet nix zu sehen" und "Die Stimmung bei der Jugend ist durchweg depressiv", singt er böse zu einer Gute-Laune-Melodie. Der Kritiker selbst müht sich immerhin, die angeprangerte Lokal-Misere zu bekämpfen. 2004, nach ein paar Semestern Nachrichtentechnik und Jobs als Internet-Programmierer, machte sich Woyna selbstständig: Er gründete die Plattenfirma "Lärmquelle" und entwickelte Rap-Workshops.
Zunächst lehrte Wojnarowicz den rhythmischen Reim in Jugendzentren in Walsum, Beeck, Marxloh und Hochfeld. Mittlerweile ist er landesweit im Auftrag von Kommunen und Verbänden unterwegs: "Hip-Hop ist Sprachförderung und Vitamin fürs Selbstbewusstsein der Jugendlichen." Für sie gebe es in Duisburg zu wenige öffentliche Treffs. Noch dazu "werden sie von ihren Plätzen in Duissern, Walsum oder in der Innenstadt vom Ordnungsamt weggejagt".
Ende der 80er intonierten Rocker Dagmar Albert Horn, Fußballer Peter Közle und Ex-Stadionsprecher Bülent Aksen im "Duisburg-Lied": "Ich seh' den grünen Turm. Ich denk, ich bin zuhause." Zudem konnte Horns Band Alma Ata 1988 Erfolge mit der "Rheinhausen"-Single feiern. Damit unterstützte die Band die streikenden Kruppianer. Mit dem Chor von Rheinhausen gingen Alma Ata auf Deutschland-Tour. In Vergessenheit geraten sind Willi Meyers "Guten Morgen, Duisburg" (1991) und "DU, DU, DU, DU", das Klaus Großpietsch 1998 nach dem Pokalfinale zwischen MSV und Bayern (1:2) aufgenommen hatte. (pw/NRZ)
Mit der "Bandbreite" aber musiziert Wojna - wie DJ Torben in Rheinhausen groß geworden - längst nicht mehr für die Jugend. Inhaltlich sieht er sich in der Tradition von Wolf Biermann und Konstantin Wecker. Statt auf Rap-Contests tritt das Duo auch mal auf Gewerkschafts-Bühnen auf. Das politische Bewusstsein, sagt IG-Metall-Mitglied Wojnarowicz, habe ihm sein Vater anerzogen: Mit ihm ist er als Kind an Ostern über den Dellplatz marschiert, er legte Udo Lindenbergs "Wozu sind Kriege da?" auf. Wie der Vater, so die Band des Sohnes, die es Musikfans und Medien nicht einfach macht: Wer in "Dr. Schäuble" rappt, dass es Fingerabdrücke in Ausweisen zuletzt in der Nazi-Diktatur gab, und laut gegen US-Regierung wettert, erntet nicht nur Lob. Und Plattenverträge schon gar nicht.
"Woanders isset auch nicht besser."
Den Globalisierungskritiker kann der Song- und Textschreiber freilich auch im Schunkel-Hit "Dat is Duisburg" nicht ablegen: "Ein neues Kohlekraftwerk steht in Walsum jetzt am Rhein, nur die Kohle kommt nicht mehr von hier, die muss aus China sein." Woyna selbst würde lieber weiter den Bergbau in der Region fördern: "Da gibt es großes Know-how."
Daran mangele es an anderer Stelle: "Et gibt auch nicht so viel Kultur, dafür n bisschen Sport. Wenn ich in die Arena geh, dann weiß ich ganz genau, wer gegen Herne-West verliert: Dat is unser MSV." Gleichwohl übersieht der Kultur-Kritiker vor lauter Pessimismus die Kneipen- und Kultur-Kleinode an Rhein und Ruhr nicht: Im Jazz-Keller "DJäzz" mag er die Musik, im Brauhaus Schacht 4/8 das Revier-Flair. "Und unsere Philharmoniker sind ein echtes High-End-Orchester."
Die Menschen "meiner Verliererstadt", sagt Wojna, sind ihm eh ans Herz gewachsen: Trotz aller Hartz-IV-Armut erlebe er sie direkt und offen, "und sie haben eine differenzierte Meinung". In seinem Lied besingt er das nicht. Auch dat is Duisburg. "Und woanders", zitiert Wojna seinen Nachbarn, "isset auch nicht besser." (NRZ)

19:58
Alles in diesem Lied stimmt!
Die City wird verschönert
City-Palais,der Innenhafen etc!!!!
Der Norden verkommt!
Ein Euro/Tedi-Laden nach dem anderen!Der Pütt wird geschlossen,ca.3500Kumpel werden entlassen!Es wird eine Dreckschleuder gebaut!
Ich bin Walsumer,kein Duisburger!
17:46
ich als Duisburgerin verstehe zwar die Satire durchaus. Aber ich habe trotzdem kein Verständnis für diesen bärendienst, den diese hochgejubelte Band Duisburg damit erweist. Ein Stück, das über weite Strecken die Klischees in den Köpfen der anderen bedient, wird kaum jemanden dazu bringen, Duisburg etwas Gutes zuzuschreiben.
Und genau das ist der Punkt: aus der Satire geht an keiner Stelle hervor, dass den Akteuren etwas an Duisburg liegt - höchstens, dass sie zu arm sind, um wegzuziehen. Das ist nur das übliche ist doch alles ******* hier und das für uns wird doch nichts getan etc. Da ist keine Liebe für diese Stadt. Und dieses Duisburg ist fürn ***** wird dann über ein Medium wie Youtube in alle Welt posaunt und dort von vielen Auswärtigen, die schon immer wußten, dass diese dreckige Stadt, die ausschließlich von halbdebilen arbeitslosen Prolls bewohnt wird und nur aus Slums besteht, keinen weiteren Blick, geschweige denn einen Besuch wert ist. D A S transportiert der Song. Und das finde ich schädlich.
15:21
....Hip-Hop ist Sprachförderung....
bei einen Wortschatz von 40 !!! (in Worten: vierzig!!! ) Wörtern zutreffend. (Studie über Ghettokids.)
Und ich dachte, selbst in der kath. Grundschule besitzen die Kinder schon ein Wortschatz von ca. 1500 Wörtern und mehr.
Duisburg und Dortmund ist eben relativ.
13:18
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09:49
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09:47
ihr seit ja schneller als die bahn erlaubt... das video kursiert schon seit monaten im groß germanischen reich! SAUGEIL!
13:18
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