Bald fahren wieder Autos durch den Unglücks-Tunnel
03.09.2010 | 08:45 Uhr 2010-09-03T08:45:00+0200
Duisburg.Der Tunnel in Duisburg, wo sich das Loveparade-Drama ereignete, hat sich in den sechs Wochen der Trauerzeit verändert. Doch die Menschen müssen bald wieder den Autos weichen: Am Wochenende wird die Sperrung für den Verkehr aufgehoben.
Manche kamen fast jeden Tag hierher. Hallenden Schrittes gingen sie durch den Tunnel, hielten an der Rampe inne, betrachteten den Ort des Un-fassbaren, lasen zum x-ten Mal die auf Plakaten und Transparenten hinterlassenen Botschaften. Dieser Akt des Trauerns und Verarbeitens, er hatte für viele Menschen etwas Rituelles, war lieb gewonnene Gewohnheit. Doch nun endet die Trauerzeit für die Opfer der Loveparade-Katastrophe. Nur noch bis Samstag ist der Tunnel an der Karl-Lehr-Straße das, was er in den vergangenen sechs Wochen war: eine verkehrsberuhigte, begehbare Trauerstätte. Bald kehren die Autos zurück. Und es heißt Abschied nehmen vom stillen Abschiednehmen.
Es ist Mittwoch, 12 Uhr. Aus der Ferne ist das Mittagsläuten der Kirchturms-Glocken zu hören. Sonst nichts. Die wenigen Menschen, die um diese Zeit im Tunnel unterwegs sind, verlieren kein einziges Wort. Sie grübeln nur. Lesen stumm. Oder schauen gedankenverloren ins Leere. Nur ab und an dringt ein schriller Ton ins Ohr. Es ist die Klingel eines Fahrrades. Für diese gilt das allgemeine Durchfahrts-Verbot auf dieser innerstädtischen Ost-West-Achse nicht. Doch selbst die eiligsten Radler respektieren hier das ungeschriebene Gesetz der Ruhe.
Im kollektiven Gedächtnis
Wer genau hinschaut, der entdeckt hier und da noch Überbleibsel von jenem Tag, an dem 21 junge Menschen den Tod fanden und der deshalb unauslöschlich im kollektiven Gedächtnis klebt. Am Tunneleingang aus Richtung Neudorf kommend hängt noch die Orientierungstafel aus Plastik mit Nummer 382 am Laternenmast. Mit deren Hilfe konnten ortsunkundige Loveparade-Besucher damals den Rettungskräften ihren genauen Standort verraten. Auch der Container am Fuße der Unglücksrampe, in dem der Crowdmanager und Polizeibeamte zwecks Überwachung der Menschenmassen saßen, ist noch da. Sein Blechdach wurde für manche zuvor eingezwängten Besucher zum Weg in die Freiheit. Und natürlich ist auch diese schmale Treppe noch da, in deren unmittelbarer Umgebung die meisten der 21 Opfer von der Masse überrannt wurden. Ein einziger Blick auf die Szenerie genügt, schon erscheinen vor dem inneren Auge wieder die schrecklichen TV-Bilder. Auch sie sind unvergesslich.
Doch das Gesamtbild des Tunnels hat sich verändert. Leider nicht zum Positiven. Das Meer der Kerzen, das diesen unwirtlichen Ort nicht nur Nacht für Nacht in ein faszinierend flackerndes Licht tauchte, sondern ihm selbst in kältesten Stunden eine wohlige Wärme verlieh, es ist erloschen. Die Blätter der Blumensträuße sind braun und verdorrt. Selbst das einst weiße Fell des einsam zwischen Teelichtern kauernden Stoff-Teddybären ist nach fast sechs Wochen ergraut. Der Zahn der Zeit, er nagt eben auch an Trauergaben unnachgiebig.
Steine und Figuren
Doch manches Stück trotzte beharrlich der Witterung. Etwa jene kleinen Gedenksteine mit eingravierten Anklagen gegen sich wegduckende Verantwortliche. Oder die Engelsfiguren aus Ton und Porzellan. Oder jener Rahmen, hinter dessen Glas die lachenden Gesichter von sieben jungen Menschen zu sehen sind. Junge Menschen, die nun tot sind. Nein, vieles von dem, was jetzt hier steht, wird keinen Platz in jenem Kubus finden können, der als Lagerstätte für besondere Trauergaben dienen soll. Vieles ist kaputt, zerfallen, vergangen oder vertrocknet. Vieles wird auf dem Müll landen.
Das Befüllen des Kubus am Samstag soll ja sichtbares Zeichen für das offizielle Ende der Trauerzeit sein. Doch der vorgesehene Lageplatz auf einem Grünstreifen an der Karl-Lehr-Straße/Ecke Wegnerstraße trifft schon auf Widerspruch. Direkte Anwohner wie Reinhard Küpper fürchten, dass der Strom der Pilger in den nächsten Jahren nicht enden und die Hoffnung auf eine Rückkehr von Normalität an dieser Stelle zum Ding der Unmöglichkeit wird. Er wolle doch nur seine Ruhe und seinen Alltag zurück. Eine Sehnsucht, die derzeit so viele Menschen dieser Stadt umtreibt.

11:08
Es ist der Lauf der Dinge, daß öffentliche Plätze und Straßen irgendwann wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung übergeben werden. Das klingt zwar sowas von blöd, aber so ist es halt. Das wird auch den Angehörigen der Opfer bewußt sein.
Wesentlich schlimmer ist, daß bis zum heutigen Tage noch immer keiner Verantwortlichen auch nur ansatzweise zu seiner Verantwortung steht und die Konsequenzen gezogen hat. Diese Schlacht an Gutachten, die es derzeit gibt, ist der wirkliche Schlag ins Gesicht der Angehörigen!
Sauerland, Schaller, und wie sie alle heißen, waren allesamt an der Sache beteiligt. Somit trägt jeder von ihnen seinen Teil am Zustandekommen der Katastrophe
Man muß weiterhin befürchten, daß es am Ende die Toten selbst waren, die an allem Schuld waren, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Eine objektive Aufklärung, nach 6 Wochen Mauschelei, dürfte kaum noch möglich sein. Dafür hatte jeder zulange Zeit, die wirklich brisanten Dinge verschwinden zu lassen.
DAS IST DER EIGENTLICHE SKANDAL!!!
15:12
@Marcel
Da, wo die Kinder gestorben sind, fahren gar keine Autos.
Das Unglück ist auf der Rampe passiert, wo gar keine Autos fahren.
Die Angehörigen können jeden Tag dort auf dem Bürgersteig an der Rampe stehen oder sitzen bleiben, bis sie schwarz werden.
23:21
Wird aber auch langsam ZEit, dass der Tunnel geöffnet, oder sollen wir jetzt 1000 Jahre trauern?
Wer will, der kann ja in Duisburg auf den Waldfriedhof gehen, da kann er den ganzen Tag um fremde tote Menschen trauern.
14:04
@derhamburger
Was ist denn an meiner Aussage misszuverstehen?
Ist wohl was anderes als ein Verkehrsunfall... aber so wirds in Zukunft eh von den meisten abgetan werden....
Traurig, traurig...
13:57
Wann genau wird der Tunnel denn endlich wieder freigegeben?
13:51
#13 von Marcel
wie soll man ihre aussage verstehen?
alle plätze und strassen schließen an denen ein mensch zu tode kam.
13:43
Wie geschmacklos.
Nur damit ein paar Leute 5 Minuten schneller zur Arbeit kommen.
Ein Schlag ins Gesicht für die Angehörigen, das an den Ort, wo ihre Kinder gestorben sind, zukünftig wieder Autos lang rasen.
13:21
@vasa49
Das ALLE sich SEHR, SEHR (wie Sie schreiben!) um die Sicherheit der Menschen BEMÜHT haben, kann ich leider –gerade nach diesen 6 Wochen und den Erkenntnissen, den Aussagen, dem Verhalten vieler Verantwortlicher LEIDER nicht teilen!
KEINER hat allerdings mit Absicht die Tragödie herbeigeführt. Das ist aber auch ALLES, was ich den Verantwortlichen bisher zu Gute halte.
Das Sicherheits-/ Risikomanagement vorher und bei der LP war nicht ausreichend.
Die Risiken für die Besucher wurden vorher nicht gewissenhaft genug abgewogen.
Eventuelle „worst case“- Situationen entweder nicht erkannt oder nicht ausrechend „durchgespielt“!
Ein echter, verantwortungsvoller Sicherheitsexperte hätte dieser Veranstaltung so NIE zugestimmt und sicherlich sein Veto für die Tunnel/Rampe-Nutzung als Zu- und Ablauf eingebracht und geäußert!
Stattdessen haben z.B. Rabe und Schreckenberg ein Konstrukt(?), Papier/Gutachten(?) geschaffen, quasi eine (Teil-) Abstimmung gefunden, die mit regulären Bestandteilen eines Sicherheitskonzeptes sehr wenig zu tun haben.
Schreckenberg behauptet gar, nicht komplett in die Planung eingebunden zu sein. Dagegen beruft sich Rabe öfters auf ein so genanntes Gutachten von Schreckenberg. Sollte er das, wenn der Sicherheitsexperte gar nicht alle Einzelheiten kennt, angeblich noch niemals auf das Veranstaltungsgelände durfte?! Darf man sich auf blanke Theorie verlassen?
Da passt doch schon etwas nicht!
Es wurden zu viele Kompromisse geschlossen. Zu lasche Auflagen.
Warnungen wurden (bewusst?) überhört, unterschätzt.
Die Abstimmung aller(!) Verantwortlichen war vor und während der LP ungenügend!
Ein SEHE SEHR(!) starkes BEMÜHEN um die Sicherheit, kann ich wirklich nicht ausmachen!
Sie haben sich bemüht, okay! …und das Ende kennen wir Alle!
Der Tunnel der Trauer wird bald Vergangenheit sein.
Das Vergessen wird dann schneller fortschreiten.
Manche sind sicher froh darüber.
12:48
Vasa 49
So ganz stimme ich Ihnen nicht zu. Natürlich plant keiner so etwas mit evtl. Toten oder Verletzten. Aber wenn Sie sich die Gutachten genau anschauen, bzw. die Anhänge mit den wenigen Dokumenten, merken Sie, dass zwar viel Wert auf Sicherheit gelegt wurde, aber auf welche?
Mir fehlt dabei der gesunde Menschenverstand, einfach mal ausrechnen, ob das Ganze geht in diesem Tunnel und mit dieser Rampe. Und schon hätte keiner mehr die LoPa so geplant.
Und das genau werfe ich der Stadtspitze vor, deshalb muss sie weg.
10:45
Was heißt bald, ? morgen....?