Bahnhofsmission ist keine Endstation

Der Begleitservice der Bahnhofsmissions-Mitarbeiter im Duisburger Hauptbahnhof wird immer öfter in Anspruch genommen.
Der Begleitservice der Bahnhofsmissions-Mitarbeiter im Duisburger Hauptbahnhof wird immer öfter in Anspruch genommen.
Foto: Ute Gabriel / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
„Tag der offenen Tür“ in der ökumenischen Bahnhofsmission im Hauptbahnhof: Blauwesten stellen ihre Arbeit vor

Duisburg.. In der ökumenischen Bahnhofsmission im Hauptbahnhof ist im Grunde immer „Tag der offenen Tür“. Unterschiedliche Sorten von Reisenden in Not finden in den Räumen hinter dem Servicecenter der Bahn Hilfe und Begleitung in allen Lebenslagen.

Am offiziellen Tag der offenen Tür machen die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den blauen Westen mit Waffel- und Trödelstand auf ihre Mission aufmerksam. Die normale Arbeit läuft parallel dazu weiter. „Ich habe für den Mann da hinten einen Schlafplatz im Wolfgang-Eigemann-Haus organisiert, da wird der in drei Tagen von seinem Betreuer abgeholt“, informiert Jan Tügel die Kollegen. Es ist noch nicht so lange her, dass er selber Hilfe brauchte und auf einen Kaffee in die Mission kam. Dort wurde er von Ursula Brenke empfangen, die schnell herausfand, dass der zugereiste junge Mann aus dem Sauerland Potenzial hat.

Vom Hilfsbedürftigen zum Helfer

„Chef, guck dir den mal an, der hat eine Seelsorgeausbildung, wäre der nicht was für uns?“, fragte sie Torsten Oletz, der die Mission mit Bodo Grässer seit vielen Jahren leitet. „Wir vermeiden hier Schwarz-Weiß-Denken“, sagt Oletz und lächelt seine Ehrenamtlichen an.

Vor einem Monat zog also Jan Tügel, der inzwischen in Duisburg Fuß gefasst hat, die blaue Weste an und tut nun unentgeltlich für andere, was er selbst bekam. Er besorgt Ansprechpartner, Dolmetscher, Schlafplätze und Informationen, und er hört zu. Denn nicht bei jedem Gast weiß man sofort, woran man ist. „Kann ich hier mein Handy aufladen?“, bat etwa eine junge Frau, die in den Aufenthaltsraum kam. Klar konnte sie. Und etwas später kam im Gespräch heraus, dass sie auf der Flucht war und dringend einen Platz im Frauenhaus brauchte.

Viele Überraschungen beim Dienst der Bahnhofsmission

Überraschungen gehören dazu, das gilt auch für den wachsenden Bereich der Reisebegleitung. Ein Außendienst-Mitarbeiter staunte nicht schlecht, als er unterwegs herausfand, welchem Zweck die Reise seines Kunden dienen sollte. Der behinderte Witwer hatte um eine Begleitung nach Düsseldorf gebeten, um vor der Einebnung noch einmal das Grab seiner verstorbenen Frau zu besuchen. Aber er wollte auch den teuren Grabstein mitnehmen, um ihn aufzuheben.

Der Begleiter, der sich schon mit dem zentnerschweren Ding unter dem Arm die Rückreise antreten sah, hatte alle Mühe, dem Mann das Vorhaben auszureden. „Wir sind hier eine Auffangstelle, keine Endstation, das ist mir ganz wichtig“, sagt Ursula Brenke. Sie ist eine Überredungskünstlerin, in deren Vokabular die Worte „nicht zuständig“ fehlen.