Bagger zernagen das alte Walarium im Duisburger Zoo

Das Walarium im Duisburger Zoo war ein beliebte Attraktion für Kinder wie Erwachsene.
Das Walarium im Duisburger Zoo war ein beliebte Attraktion für Kinder wie Erwachsene.
Foto: waz
Was wir bereits wissen
Stück für Stück verschwindet zurzeit ein Teil der Attraktion die in Duisburg Zoo-Geschichte geschrieben hat.

Duisburg.. Die Bagger rollen seit kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres. Mit jeder Schaufel Erdreich, das sie ausheben, mit jedem Haufen Schutt, den sie abtransportieren, verschwindet ein Stück Zoo-Geschichte in Duisburg. Und kaum jemand bemerkt es.

Auch wir hätten es nicht getan, wenn uns nicht unsere Leserin Daniela Breuer darauf aufmerksam gemacht hätte. Denn die Baggerzähne zernagen unaufhaltsam das alte Walarium neben der Tiger-Anlage, das einmal neben dem Delfinarium zu den großen Attraktionen der Kaiserberg-Arche gezählt hat.

Umstrittener Nachfolger

Gebaut wurde es als Freiluftbecken mit zeltartiger Überdachung 1965 eröffnet war es das erstes Delfinarium in Deutschland. Vier Große Tümmler tummelten sich damals im Wasser, als Direktor Hans-Georg Thienemann noch den Zoo leitete. Allzu lange Freude an seinem großen tiergärtnerischen Coup war ihm allerdings nicht vergönnt. Thienemann starb im Jahr der Eröffnung mit gerade mal 56 Jahren.

Sein Nachfolger hat ebenfalls tiefe Spuren in den Annalen des Zoos hinterlassen, wenn auch häufig nicht unumstritten: Dr. Wolfgang Gewalt. Unter seiner Leitung entstand eine neues Delfinarium, das 1969 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Das alte Freiluftbecken sollte fortan Weißwale beheimaten.

Das Walarium wäre heutzutage nicht mehr möglich

Zunächst zogen zwei Weibchen - Moby und Allua - ein, später bekamen sie männliche Gesellschaft. Ferdinand gesellte sich zu den Damen und entwickelte sich schnell zum absoluten Publikumsliebling der Zoo-Besucher, die den schneeweißen Beluga, der stets zu lächeln schien, heiß und innig liebten. Gewalt höchst selbst hatte den stattlichen Wal bei einer seiner umstrittenen Expeditionen in der Hudson Bay vor Kanada gefangen. Ebenso wie Ferdinands langjährigen Kumpel im Becken, den Jacobita Yogi. Letzter Überlebender einer Gruppe dieser Delfine, die Gewalt vor Feuerland eingefangen hatte.

„Natürlich ist ein Walarium in der Größe heute völlig indiskutabel, ebenso wie Wildfänge. Aber das waren damals andere Zeiten“, gibt Jochen Reiter, wissenschaftlicher Leiter des Zoos, zu bedenken. „Wir blicken im Duisburger Zoo auf 50 Jahre Wal- und Delfinhaltung zurück. Wir waren damals Vorreiter in Europa. Und hätten wir das nicht gemacht, wüsste man heute auch auf wissenschaftlichem Gebiet viel, viel weniger über diese Tiere.“

Pionierarbeit

Aber auch zur besseren tiergärtnerischen Haltung von Meeressäugern habe der Zoo Duisburg viel beigetragen, wie auch die Sympathie für diese Lebewesen durch die direkte Begegnung gefördert. Reiter: „So strittig der Herr (gemeint ist Gewalt, die Red.) auch war. Aber er hat damit eine Pioniertat geleistet. Mal krass gesagt: Weißwale hatte damals keine Sau vorher so nah gesehen.“

Ein indirekter Artenschutz, wie Gewalts Nachfolger Reinhard Frese stets betonte: „Man ist nur gewillt, das zu schützen, was man kennt.“ Gerade Ferdinand hat dafür gesorgt, dass die Zoo-Besucher Belugas gut kennengelernt haben. Er war, laut Reiter, weltbekannt dafür, sein Maul aufzusperren und sich auch von Fremden tief in den Rachen schauen zu lassen.

Zusammen mit Yogi zog Ferdinand 2004 um in die Sea World im kalifornischen San Diego. Dort erfreut er sich als weltweit ältester je von Menschen gehaltener Belugawal noch immer guter Gesundheit und der Besuche seiner ehemaligen Pfleger aus Duisburg. Die Tage des seit seinem Auszug verwaisten Walariums indes sind gezählt.